11.10.2012 - 18:30 Uhr

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"Wir zocken auch"

Text: mark-heywinkel

Wenn in Videospielen homosexuelle Charaktere auftauchen, dann meist als überzeichnete Witzfiguren. Das muss sich ändern, findet Benjamin Williams und organisiert die erste Gamesconvention für die homo-, bi- und transsexuelle Spielergemeinschaft.



jetzt.de: Benjamin, in Videospielen treten Lesben meist als Nymphomaninnen und Schwule als tuntige Witzfiguren auf. Oder täuscht dieser Eindruck?

Benjamnin Williams: Meist werden schwule, lesbische, bisexuelle oder transsexuelle Menschen überhaupt nicht in in Spielen dargestellt. Und wenn wir dargestellt werden, dann häufig auf eine stereotype und respektlose Art und Weise. Transsexuelle sind meiner Meinung nach übrigens am häufigsten das Ziel respektloser Darstellung, vor allem in japanischen Kampfspielen.

Kannst du erklären, wie das kommt?
Fehlendes Verständnis und fehlende Vertrautheit. Ich vermute mal, dass die Erfinder dieser Charaktere nicht viele queere Menschen kennen, also Leute, die aus den heteronormativen Rastern fallen. So haben sie lediglich die Stereotype, nach denen sie ihre Figuren schaffen können. Wenn diese Entwickler zum Beispiel mehr schwule oder transsexuelle Freunde hätten, könnte ich mir nicht vorstellen, dass sie weiterhin solche Figuren machen würden.

In Spielen wie „Mass Effect“ oder „Skyrim“ tauchen auch homosexuelle Charaktere  auf, sie dienen allerdings nicht der Belustigung, ihre Hintergrundgeschichten sind emotional vielschichtig. Sind das Anzeichen für einen Wandel?
Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen, aber es ändert sich langsam etwas. Gameentwickler merken allmählich, dass ihre Zielgruppe viel weiter und vielfältiger ist, als sie bisher gedacht haben.

Wenn in Computerspielen homosexuelle Charaktere vorkommen, sehen sie meistens aus wie die Frauen im Spiel "Fear Effect". Manche Spieleentwickler setzen aber schon realistischere homosexuelle Figuren auf - zu sehen in "Mass Effects".

Bisher haben sich Entwickler also an einer heterosexuelle Zielgruppe orientiert, deren klischeehafter Vorstellung sie gerecht werden wollten?
Genau. Aber jetzt fangen sie an, dieser großen neuen Zielgruppe mehr Möglichkeiten in ihren Spielen zu geben. In Spielen wie „Mass Effect“ oder auch „Sims“, in denen es zum Spielerlebnis dazugehört, viele individuelle Einstellungen vornehmen zu können, ist es nur sinnvoll, auch gleichgeschlechtliche Liebe zu erlauben. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Entwickler beispielsweise auch Geschichten von Homosexuellen in den Fokus rücken und die Figuren ebenso respektvoll behandeln wie alle ihre anderen Charaktere auch.

Gibt es denn seitens der Gaming-Community Vorbehalte gegenüber solchen Storys oder gegen homosexuelle, bisexuelle oder transsexuelle Spieler?
Obwohl ich nicht glaube, dass die Gaming-Community homophober ist als die Mainstreamkultur, gibt es zumindest einige gut dokumentierte homophob motivierte Mobbingfälle im Online-Gaming. Es gab darüber hinaus auch starke negative Reaktionen von vielen Spielern auf „Mass Effect“ und „Skyrim“, weil darin gleichgeschlechtliche Liebe möglich war. Davon war sogar in großen Games-relevanten Medien zu lesen. Ich glaube, das sind die Gründe, warum sich viele schwule Spieler häufig nicht in der Gaming-Community wohlfühlen. Deshalb ist es auch das Ziel unserer Konferenz GaymerCon, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem sich alle Spieler bewegen können, ohne herabgesetzt zu werden.

Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter wolltet ihr 25.000 US-Dollar an Spenden für die GaymerCon sammeln, es kamen letztlich sogar 91.000 Dollar zusammen. Es scheint, als hätte eine solche Veranstaltung bislang tatsächlich gefehlt.
Seit unserer Kickstarter-Kampagne haben wir tatsächlich sehr viel Unterstützung bekommen: Industriegrößen wie Xbox Live haben offen zur Unterstützung unseres Events in einem Video aufgefordert, Robert Khoo von Penny Arcade hat uns über seine Facebookseite unterstützt, Electronic Arts hat sich bereits als Aussteller angekündigt, und zwei wichtige Spiel-Synchronsprecher, Ellen McLain aus „Portal“ und John Patrick Lowrie aus „Team Fortress 2“, haben Werbung für uns gemacht.

Gab es auch negatives Feedback?
Sicher gab es auch negatives Feedback. Aber wir sehen das als Chance, in einen Dialog zu treten, damit das Mobbing in der Gamingszene und in der Industrie endlich aufhört. Wir wollen zeigen: Wir sind hier und wir zocken auch!


