Unter Kampfkraulern
Im Winter wird es voll in den Münchner Hallenbädern. Dann zeigt sich, wie unterschiedlich Schwimmbadbesucher sein können. Eine Typologie
Winterzeit ist Hallenbadzeit: Hinein ins tropische Klima der Bäder, hinein ins laue Wasser und schön ein paar Bahnen schwimmen, damit die Glieder beweglich bleiben und man nicht wie eine dicke Eiche immer mehr an Umfang gewinnt, weil einem ständig neue Jahresringe aus Speck wachsen. Allerdings muss man sich dabei mit einer Menge Menschen das Becken teilen. Diese Typen triffst du derzeit in Münchens Hallenbädern:Die Plauderer

Das tragen sie: Badeanzüge, keine topsportlichen, aber auch keine sehr aufreizenden. Ihr Haar ist in hübschen Knoten nach oben gebunden und bis fast ganz zum Nacken hinunter vollkommen trocken.
So sind sie: Die Plauderer sind immer weiblich und vor allem eines: fehl am Platz. Sie glauben, schwimmen sei wie spazieren gehen, nur, dass man dabei mehr Kalorien verbraucht. Darum verabreden sie sich einmal die Woche und bewegen sich eine halbe Stunde lang mit absurd nach oben gereckten Köpfchen und unmotivierten Beinschlägen langsam durch das Becken. Dabei reden sie ununterbrochen, meistens über irgendwas, was sie furchtbar geärgert hat. Immerhin macht man ja Sport, um sich abzureagieren.
So reagieren die anderen: Wenn Plauderer in die Bahn geraten, wird selbst der harmloseste Brustschwimmer zum Rammbock. Denn Mädchen, die wie schwere Ölfässer nebeneinander hertreiben, auf diese Weise konstant zwei Bahnen blockieren und außerdem zwischen sich eine Lücke lassen, die nur um ein paar Zentimeter zu klein ist, um unbeschadet hindurchzuschwimmen, muss man einfach mit einem gewagten Manöver auseinandersprengen: Hinein in die Lücke und bei einem sportlichen Schwimmzug kräftig nach beiden Seiten treten.
Das sagen sie über ihren Schwimmbadbesuch: „Voll gut, dass wir unseren inneren Schweinehund überwunden haben – war ja gar nicht so schlimm!“
Dort triffst du sie am ehesten: Nordbad, Müller'sches Volksbad (Den Plauderern gefällt dessen Ruf als Schwulentreff, weil sie glauben, dann nicht angegraben zu werden).
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