2. Schirach 3. Sankovitsch
Dank mehr Zeit in Bahn und Wartezimmern(und es geht auch die nächsten Wochen so weiter, ich bin gespannt)
2. Ferdinand von Schirach- Schuld
"Sie hatten dem Russen lange zuhören müssen. Endlich kam er zu den Pillen. Chemiker aus der Ukraine würden sie herstellen, deren Staatsbetrieb sei aufgelöst worden, sie seien arbeitslos geworden. Sie hätten privatisieren müssen, ihre Frauen und Kinder müssten essen. Der Russe hatte noch alles Mögliche angeboten: Maschinengewehre, Haubitzen, Granaten. Von einem Panzer hatte er ein Foto im Geldbeutel dabeigehabt. Er hatte das Foto zärtlich angesehen und dann herumgereicht. Er hatte gesagt, er könne auch Viren beschaffen, aber das sei ein schmutziges Geschäft. Alle hatten genickt"
Inhalt:
Schirach ist Anwalt und legt mit "Schuld" seinen zweiten Band nach. Doch anders als im ersten Band "Verbrechen" gibt es hier keine Urteile, der Leser wird zurückgelassen mit der Frage nach der Schuld.
Wer ist zu verurteilen? Die Person die jemanden tötet der jahrelang seine Frau sadistisch quält und es nun auch bei seiner Tochter will? Die Menschen die wegsehen?
Wo beginnt Schuld und Unschuld? Haben wir moralische Verantwortung?
Fazit:
Mh, dieses Buch war eine Altlast von mir. Vor einem Jahr begonnen und dann weggelegt.
Schirach schreibt kurz und verknappt. Ohne Chichi. Genau wie im ersten Band. Übertriebener Pathos wäre auch nicht angebracht.
Aber irgendwie, trotz der an sich spannenden Fragen nach Gut und Böse, Schuld und Unschlud, bleibt mir von diesem Buch nicht viel.
Die Fälle sind schrecklich und grausam, die menschlichen Abgründe suchen ihresgleichen.
Trotzdem bleibt dieses Werk für mich nichtssagend. Weder gut noch schlecht.
Deswegen sehr neutrale 5/10
3. Nina Sankovitch- Tolstoi und der lila Sessel
(Diesmal fiel mir mir es sehr schwer ein Zitat und einen Lieblingssatz auszuwählen, es gibt einfach so viel schönes in diesem Buch.)
"Dieses eine Jahr tauche ich ab, ich bleibe zwanzigtausend Meilen unter der Oberfläche, und mein normales, mit Terminen vollgestopftes, kontrolliertes Leben muss warten. Das habe ich Anne-Marie zu verdanken. Ich bin unter Wasser und schwimme zusammen mit den Autoren all der Bücher, die ich lese, ich atme Sauerstoff aus ihren Worten, und Anne-Marie ist auch da. Die Lebensgeschichten in den Romanen hauchen mir neues Leben ein. Und sie zeigen mir, wie ich Anne-Marie am Leben erhalten kann, in mir."
Inhalt:
Nina, eine von drei Schwestern polnischer Einwanderer, taucht buchstäblich ab. In die Welt der Bücher. 365 tagelang jeden Tag eines.
Es ist wie eine selbstverordnete Medikamentation nach dem Tode ihrer Schwester Anne-Marie.
Alles begann in einem Blog (http://www.readallday.org/blog/)
Nun liegt dieser Blog nicht schnöde als Buch vor.
Es sind die Gedanken, Emotionen der Autorin. Wie sie sich verändert hat, wie sie gelernt hat inne zu halten. Wie man mit dem Gefühl leben kann dass man lebt während dem anderen dies nicht mehr vergönnt ist.
Eindringlich schildert sie die Kraft der Bücher, wie sie es geschafft haben die Autorin aus ihrer Tretmühle zu befreien. Aber sie zeigen ihr auch auf, wie sie sich wieder an ihre Schwester erinnern kann. Und wie sie diese Erinnerungen teilen kann.
Sankovitsch lässt daran teilhaben, wie eine Familie nach dem Tod eines geliebten Menschen leben, weiterleben und auch überleben kann. Anhand ihrer ganzen Familie, insbesondere ihres Vaters der drei seiner Geschwister im zweiten Weltkrieg verlor.
Aber auch die alltäglichen Probleme, wie soll man nur lesen mit vier Kindern und Haushalt, kommen nicht zu kurz.
Fazit:
Für mich ein großes, tolles Buch.
Bücher waren in meinem Leben schon immer Dinge an denen man sich festhalten konnte, kleine Fixsterne. Ein wahrer Trost.
Und diese Gefühle finde ich in diesem Buch immer wieder. Bücher geben auch ihr den Schlüssel zu Erkenntnissen über die Welt und Verständnis für die Sehnsüchte der Menschen.
