Sauerbraten und bayerisches Fast Food
Gegessen wird immer, aber jeder macht es anders. In der Kolumne Kosmoskoch dokumentieren jetzt-User und jetzt-Redakteure jeweils eine Woche lang, was am Abend bei ihnen auf den Tisch kommt, und schreiben auf, warum. Heute: jetzt-User Grrmpf.
Diese Woche hat sich jetzt-User Grrmpf die Mütze des Kosmoskochs aufgesetzt.Montag:

„Die Woch’ fang schon gut an“ soll der Räuber Kneißl gesagt haben, als man ihn an einem Montag zum Galgen führte, was, wie wir alle wissen, zweierlei Unfug ist, weil Matthias Kneißl am Freitag, den 21. Februar 1902 guillotiniert wurde. Was das mit der abgebildeten Kürbissuppe mit gerösteten Kürbiskernen und – Sie erraten es – Kürbiskernöl zu tun hat? Nichts.
Eigentlich wollte ich diese Woche Tag um Tag die Eintönigkeit der Ernährung des einfachen Außendienstlers demonstrieren, mit 5 Leberkässemmeln in unterschiedlichen Einwickelpapieren. Aber es kommt gleich am Montag anders. Ich war ausnahmsweise Mittags mit Kollegen unterwegs und besuchte ein Tageskaffee, wo es belegte Semmeln und Spezi gab. Aus Anonymitätsgründen verzichtete ich allerdings auf ein Foto.
Nach Feierabend erwartete mich bereits ungeduldig meine Frau: Einer von zahlreichen Elternabenden im Kindergarten stand an, die Kinder mussten noch zum Einschlafen bewegt werden. Die Suppe zum aufwärmen stand auf dem Herd. Ich mag Kürbissuppe, aber nur ein bis zwei Mal pro Saison.
Irda:

Nach dem Lied „Wos is heit für Tag?“, das in der grandiosen Sepp-Depp-Henadreck Kinderliedersammlung enthalten ist, wäre Dienstag Nudeltag. Auch das hat nichts mit meinem heutigen Abendessen zu tun. Ich frage mich nur gerade, ob die Biermösl Blosn hier Schmalznudeln in der einen oder anderen Form besingen oder ob es sich gar um wel(l)sche Pasta handeln könnte. Außerdem deucht mir merkwürdig, warum so leichtfertig auf die bayerische Benamung der Wochentage verzichtet wurde.
Die Suppe links dürfte Ihnen bereits bekannt vorkommen. Aber so ein übrig gebliebenes Schüsserl vom Vortag gereicht einem hart tickernden Menschen natürlich nur zur Vorspeise. Also noch flugs den Kühlschrank geplündert und den Magen mit 2 Schinkensemmeln mit Gurkerln aufgefüllt. Der süße Senf steht nur aus Schussligkeit auf dem Tisch und wurde ungenutzt wieder aufgeräumt.
Mittwoch:

Grundsätzliches zu mir und der Leberkässemmel: Ich bin orthodoxer Leberkässemmelesser. Eine Leberkässemmel besteht aus rotem oder weißem Leberkäs (fein, warm). Nicht aus grobem, nicht aus Pizza-, Chili-, oder Hawaiileberkäse. Er wird in eine aufgeschnittene Semmel gelegt. Nicht in eine Schrippe, in kein Mini-Baguette und schon gleich gar nicht in eine Körner-Semmel. Von der Variante mit Laugensemmel habe ich schon gehört. Allerdings kenne ich dieses Gebäck in eher kleiner Form und ich frage mich, wie ein gescheiter Fransen Leberkäs darin Platz haben soll. Senf ist nur gestattet, wenn der Leberkäs so gräuslich ist, dass man ihn sonst nicht hinunterbekommen würde. Von Ketchup rede ich gar nicht erst.
Da ist sie also. Es hat bis zum dritten Tage gedauert. Ein Kurzausflug führt mich in die wastelands um München, viele Termine, keine Zeit, sich etwas richtiges zum Essen zu suchen. Zu meinem Erstaunen stolperte ich in der Mittagspause über eine von wenigen Metzgereien, die nicht der Großkette mit den Hygienemängeln angehört. Die Preise waren München-typisch, der Leberkäs aber ganz gut. Etwas fett vielleicht.
Abends gab es übrig gebliebene Nudeln vom Mittagessen mit ebenfalls übrig gebliebenem Sauerkraut vermischt. Das sah so wenig fotogen aus, dass ich Ihnen den Anblick ersparen möchte.
Donnerstag:

Als ich um kurz nach drei Uhr Nachmittag die Metzgerei erreiche, gibt es noch ein Scherzl vom Surbraten, das ich mir in 2 Semmeln packen lasse. Der Braten hat wohl schon etwas länger gelegen, als seit heute Mittag. Er schmeckt überwiegend nach Salz.
Drei Liter Wasser und fünf Stunden später gibt es auch schon Abendessen. Es gibt Risotto mit Hokkaidokürbis. Und das schmeckt ausgezeichnet, obwohl es wieder der aufgewärmte Rest vom Mittagessen ist. Und ohne Foto, weil am
Freitag

gibt’s...aufgewärmtes Kürbisrisotto. Das ist wegen der enthaltenen Speckstückchen jetzt nicht gerade ein passendes Freitagsfastenessen.
Jetzt werden Sie sagen: Der Grrmpf jammert in einer Tour, dass er abends immer nur aufgewärmtes vom Mittagessen bekommt. Denkt der nicht an seine armen Frau und Kinder, die bekommen das gleiche Essen ja dann noch öfter vorgesetzt. Das stimmt. Und nicht nur das: Die armen Kinder müssen in einer Tour sprachlich zwischen dem Bairisch des Vaters, dem Hochdeutsch der Mutter, und dem Platt Theodor Fontanes hin und her switchen:
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: „Junge, wiste 'ne Beer?“
Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.“
Da haben sie sich etwas Abwechslung verdient.

Samstag:

Viel zu tun, denn die landwirtschaftliche Verwandtschaft schenkt uns einen Kofferraum voller Äpfel, ein Termin zum Saftpressen ist für den Nachmittag vereinbart. Wir kommen erst spät, allerdings mit frisch pasteurisierten 120 Litern Apfelsaft zu Hause an. Gut, dass Frau Grrmpf schon alle Bestandteile für den abgebildeten Karottenkuchen vorbereitet hat, dann geht’s recht schnell und die Kinder kommen bald ins Bett. Die Karotten/gelben Rüben/Möhren sind übrigens die letzten unserer diesjährigen Ernte.
Sonntag:

Ein Sonntag wie aus dem Soziogrammbilderbuch der Tickergemeinde: Nach gemeinsamen Kirchgang und Besuch des Wahllokals (hier standen wieder einmal ein paar dieser überflüssigen direkt-demokratischen Entscheidungen an) geht es vorbei an Jägerzäunen und frisch vom Herbstlaub befreiten Vorgärten ins Eigenheim, wo schon seit geraumer Zeit ein Sauerbraten vor sich hin schmurgelt. Dazu haben wir Blaukraut vorbereitet, und noch frisch eine deutlich zu große Menge Spätzle hergehobelt.
Auf der nächsten Seite liest du den Kosmoskoch-Fragebogen von Grrmpf.
- Burger-Fest und innige Spätzle-Liebe 21.05.2013
- Zugessen und schlotziger Couscous-Salat 13.05.2013
- "Ohne Spargel ist nicht richtig Frühling" 06.05.2013
- Bohnensuppe und Brot aus dem Waffeleisen 29.04.2013
- Nudeltage sind gute Tage 22.04.2013
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem donnerstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!