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31 Kommentare
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fettesmaedchen
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Mag ich Mag ich nicht

1

11.10.2012 - 18:42 Uhr
fettesmaedchen

Ach Gottchen. Und schon wieder fühlt man sich diskriminiert und mißverstanden und nimmt die Opferrolle ein? Mir ist es scheissegal ob Max Payne oder Nico Bellic schwul sind. Hauptsache das Spiel ist geil. Und zwar "geil" ohne jede sexuelle Konnotation.

JosephineKilgannon
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Mag ich Mag ich nicht

0

11.10.2012 - 22:31 Uhr
JosephineKilgannon

ich weiß nicht so recht ob ich das gut oder übertrieben finde. humhum.

fakt ist dass der großteil an schwulesbischtrans figuren in spielen negativ gezeichnet werden.

fakt ist dass es mobbing in der community gibt (wobei das teil des allgemeinen cyber mobbing problems ist)

andererseits sind generell die meisten charaktere völlig überzeichnet in games. die wenigen ausnahmen wie genanntes mass effect, heavy rain oder vielleicht noch ein max payne sind zwar erfolgreiche spiele, aber meistens sind es doch muskelbepackte action helden oder fantasie wesen die man steuert.

ich mein, es ist auch immer noch so, dass die meisten protagonisten, die der spieler steuert, weiß sind. da könnte man sich auch drüber aufregen.

oder dass mexikaner, südamerikaner etc immer irgendwie mit drogen handeln oder total verrückt sind (z.b. neues far cry)

humhum. schwierig.

fettesmaedchen
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1

12.10.2012 - 02:07 Uhr
fettesmaedchen

Eben. Die meisten Figuren sind überzeichnet. Und weil die meisten Menschen eben hetero sind, wird auch James Bond immer der Bezirksbefruchter sein... und Spiele mit Beziehungsproblemen? Wer will denn das spielen? Gibt´s nicht. Ist auch gut so. Es geht - wenn überhaupt - um Probleme innerhalb einer Gruppe. Und mir ist in 20 Jahren Zockerei noch nie aufgefallen, dass es da sexuelle Konnotationen gegeben hätte, die eine Rolle gespielt hätten. Es geht doch meist um Vertrauen und Verrat. Und ob die Ratte dann schwul ist oder nicht ist mir scheissegal. Double tap!

ichlassdasjetztmalso
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Mag ich Mag ich nicht

1

12.10.2012 - 08:26 Uhr
ichlassdasjetztmalso

"jetzt.de: Benjamin, in Videospielen treten Lesben meist als Nymphomaninnen"

um die phantasien der männlichen zielgruppe (nerd, 16 jahre-teeanger, verpickelt, joysticknutzer) zu bedienen?

nein.

aber das war ja auch noch fast bis vor kurzem in vielen hollywoodfilmproduktionen so, dass sog. "schwule" und "lesben" allenfalls zum witze-drüber-reißen dienten. ändert sich auch erst langsam.

MojoMenges2
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3

12.10.2012 - 09:43 Uhr
MojoMenges2

Ich überlege grad, wie ich bei Half-life, Far Cry oder Max Payne hätte erkennen sollen, welcher Wissenschaftler, Kriminelle, Marine oder Alien jetzt schwul war.

Kann mir jemand erklären, woran man einen homosexuellen Mann erkennen soll? AIDS-Schleife? Schal? Eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung? Und einen Homo-Alien?

Außerdem haben doch sicher viele der Schurken, die man da umpustet, Frau und Kind. Wann wird denn der Kinderschutzbund endlich aktiv, dass man nach jedem Kill die Lebensverhältnisse der nun vaterlosen virtuellen Familien einblendet?

Also, Crowd-Funding und Sponsoring um die Agenda in die Storyline zu bekommen. Meinetwegen. Wer dafür Geld ausgeben will, bitteschön.

JosephineKilgannon
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.10.2012 - 10:47 Uhr
JosephineKilgannon

fettesmaedchen sagte:
Eben. Die meisten Figuren sind überzeichnet. Und weil die meisten Menschen eben hetero sind, wird auch James Bond immer der Bezirksbefruchter sein... und Spiele mit Beziehungsproblemen? Wer will denn das spielen? Gibt´s nicht. Ist auch gut so. Es geht - wenn überhaupt - um Probleme innerhalb einer Gruppe. Und mir ist in 20 Jahren Zockerei noch nie aufgefallen, dass es da sexuelle Konnotationen gegeben hätte, die eine Rolle gespielt hätten. Es geht doch meist um Vertrauen und Verrat. Und ob die Ratte dann schwul ist oder nicht ist mir scheissegal. Double tap!



Na ganz so stimmt das nicht. Es gibt selbstverständlich Spiele mit Beziehungsproblemen und es gibt auch Menschen die das Spielen möchten. Deine subjektive Gamer Erfahrung (auch bei 20 Jahren) ist ja auch nur selektiv. Oder willst du behaupten du hättest jedes Spiel aus jedem Genre der letzten 20 Jahre gezockt?

