12.11.2012 - 18:30 Uhr

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Englisch lernen zum Discount-Tarif

Text: juliane-frisse - Foto: daumenkino / photocase.com

Sprachschüler und Studenten haben die Philippinen als englischsprachigen Billig-Anbieter für Kurse und Uniabschlüsse entdeckt - obwohl die meisten Philippiner gar nicht wirklich Englisch sprechen.

Angestrichen:
And it's not just English language students who are coming to the Philippines - there's also been a rapid increase in the number of foreigners applying for graduate and post-graduate courses in all kinds of fields. The main reasons that attract them are, again, the cost - and the fact that, in the country's top universities, all classes are held in English. In order to study at a university here, foreigners need a full student visa, and immigration records show that three times as many foreigners applied for one in 2011 than they did just three years before.

Wo steht das denn?

In einem Artikel von Kate McGeown, der BBC-Korrespondentin auf den Philippinen, der am Montag auf der Website der BBC erschienen ist.

Und was bedeutet das?
Die Philippinen sind auf dem besten Weg, das neue Malta zu werden. Sprachschüler, die Englisch lernen, aber das lieber bei Sonnenschein als bei typisch britischem Schmuddelwetter tun wollen, weichen seit Langem gerne auf die Mittelmeerinsel aus. In Malta sprechen die Menschen zwar auch noch Maltesisch, aber wegen der Kolonialvergangenheit ebenfalls sehr gut Englisch, das dort zweite Amtssprache ist.

So ähnlich ist es auch auf den Philippinen - nur, dass die Sprachschüler und Studenten nicht wegen des besseren Wetters kommen, sondern weil sie hier besonders billig Englisch lernen oder auf Englisch studieren können.
Die Phillipinen waren während der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert eine Kolonie der Vereinigten Staaten - ein Grund, warum bis heute auch US-amerikanisches Englisch auf den Philippinen gesprochen wird. An den besten Universitäten werden alle Kurse auf Englisch gehalten. Gleichzeitig kosten Sprachkurse hier aber nur ein Drittel von dem, was Sprachschhüler in den USA oder Kanada ausgeben müssten und auch die Studiengebühren halten sich in Grenzen.



Das lockt inzwischen nicht nur mehr Sprachschüler aus den asiatischen Nachbarländern auf die Philippinen, sondern auch aus Ländern wie Iran, Libyen, Brasilien und Russland. An Unis wie die katholische De-la-Salle-Hochschule strömen bisher vor allem Studenten aus China und Japan, doch zuletzt kamen auch vermehrt Europäer. Insgesamt sind 2011 bei der philippinischen Einwanderungsbehörde 24.000 Anträge auf Studienberechtigungen gestellt worden - dreimal so viele wie noch vor vier Jahren.

Als Billiglohnland wurden die Philippinen längst schon von amerikanischen Call-Center-Unternehmen entdeckt. Wenn Kunden einer US-Firma bei einer Hotline anrufen, werden sie oft zu jemandem verbunden, der in Manila sitzt, weil sich so erheblich Kosten sparen lassen. Damit die Anrufer nicht merken, dass sie mit einem Philippiner sprechen, werden die Mitarbeiter geschult, damit sie am Telefon nicht mehr von einem US-Amerikaner zu unterscheiden sind. Es ist eine kuriose Auswirkung der Globalisierung und ein weiterer Grund, warum tatsächlich einige Philippiner ein sehr gutes amerikanisches Englisch sprechen.

Das gilt aber längst nicht für den Großteil der Einwohner. Viele sprechen ein halbwegs passables Englisch, nur wenige beherrschen die Sprache fließend und haben ein Gespür für sprachliche Feinheiten. Sogar Tageszeitungen titeln schon einmal unfreiwillig komisch "Police clueless", wenn es darum geht, dass die Polizei in einer Ermittlung noch im Dunkeln tappt, wie die BBC-Korrespondentin berichtet. Denn Philippiner sprechen oft bloß "Taglish", einen Mix aus Englisch und der lokalen Sprache Tagalog. Den Studenten mag das egal sein, für die Sprachschüler sind das aber sicherlich keine idealen Bedingungen. Angesichts des massiven Preisvorteils sehen aber offenbar viele gerne darüber hinweg.