Und ganz nebenbei hat sich meine noch-zu-lesen-Liste merklich verlängert.
Auch wenn die Trauer immer mitschwingt, es ist ein positiver, lebensbejahender Eindruck der bleibt.
erneut 10/10
Lieblingssatz:
"Wir sind, was wir gerne lesen, und wenn wir zugeben, dass wir ein Buch lieben, geben wir auch etwas von uns selbst preis, sei es Sehnsucht nach Liebe, die Suche nach Abenteuer oder die geheime Faszination für das Böse."

- 1 - Jonathan Safran Foer: Eating Animals 12.06.2013
- 62.Foer 63.Grimes 09.06.2013
- 6 – Banana Yoshimoto: Ihre Nacht 05.06.2013
- 5 – Sophie D. Crockett: Nach dem Schnee 02.06.2013
- 4 – John Irving: In einer Person / In one person 29.05.2013
das_maedchen sagte:
du verrückte leseratte!
sag mal wie schnell liest du?
...ja, schon schnell.
aber drei stunden zug und zwei stunden warten sind da auch äußerst hilfreich.
MsAufziehvogel sagte:
*stöhnt* das gibts ja nicht... ;-)
also, der schirach, das war ne sache von einer stunde oder so. ist ja sehr kurz und kanpp.
und das andere war sprachlich nun nicht so anspruchsvoll. da geht das schon.
wenn es tröstet, ich hänge seit zwei wochen an einem buch und komme nicht weiter (genau genommen auch schon seit monaten, aber ich habe es einfach nicht mehr angefasst).
Trilobitin sagte:
wenn es tröstet, ich hänge seit zwei wochen an einem buch und komme nicht weiter (genau genommen auch schon seit monaten, aber ich habe es einfach nicht mehr angefasst).
ehrlich gesagt nein. ich quäl mich ja nicht mehr durch bücher. wenns nichts taugt oder mich nicht mitnimmt, les ich einfach nicht weiter. bei mir dauerts, weil ich mir einfach nicht genug zeit zum lesen nehme.
aber ich bin wild entschlossen, das zu ändern! jawohl!
MsAufziehvogel sagte:
Trilobitin sagte:
wenn es tröstet, ich hänge seit zwei wochen an einem buch und komme nicht weiter (genau genommen auch schon seit monaten, aber ich habe es einfach nicht mehr angefasst).
ehrlich gesagt nein. ich quäl mich ja nicht mehr durch bücher. wenns nichts taugt oder mich nicht mitnimmt, les ich einfach nicht weiter. bei mir dauerts, weil ich mir einfach nicht genug zeit zum lesen nehme.
aber ich bin wild entschlossen, das zu ändern! jawohl!
die altlasten, die bösen altlasten. müssen ja mal weg.
ich habe mit ein bisschen qual auch schon die tollsten bbücher gefunden, zb der nachtzug nach lissabon. am anfang furchtbar, ich habe ewig gebraucht. und dann verschlungen.
wilde entschlossenheit ist immer gut!
ein prof von mir sagt ja auch gerne: jedes buch muss man mehrmals in die hand nehmen, jedes hat seine zeit und seinen ort.
das zweite hört sich aber sehr schön an.. bücher über bücher sind ja sowieso meist fabelhaft. das werde ich mir auf die muss-ich-kaufen-liste schreiben!
addictedToSleep sagte:
vom schirach hatte ich das erste auch schon gelesen.. den zweiten hatte ich aber jetzt nicht mehr aufm schirm.
das zweite hört sich aber sehr schön an.. bücher über bücher sind ja sowieso meist fabelhaft. das werde ich mir auf die muss-ich-kaufen-liste schreiben!
den schirach muss man auch nicht unbednigt, würde ich jetzt sagen. außer man war schon vom ersten total begeistert. oder so.
unbedingt! ich finde es ganz toll, bücher über bücher haben bei mir ja auch gewonnen, schon aus prinzip.
aber es ist schon ein wenig drückend durch das thema tod.
und bücher über andere bücher liebe ich ja eh. :)
JosephineKilgannon sagte:
die schirach bücher fand ich auf ihre niederschmetternde art und weise sehr gut. auch das zweite, gerade weil man keine antwort vorgesetzt bekommt.
und bücher über andere bücher liebe ich ja eh. :)
ich weiß auch nciht genau was mich an diesem buch stört, es ist nicht die fehlende antwort. die geschichten sind ja wahrlich furchtbar. aber es bleibt halt... wirklich nichtssagend für mich. ich kann es mir auch nicht erklären.
und ja, bücher über bücher, es gibt fast nichts besseres ;)









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04.01.2013 - 07:23 Uhr
das_maedchen
sag mal wie schnell liest du?
danke für die empfehlungen, kann ich immer gut gebrauchen. das mit den lieblingssätzen mag ich besonders.