04.12.2012 - 18:30 Uhr

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Rap Rendezvous. Wir hören neue Platten mit Muso

Text: daniel-schieferdecker

Einmal im Monat plaudern wir mit einem Vertreter aus dem HipHop-Kosmos über aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit Muso über die Neuerscheinungen von RZA, Kendrick Lamar, Knaan, Textor und Mach One.



Dass Daniel Musumeci aka Muso einiges zu sagen hat, konnte man bereits auf der aktuellen Orsons-Tour hören, wo er die Jungs kürzlich als Support-Act begleitete. Ebenfalls auf deren Label Chimperator gesignt, das in diesem Jahr vor allem durch Rap-Durchstarter Cro auf sich aufmerksam machen konnte, wird Muso Anfang 2013 bei Chimperator sein Debütalbum veröffentlichen. Die Erwartungen an den 26-jährigen Heidelberger sind hoch, doch wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, wird die Platte diesen Erwartungen mühelos gerecht. Einen ersten Vorgeschmack liefert Muso bereits mit dem Track „Malibu Beach“ – flüssig gerappte Dopeness auf einem pompös gedrechselten Drum’n’Bass-Beat. So klingt also „das nächste große Deutschrap-Ding“ im kommenden Jahr. 

 


Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und
 

Various Artists – "The Man With The Iron Fists (OST)" 



jetzt.de: Du bist 26 Jahre alt. Als der Wu-Tang Clan seine legendären „36 Chambers“ veröffentlicht hat, warst du gerade fünf. Ist der Wu-Tang Clan dennoch etwas, das du in deiner musikalischen Sozialisation mitbekommen hast?
Muso:
Ja, ich bin totaler Wu-Tang-Fan und feiere auch RZA total ab. Ich mag dieses Soundbild aus schepprigen Drums, Kung-Fu-Samples und den unterschiedlichen Flows der MCs. Das ist zwar nichts, was ich selbst machen wollen würde, aber ich find das geil.  

Und wie hat dir diese Platte gefallen?

Die finde ich super. Die ist sehr soulig, was eigentlich gar nicht so mein Ding ist. Aber in dem Fall hat mir das echt getaugt. Das kann man sehr gut durchhören. 

 

Wie beurteilst du Rap-Musik als musikalische Untermalung für einen Film generell? Ist das ein geeignetes Genre, um die Wirkung von Bewegtbildern zu unterstützen?

Rap hat im Mainstream wieder einen sehr großen Platz eingenommen und das wird auch dadurch widergespiegelt, dass Rap zunehmend in Filmen präsent ist. Rap drückt sehr viel aus und ist sehr direkt. Bei instrumentalen Stücken bleibt sicherlich mehr Interpretationsspielraum, aber ich finde Rap-Tracks zur Untermalung von Bildern auch geil. Es muss halt passen.  

„The Man With The Iron Fists“ ist ein Kung-Fu-Film. Kannst du damit generell etwas anfangen?
Es gibt natürlich ein paar Klassiker wie „Ong-Bak“, die finde ich geil. Aber ich bin jetzt kein riesiger Fan.

Würde dich der Soundtrack dazu animieren, dir den Film anzusehen?
Nein. Die Platte reicht mir vollkommen.
 

  Kendrick Lamar – "Good Kid, m.A.A.d City"



Kendrick Lamar ist einer der MCs der Stunde und wird unter anderem von Dr. Dre gepusht. Deine Meinung zur Platte?
Ich muss ganz ehrlich sagen: Seit Eminem hat mich nichts mehr so krass geflasht. Das ist Bone Thugs-n-Harmony meets Kanye West meets Eminem. Kendricks Doubletime-Passagen, seine Metrik, seine switchenden Flows – man merkt einfach, dass der sich anderthalb Jahre lang im Studio eingeschlossen und akribisch daran gefeilt hat. Musikalisch ist das der Wahnsinn.  

Auf der Platte sind 13 verschiedene Produzenten zum Einsatz gekommen. Findest du die Platte aus musikalischer Sicht dementsprechend zerfahren oder passen die verschiedenen Beats dennoch alle gut zusammen?
Das ist schon auf eine Weise zerfahren, aber genau das macht die Platte so geil. Ich kann das Album locker durchlaufen lassen, ohne mich zu langweilen, und das passiert mir nicht oft. Das ist Next-Level-Shit. 

   

Was sagst du zu den Features von Leute wie Drake, Pharrell und MC Eiht?

Finde ich geil, aber an Kendrick kommt momentan keiner vorbei. Wenn man sich Features an Bord holt, sollte man immer aufpassen, sich von seinen Gästen nicht überrennen zu lassen, und das ist Kendrick glücklicherweise nicht passiert. Momentan ist der Typ einfach nicht zu toppen.  

Kendrick Lamar kommt aus Compton, also dem Gang-Viertel schlechthin. Darüber rappt er auch, ohne das Ganze jedoch zu glorifizieren. Gefällt dir dieser reflektierte Ansatz oder hättest du es lieber mehr „auf die Fresse“ gehabt in guter, alter Gangsta-Rap-Manier?

Inhaltlich erfindet Kendrick das Rad mit seiner reflektierten Art sicherlich nicht neu. Aber wie er das macht, mit seinem Flow, seiner Betonung, seiner Abstraktion, das ist schon derbe. Untouchable.
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