Die Angst vor der letzten Seite
Ich lese gerne. Ich lese gerne und viel. Ich lese gerne und viel und natürlich am liebsten Bücher. Ohne Bilder und ohne Untertitel. Ohne Dinge, die die Fantasie einschränken oder uns schon vorgfertigte Hauptdarsteller vor die Nase setzen. Manche Bücher finde ich interessant, manche Bücher berühren mich und dann gibt es solche, die mich wirklich fesseln. Oder sagen wir, die mich in ihre Welt ziehen und mich nicht mehr heraus lassen bis die letzte Seite erreicht ist. Ich hasse die letzte Seite bei diesen Büchern. Ich bin in die Welt des Buches eingetaucht, bin zwischen den Seiten eingezogen, mit Sack und Pack, ich habe dort mein Zelt aufgeschlagen. Ich habe mit in der Welt gelebt die mir das Buch eröffent hat, habe mit den Darstellern gekämpft, mich gefürchtet, mit ihnen gelitten. Ich habe mich in den Helden verliebt und war eifersüchtigt auf die, die ihn am Ende bekommen hat habe mit dem Komissar den Zeugen auf dem Revier verhört und saß nachts mit ihm am Küchentisch, mit dem dritten Glas Wein und habe die Akten gewälzt. Ich war Gejagte, Geliebte, Opfer und Täter, ich war Spion, Arzt und Nonne. Ich war in einer anderen Welt.Ich will kein Happy End weil ich kein Ende will, ich will nicht weiterkommen mit dem Buch, aber weiterleben in dem Buch. Beides gleichzeitig geht nicht. Und dann kommt das Ende und man wünscht sich, es gäbe noch hundert Seiten mehr...oder tausend...oder unendlich viele. Aber irgendwann ist halt Schluss. Dann klappe ich das Buch zu und habe das Gefühl, als hätte ich grade einen Freund verloren.
Dann kann ich sagen: Das war ein gutes Buch. Und ja ich bin ab und an eine Träumerin. Für mich ist das wichtig. Und eigentlich will ich zurück. Und vor der letzten Seite war irgendwie alles besser !

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03.11.2012 - 16:01 Uhr
MsAufziehvogel