Mädchen, was hat die Sexismus-Debatte mit euch gemacht?
Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen. Dieses Mal: #aufschrei
Die Jungsfrage:
Es war eine, nun ja, etwas komplizierte Woche, was das Verhältnis zwischen Männern und Frauen angeht. Zeitungen, Blogs, Radiosendungen und Talkshows waren voller Berichte und Diskussionen zum Thema Sexismus, losgetreten vom Stern-Artikel über Rainer Brüderle, beschleunigt vor allem über Twitter und den Hashtag #aufschrei. Ob man wollte oder nicht, man wurde damit konfrontiert und musste sich mit dem Thema auseinandersetzen. Diese Debatte liegt jetzt in der Luft zwischen uns und euch. Deshalb wollen wir heute in der Jungsfrage darüber sprechen, was sie bei uns ausgelöst hat, und fragen, wie ihr sie erlebt habt.
Also erstmal zu uns: Ich habe diese Woche auf Jungsseite verschiedene Reaktionen festgestellt. Manch einer machte es sich in einer trotzigen Verteidigungshaltung bequem, sprach von Sippenhaft für Männer. Vor allem in Gesprächen, in denen Jungs unter sich waren, kommentierten viele das Geschehen einfach mit einem Witz, wie auch so viele Tweets unter dem Hashtag #aufschrei es taten. Aber es war daneben (und manchmal auch hinter den Witzen und Verteidigungen) ein bisschen Unsicherheit zu spüren. Man merkte: Viele von uns begannen diese Woche nachzudenken, auch über das eigene Verhalten. jetzt-user synthie_und_roma schrieb nach der Lektüre der Aufschrei-Tweets einen Text über dieses Nachdenken. Darin hieß es:
„Ich habe schon Zoten in Meetings gerissen, oder über blöde Herrenwitze gelacht, wenn andere Frauen dabei waren. Selbstverständlich schaue ich bei allen Frauen erst mal auf den Arsch und stimme mich mit den Kollegen über deren Aussehen ab.“ Er kommt zu dem Ergebnis, dass jeder von uns einen Brüderle in sich habe, selbst wenn wir uns niemals sagen lassen würden, Sexisten zu sein: „Ich halte mich für einen modernen Mann, der Frauen ernst nimmt und für die Gleichberechtigung und die Frauen-Quote eintritt. Trotzdem bin ich in einigen Dingen nicht besser als ein Ol’ Dirty Brüderle oder ein Franz-Josef Wagner, der eine Bildungsministerin zunächst mal nach dem Äußeren bewertet.“
Wahrscheinlich treffen es diese Sätze ganz gut. Kaum einer von uns ist vollkommen frei von sexistischen Gedanken oder Verhalten. Uns rutschen frauenfeindliche Witze heraus, bei 90 Prozent aller Junggesellenabschiede steht der Besuch einer Tabledancebar oder Schlimmerem auf dem Programm und wir können nicht ausschließen, jemals eine Anmache etwas vehementer vorgetragen zu haben als dem Mädchen lieb war. Seit vergangener Woche haben wir allerdings neue Sensoren für derlei Verhaltensweisen entwickelt. Die vielen Tweets von Frauen und Mädchen, die von unangenehmen bis widerlichen Begegnungen mit unseren Geschlechtsgenossen berichteten, haben uns ein bisschen erschüttert. Natürlich wussten wir auch vorher, dass es sexuelle Belästigung und Sexismus gibt. Sie in dieser Geballtheit präsentiert zu bekommen, in diesem scheinbar nicht enden wollenden Strom – das ist uns bisher aber nicht passiert, und ich glaube, das hat uns ein bisschen verändert. Wir werden nicht von heute auf morgen eine Komplettmutation hinlegen. Es ist auch mit Sicherheit noch nicht der letzte Herrenwitz dieses Planeten erklungen. Aber ich glaube, es gibt einen Unterscheid zwischen Jungs vor der #aufschrei-Debatte und danach.
Jetzt seid ihr dran: Was ist bei euch diese Woche geschehen? Wie habt ihr die Debatte erlebt und was hat sie mit euch gemacht?
Auf der nächsten Seite: Wie die jetzt-Mitarbeiterinnen #aufschrei erlebt haben.
- Mädchen, warum zieht ihr euch so komisch aus? 10.05.2013
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