"Dieses Land ist total kaputt"
In Ungarn wurde vergangene Woche der umstrittene Verfassungszusatz genehmigt, der unter anderem Studenten verbietet, ihr eigenes Land nach dem Studium zu verlassen. Die sind empört und verzweifelt, und auch einige der Studenten aus Deutschland vor Ort zeigen sich solidarisch. jetzt.de hat in Budapest, wo am Wochenende weitere Demonstrationen einem Schneesturm zum Opfer fielen, junge Ungarn und deutsche Studenten getroffen.
Seit vergangenen Mittwoch hat Ungarn eine neue Verfassung. Mit der kann Ministerpräsident Orbán mit einer 2/3-Mehrheit so ziemlich jedes Gesetz durch's Parlament bringen, ohne es von einem Gericht prüfen zu lassen. Besonders junge Leute sind über ein Gesetz empört: Studenten müssen zukünftig mindestens fünf Jahre nach dem Abschluss in Ungarn arbeiten, wer sich weigert, zahlt hohe Studiengebühren. Die finanzielle Autonomie der Universitäten wird eingeschränkt, ein vom Staat eingesetzter "Kanzler" kann jederzeit unliebsames Personal entlassen. Die Studentenbewegung Hallgatói Hálózat protestiert seit Jahren gegen Orbán. Mit der Unterschrift von Staatspräsident János Áder unter der neuen Verfassung haben sie allerdings nur noch wenige Möglichkeiten, sich zu wehren.
Niki, 19, studiert Kommunikationswissenschaft an der ELTE Universität in Budapest
„Ich studiere zwar erst seit einem halben Jahr, habe mich aber direkt den Protesten von Hallgatói Hálózat angeschlossen. Denn dieser Zwang, nach dem Studium in Ungarn bleiben zu müssen, wird alle Studenten nach mir betreffen. Seit nunmehr 34 Tagen halten wir deshalb hier in der ELTE-Universität einen Hörsaal Tag und Nacht besetzt. Offiziell hat die Uni das zwar verboten, bisher hat uns aber auch noch niemand rausgeschmissen. Bei den Protesten bin ich im Kommunikationsteam. Wir wollen, dass mehr Leute unsere Probleme wahrnehmen, auch wenn unser Ministerpräsident János Áder das umstrittene Gesetz bereits unterzeichnet hat."
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