Ding der Woche: Die Superbräune
H&M plakatiert ein ziemlich verbranntes Model und in New Jersey verbreitet die Solariums-Mom Furcht und Schrecken. Wird das der Sommer, den unsere Haut nie mehr vergisst?

Braun zu werden bedarf es wenig. Ein Nachmittag im Park herumrennen und dabei die Nase nach oben halten, schon fragen die Kollegen am nächsten Tag, ob man im Urlaub war. Die Kollegen des Models Isabeli Fontana dürften angesichts ihrer aktuellen Bikini-Fotostrecke für H&M eher fragen, welcher Farbton es war, der in der Nachbearbeitung für ihre schwarzbraune Haut sorgte. Die Dame, wiewohl Brasilianerin, sieht nämlich von Natur eher so aus:

Natürlich ist das nicht, gesund auch nicht. Da wurde getanned und bronziert für ein Idealbild, das einem ganzem Hautärztekongress die Zornesfalten in die (sonst faltenfreien) Gesichter treiben dürfte. Schließlich ist Hautkrebs auf dem besten Weg zur Volkskrankheit zu werden und gerade auch die unnatürliche Solariumsbräune trägt dazu bei. Die deutschlandweit plakatierte Werbestrecke wirkt unter diesem Gesichtspunkt schon fast wie ein Mahnmal. Aber nicht nur deshalb verstört die sehr dunkle Isabeli an der Bushaltestelle – so viel Bräune war einfach lange nicht mehr in der Modewelt propagiert worden. Von milchweiß bis leicht kaffeebraun schienen die Teints der Models in den letzten Jahren gefragt zu sein, das tiefdunkle Sonnenbraun begründet H&M nun mit dem Wunsch, die knalligen Farben des Bikinis zu betonen. Erinnert uns vielleicht deswegen die Hautfarbe an die 80er-Jahre, dem Jahrzehnt, das für seine knalligen Farben berühmt war?

Klar, der Kontrast auf dunkler Haut ist besser als auf mitteleuropäischem Durchschnittsfleisch. Bleiben trotzdem zwei Fragen – nimmt die Modekette damit billigend in Kauf, dass die junge Zielgruppe sich ebenfalls den perfekten Kontrast ersehnt und deshalb die UV-Bestrahlung diesen Sommer ausreizen wird? Und warum buchen sie eigentlich nicht gleich ein dunkelhäutiges Model und vermeiden damit die ganze Bräunungspropaganda? Am heutigen Nachmittag jedenfalls, entschuldigte sich das Unternehmen für die Brutzelei und teilte via Presseagenturen mit: „Es war nicht unsere Absicht, für ein bestimmtes Ideal zu werben oder zu gefährlichem Handeln anzuregen“. Hinweise der Gesundheitsschützer würden künftig im Vorfeld von Kampagnen berücksichtigt werden.

Vielleicht würde das Plakat auch weniger Aufmerksamkeit erregen, wenn nicht gerade ein anderer Fall von Superbräune durch die amerikanischen Medien geistern würde. Patricia Krentcilie hat es in der letzten Woche als furchterregende „Tanning Mom“ aus New Jersey zu Boulevard-Berühmtheit gebracht. Nicht nur wegen ihrer grotesken eigenen Solariumsbräune, sondern weil sie angeblich auch ihre fünfjährige Tochter im Solarium brutzeln ließ – der Sonnenbrand des Kindes war im Kindergarten aufgefallen. Das Bild der Mutter bei ihrer Anhörung wegen Gefährdung von Minderjährigen, war dann ein gefundenes Fressen für Nachrichten und Blogs – die hübsche Wortschöpfung „tanorexic“ machte dabei die Runde.

Eine Spielzeugfigur gibt es jetzt auch schon zur Tanning Mom, allerdings mit einem recht martialischen Blazer als Ausstattung. Vielleicht liefern ja die HeroBuilders auch noch einen Bikini in knalligen Farben dazu?
- Das "Hab ich bei Tumblr gesehen"-Shirt 22.05.2013
- Das tragbare Bett 16.05.2013
- Gegen den Bilderfriedhof 02.05.2013
- Das „Fuck Positive“-Shirt 16.04.2013
- KZ-Nummern zum Abwaschen 08.04.2013
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem donnerstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Alle Kommentare anzeigen
Und ich dachte, DIESE Art von Bräune wäre schon seit Ende der 80er hoffnungslos out...
likeabird sagte:
" Und warum buchen sie eigentlich nicht gleich ein dunkelhäutiges Model und vermeiden damit die ganze Bräunungspropaganda?"
die bräunungscremeindustrie muss angeheizt werden.
aber die h&m jungs sind recht fesch!
belledujour sagte:
likeabird sagte:
" Und warum buchen sie eigentlich nicht gleich ein dunkelhäutiges Model und vermeiden damit die ganze Bräunungspropaganda?"
die bräunungscremeindustrie muss angeheizt werden.
aber die h&m jungs sind recht fesch!
Eben. Mirdochegal, ob die irgendein verfälschtes Körperbild transportiert, bei den geilen Hupen.
alces sagte:
belledujour sagte:
likeabird sagte:
" Und warum buchen sie eigentlich nicht gleich ein dunkelhäutiges Model und vermeiden damit die ganze Bräunungspropaganda?"
die bräunungscremeindustrie muss angeheizt werden.
aber die h&m jungs sind recht fesch!
Eben. Mirdochegal, ob die irgendein verfälschtes Körperbild transportiert, bei den geilen Hupen.
geile hupen = wattiertes bikinitop (4,95?!) = verfälschtes Körperbild
belledujour sagte:
geile hupen = wattiertes bikinitop (4,95?!) = verfälschtes Körperbild
Eh klar, aber egal. Die nachpigmentierten Jungs gefallen Dir ja auch. Ich blende aus, daß es alles Betrug ist und lass das Echsenhirn ran: "Hauptsache, Titten".
alces sagte:
belledujour sagte:
geile hupen = wattiertes bikinitop (4,95?!) = verfälschtes Körperbild
Eh klar, aber egal. Die nachpigmentierten Jungs gefallen Dir ja auch. Ich blende aus, daß es alles Betrug ist und lass das Echsenhirn ran: "Hauptsache, Titten".
ich hab doch nichts dagegen, dass sie dir gefällt, ich bin nur bange, ob das "wattierte" sich nicht im wasser auflöst?!
belledujour sagte:
ich hab doch nichts dagegen, dass sie dir gefällt, ich bin nur bange, ob das "wattierte" sich nicht im wasser auflöst?!
tut es ... äh ... nicht.
*hust*
Alle Kommentare anzeigen









2
10.05.2012 - 18:52 Uhr
likeabird
Das denke ich jedes Mal wenn ich diese Plakate sehe!