Sowohl Sprachschüler als auch Studenten lernen auf diesem Weg aber auch ein Land kennen, das so völlig anders tickt als die üblichen Verdächtigen UK, USA, Kanada oder Australien: Die Philippinen sind zwar ein wirtschaftlich aufstrebendes, aber vergleichsweise armes Land und gleichzeitig erzkatholisch: Die Kirche hat einen großen Einfluss, Abtreibungen sind komplett verboten, Verhütungsmittel für viele schwer zugänglich. Das sollte einerseits jedem bewusst sein, der auf die Philippinen geht. Andererseits ist es zu begrüßen, dass so wohl bald mehr Europäer einen Eindruck von diesem hierzulande vielen völlig unbekannten Land in Südostasien gewinnen.

 




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BeutekunstAmBau
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Mag ich Mag ich nicht

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13.11.2012 - 15:40 Uhr
BeutekunstAmBau

juliane-frisse sagte:
@soylentyellow

Muttersprachlergeprüft: Ich habe gestern wegen der Headline "police clueless" noch einmal bei einer SZ-Kollegin nachgefragt, die gerade im Rahmen eines Journalistenaustauschs beim Guardian ist. Sie hat dort mit einer Kollegin gesprochen, die sagte, dass "Police clueless" so klingt, als seien die Polizisten dumm. Das sind eben jene sprachliche Feinheiten, die Nicht-Muttersprachler oft nicht kennen. Viele Grüße!





kann ja auch so gemeint sein...wäre in jeder britischen tageszeitung ein akzeptabler titel.kommt halt drauf an was im artikel steht...ich bezweifle im übrigen dass der schreibstil philippinischer journalisten schlechter ist als der britischer...und by the way wenn man an einer durchschittlichen englischen hochschule studiert hat man es auch nur sehr selten mit muttersprachlern zu tun (selbst im lehrpersonal).

Grrmpf
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13.11.2012 - 16:10 Uhr
Grrmpf

alcofribas sagte:


Weil Dialekt oder Akzent oft mit sprachlicher und damit fachlicher Inkompetenz gleichgesetzt wird.

Was grundsätzlich falsch ist und von den Gleichsetzenden leicht zu überdenken wäre. Möglicherweise leichter, als ich akzentfreies Oxford-Englisch lernen könnte. Oder Deutsch.

alcofribas
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13.11.2012 - 16:16 Uhr
alcofribas

Grrmpf sagte:
alcofribas sagte: Weil Dialekt oder Akzent oft mit sprachlicher und damit fachlicher Inkompetenz gleichgesetzt wird.Was grundsätzlich falsch ist und von den Gleichsetzenden leicht zu überdenken wäre. Möglicherweise leichter, als ich akzentfreies Oxford-Englisch lernen könnte. Oder Deutsch.


ich hab ja nicht gesagt, dass ich das tue, sondern dass z.B. viele Call Center keinen nehmen, der nicht akzent- und dialektfreies Hochdeutsch spricht. Abgesehen davon ists mir auch schon passiert, dass mich die Callcenter-Ljudmila aus Charkiw nicht verstanden hat.

Grrmpf
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13.11.2012 - 16:19 Uhr
Grrmpf

alcofribas sagte:


ich hab ja nicht gesagt, dass ich das tue, sondern dass z.B. viele Call Center keinen nehmen, der nicht akzent- und dialektfreies Hochdeutsch spricht. Abgesehen davon ists mir auch schon passiert, dass mich die Callcenter-Ljudmila aus Charkiw nicht verstanden hat.

Ich hab' auch nicht gesagt, Du hättest das gesagt ;-).