Die wirklich guten Spiele, die auch lange in Erinnerung bleiben, überzeugen eben neben gutem Gameplay durch die emotionale Bindung zu den Charakteren.

und es geht ja auch gar nicht darum, explizit auf die sexuellen Vorlieben der Charaktere hinzuweisen. aber wenn man mal das Beispiel Streets of Rage nimmt (TeaserBild des Artikels auf der Startseite), dann ist es ganz einfach so, dass man als Spieler einen schwulen Endgegner im Lack- und Lederoutfit und mit tuntigen Bewegungen solange verdreschen muss, bis er nicht mehr aufsteht.

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Mag ich Mag ich nicht

0

12.10.2012 - 11:11 Uhr
JosephineKilgannon

MojoMenges2 sagte:
Ich überlege grad, wie ich bei Half-life, Far Cry oder Max Payne hätte erkennen sollen, welcher Wissenschaftler, Kriminelle, Marine oder Alien jetzt schwul war.

Kann mir jemand erklären, woran man einen homosexuellen Mann erkennen soll? AIDS-Schleife? Schal? Eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung? Und einen Homo-Alien?

Außerdem haben doch sicher viele der Schurken, die man da umpustet, Frau und Kind. Wann wird denn der Kinderschutzbund endlich aktiv, dass man nach jedem Kill die Lebensverhältnisse der nun vaterlosen virtuellen Familien einblendet?

Also, Crowd-Funding und Sponsoring um die Agenda in die Storyline zu bekommen. Meinetwegen. Wer dafür Geld ausgeben will, bitteschön.


nö du hast hier was falsch verstanden. es geht nicht darum die sexuellen Vorlieben jeglicher charaktere in Games zu präsentieren. Es geht darum, dass diejenigen bei denen es dargestellt wird, was i.d.R. Schwule, Lesben sind, in einer negativen Konnotation auftreten. Beispielsweise ein schwuler Endboss, verrückte lesbische Charaktere oder lächerliche Transsexuelle als Comic Relief.

uther_the_puter
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1

12.10.2012 - 11:40 Uhr
uther_the_puter

Ich hätt gern ein paar Beispiele gehabt. Nicht, dass ich an der Richtigkeit der These so sehr zweifle, aber mir fallen spontan nicht SO viele Spiele ein, wo Homosexualität eine Rolle spielt. "GTA IV Ballad of Gay Tony" natürlich, aber bei GTA sind alle Charaktere überzeichnete Parodien. Ich mein, wenn man schon so ne Behauptung aufstellt, wärs nicht schlecht, ein paar Titel zu nennen und nicht nur ein Titelbild, das ganz offensichtlich mit heutiger Spielkultur eh nixmehr zu tun hat.

MojoMenges2
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12.10.2012 - 11:54 Uhr
MojoMenges2

JosephineKilgannon sagte:
Es geht darum, dass diejenigen bei denen es dargestellt wird, was i.d.R. Schwule, Lesben sind, in einer negativen Konnotation auftreten. Beispielsweise ein schwuler Endboss, verrückte lesbische Charaktere oder lächerliche Transsexuelle als Comic Relief.


Was kann die Gaming-Branche dafür, dass sich H. Glööckler, D. Bach und unzählige Andere im medialen Berufsleben genauso "lächerlich" machen und sich freiwillig als Vorbilder für das Stereotyp "tuntig-extrovertiert" andienen?

fettesmaedchen
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Mag ich Mag ich nicht

1

12.10.2012 - 12:53 Uhr
fettesmaedchen

JosephineKilgannon sagte:
fettesmaedchen sagte:
Eben. Die meisten Figuren sind überzeichnet. Und weil die meisten Menschen eben hetero sind, wird auch James Bond immer der Bezirksbefruchter sein... und Spiele mit Beziehungsproblemen? Wer will denn das spielen? Gibt´s nicht. Ist auch gut so. Es geht - wenn überhaupt - um Probleme innerhalb einer Gruppe. Und mir ist in 20 Jahren Zockerei noch nie aufgefallen, dass es da sexuelle Konnotationen gegeben hätte, die eine Rolle gespielt hätten. Es geht doch meist um Vertrauen und Verrat. Und ob die Ratte dann schwul ist oder nicht ist mir scheissegal. Double tap!



Na ganz so stimmt das nicht. Es gibt selbstverständlich Spiele mit Beziehungsproblemen und es gibt auch Menschen die das Spielen möchten.


DA bin ich jetzt mal ECHT GESPANNT. Ohne jede Ironie. Denn natürlich habe ich nicht aus jedem Genre alles gezockt. Aber ich lese die einschlägigen Zeitschriften und (Online-)Magazine und Blogs. Was meinst Du, DIE SIMS? Mir fällt da jetzt nix ein. Ego-Shooter? Ne. Strategie? Ne, weder bei Echtzeit noch rundenbasiert. Rollen/Fantasy? Auch nicht. Rennspiele und Jump n Run lassen wir mal aussen vor. Adventures? Hm, da vielleicht noch, aber mal im Ernst, kennst Du eins oder gar mehrere?

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