16.02.2012 - 18:30 Uhr

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Alles Nazis in Jena

Foto: afp

Ja: Es gibt besorgniserregenden Rechtsradikalismus im Osten. Es gibt aber auch die verletzenden Klischees der Wessis.

Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.


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clnet
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Mag ich Mag ich nicht

2

17.02.2012 - 01:22 Uhr
clnet

„Die Medien zeichnen das Bild einer tristen Stadt, aus der man schnell wieder weg will“. Welche Medien sollten das sein?
Ich habe vielmehr von Studenten gehört, die die ersten Wochen im Hotel nächtigen mussten, weil es kaum mehr bezahlbare Wohnungen in Jena gibt. Sieht nicht nach Fluchtbewegungen aus.

golden_platitudes
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.02.2012 - 02:06 Uhr
golden_platitudes

ich kenne jena wenig, komme aber aus dem osten. selten so etwas von einem "wessi" gelesen. respekt.

DoktorGarchingHydrogeniiMoessbauerensis
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0

17.02.2012 - 06:09 Uhr
DoktorGarchingHydroge…

"...Meine Erfahrung ist, dass die Orientierung am Materiellen im Osten weniger ausgeprägt ist. Menschen werden mehr nach ihrer Leistung beurteilt und weniger nach dem, was sie damit verdienen..."

Nach 10 Jahren Ostdeutschland kann ich diese Verallgemeinerung absolut nicht akzeptieren.

Ja, bei denen, die in den Reihen der Kirchen und der Opposition auch zu DDR-Zeiten waren.(Katrin Göring-Eckardt, Gauck, etc.)

Aber die anderen sind teilweise mehr auf Materielles aus, als ich es im Westen jemals erlebt habe.

Und am deutlichsten sind die Witze: in einer Art oft - ohne es zu wollen - ausländerfeindlich, wie ich es im Westen in der Massivität nie erlebt habe. Und das von Menschen, die in der LINKEN, der CDU, der SPD, den Grünen sind. Unfassbar!

Und nirgends sind mir so viele Menschen mit ihrem Einkaufswagen in die Hacken gefahren, wie im Osten, besonders im Osten Berlins - leider, aber echt ätzend!!

alcofribas
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-2

17.02.2012 - 09:37 Uhr
alcofribas

Menschen, und noch dazu dumme Menschen, hat es leider überall. In mehr oder weniger erträglicher Ausprägung. Und wenn die dummen Menschen sich in bestimmten Landstrichen so ballen, dass sie dort in Fraktionsstärke in Landtage einziehen, dann kann und muss man drüber reden.

Und ja, es gibt Gegenden / Stadtviertel in unserem schönen Land, in denen mehr Nazipack rumstolpert als woanders, Sächsische Schweiz, Vorpommern, Brandenburg, Teile von Berlin, aber andererseits halt auch Teile von Dortmund, Köln und anderen Städten, teilweise gabs massive Probleme früher mit Naziskins auch in Bayern etc.
Das zu benennen - und vor allem die Dimension zu benennen, richtet sich aber nicht gegen Sachsen, Dortmunder oder Allgäuer, sondern gegen die Nazis und die, die sie tolerieren und unterstützen.

Zum Rest kann ich nur sagen: mimimi, der Welpenschutz für "Ossis" läuft nach 20 Jahren auch mal aus.

mizgii
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-2

17.02.2012 - 09:39 Uhr
mizgii

"Manchmal hat es den Anschein, als sei es bequem, die Ursache von Hass und Gewalt in den Osten zu verlagern." Ich würde meinen, es hat nicht nur den Anschein: Sündenbock-Konstrukte solcher Art sind nach wie vor ein beliebtes - mediales wie individuelles - Mittel, um die Augen vor der eigenen Misere und insbesondere: dem eigenen Anteil daran, zu verschliessen.

30Seconds
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0

17.02.2012 - 09:45 Uhr
30Seconds

Der Autor spricht hier von der Zusammenarbeit von In- und Ausländern auf einem Forschungscampus und in einem Max-Planck-Institut. Natürlich klappt das, weil da auch eine klitzekleine Elite gebildeter Menschen sitzt. Der ganze große Rest ist durchdrungen von Xenophobie und Antisemitismus geschürt durch blanken Materialismus. Und zwar nicht nur latent, sondern bei den meisten ganz manifest und vollkommen ungeniert.

Und ja, ich bin Wessi. Und ja, ich habe da gelebt, nämlich mehrere Jahre in Leipzig. Und nein, in den Osten bringen mich keine zehn Pferde mehr zurück.

alcofribas
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-1

17.02.2012 - 09:48 Uhr
alcofribas

mizgii sagte:
"Manchmal hat es den Anschein, als sei es bequem, die Ursache von Hass und Gewalt in den Osten zu verlagern." Ich würde meinen, es hat nicht nur den Anschein: Sündenbock-Konstrukte solcher Art sind nach wie vor ein beliebtes - mediales wie individuelles - Mittel, um die Augen vor der eigenen Misere und insbesondere: dem eigenen Anteil daran, zu verschliessen.


äh, wo genau sind andere - und wer sind die anderen? - daran schuld, dass es in bestimmten Gegenden häufiger als sonst braun riecht?

mizgii
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0

17.02.2012 - 10:11 Uhr
mizgii

alcofribas sagte:

äh, wo genau sind andere - und wer sind die anderen? - daran schuld, dass es in bestimmten Gegenden häufiger als sonst braun riecht?


Weitsichtiger als bloss zu konstatieren, dass es im Osten 'häufiger als sonst braun riecht', wäre, den (Hinter-)Gründen dafür nachzugehen. Diese dann mit den (Hinter-)Gründen für das vergleichsweise geringere Nazivorkommen im Westen zu vergleichen. In einer solchen Sichtweise relativieren sich statistische Zahlen, und es treten generelle(re) gesellschaftliche Problemlagen zu Tage.

Aber eben: der Verweis auf die blosse Zahl ist der leichteste Weg, um das eigene Gewissen zu beruhigen.

noplacespecial
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17.02.2012 - 16:48 Uhr
noplacespecial

warum wird der autor nicht genannt?

Montrose
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.02.2012 - 20:11 Uhr
Montrose

mizgii sagte:
In einer solchen Sichtweise relativieren sich statistische Zahlen, und es treten generelle(re) gesellschaftliche Problemlagen zu Tage.

Passend dazu ein recht interessanter Artikel zu Osten und Nazis in der "Zeit" von dieser Woche (S19, Wotansbrüder und Weimarer Front).
Dort wird rel. klar beschrieben, dass es im Osten auch vor der Wende wie im Westen eine durchaus straff organisierte Rechtsradikalenkultur gab (inkl. Mordanschläge auf Ausländer und Linke etc.). Während allerdings im Westen dieses Problem zumindest als Herausforderung offenbar und angenommen war wurde es im Osten schlicht über Jahrzehnte ignoriert und verharmlost. Denn was nicht sein kann darf nicht sein. Ich denke, dass hier durchaus Akzeptanz-Strukturen verfestigt wurden, auf denen auch heute noch die braune Saat aufgeht. Und das ist sicherlich ein Unterschied zwischen Ost und West.

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