Über heruntergenudelte Perfektion im Service haben wir uns ja schon mal unterhaten. Und zwischen gut sprechen, aber mit Akzent und Ludmilla aus Charkiv sind der Abstufungen viele.

alces
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13.11.2012 - 17:19 Uhr
alces

BeutekunstAmBau sagte:
und by the way wenn man an einer durchschittlichen englischen hochschule studiert hat man es auch nur sehr selten mit muttersprachlern zu tun (selbst im lehrpersonal).


Auch an einer deutlich überdurchschnittlichen ist das so. Best & brightest, und so. Und ja, "police clueless" würden die meisten britischen Zeitungen genau wegen der leichten Konnotation der Inkompetenz so als Schlagzeile verwenden. Der Guardian würde natürlich da gerne "police are racist fascist pigs" schreiben, traut sich aber nicht.

soylentyellow
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13.11.2012 - 20:26 Uhr
soylentyellow

juliane-frisse sagte:
@soylentyellow

Muttersprachlergeprüft: Ich habe gestern wegen der Headline "police clueless" noch einmal bei einer SZ-Kollegin nachgefragt, die gerade im Rahmen eines Journalistenaustauschs beim Guardian ist. Sie hat dort mit einer Kollegin gesprochen, die sagte, dass "Police clueless" so klingt, als seien die Polizisten dumm. Das sind eben jene sprachliche Feinheiten, die Nicht-Muttersprachler oft nicht kennen. Viele Grüße!


schon klar - aber vielleicht war ja gerade DAS die Absicht des Überschriftenschreibers? Grammatikalisch korrekt ist es trotzdem. Nett natürlich nicht, aber wenn die Polizei keinen blassen Schimmer hat wer es gewesen sein könnte, dann kann man es knapper kaum ausdrücken...

juliane-frisse
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13.11.2012 - 21:04 Uhr
juliane-frisse

@soylentyellow

Das ist natürlich möglich, dass es so gemeint war. Ich kann das nicht nachprüfen und habe deswegen auch geschrieben, dass das Beispiel von der BBC-Kollegin stammt (ihr Text ist weiter oben verlinkt). Ich denke, sie hätte es nicht gewählt, wenn ihrer Einschätzung nach hier nicht ungewollt dieser Subtext entstanden ist.

chocolatecat
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14.11.2012 - 17:48 Uhr
chocolatecat

Auf den Philippinen spricht tatsächlich jeder mit schulbildung englisch, habe mich dort mit einer Frau im Bus lange unterhalten, die Lehrerin war. Bereits in der Grundschule werden viele Fächer bilingual oder komplett auf englisch gelehrt.
Allerdings haben sie schon ein paar andere Ausdrücke. Das WC ist da zum Beispiel CR, was für "Comfort Room" steht.
Call Centre: ich glaube da geht es vor allem auch darum eine gewisse kundennähe vorzuspielen. Der Kunde soll ja denken er spricht mit jemand von der Firma xy und nicht mit jemand wo auch jemand für 10 andere Firmen anruft

basanta
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1

15.11.2012 - 00:37 Uhr
basanta

Was genau ist der Punkt dieses Artikels? Abgesehen davon, dass es Englischkurse auf den Philippinen gibt?

Ich finde es wenig angemessen, so herablassend von "halbwegs passablem Englisch" und "bloß Taglish" zu sprechen. Englisch ist als globale Sprache längst in lokale Varianten zerfallen, die sich der Deutungshoheit eines britischen vermeintlichen "Muttersprachlers" entziehen.

"Ein Land, das so völlig anders tickt als die üblichen Verdächtigen UK, USA, Kanada oder Australien" Bisschen Exotisieren schadet nie. Aber gerade als Sprachschüler kann man sich auf den Philippinen zwischen Malls, Fast Food und Tanzklubs ein Leben einrichten, das vielleicht garnich so viel anders tickt, als bei den "üblichen Verdächtigen".

Und nur um möglichen Missverständnissen vorzubeugen: Kondome gibt es auf den Philippinen in jedem convenience store, die Pille in jeder Apotheke. Es tobt eine gesellschaftspolitische Debatte um Familienplanung, die sich aber nicht auf die physische Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln auswirkt.

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juliane-frisse

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.