Eine Kiste voller Gaben
Es gibt viele Ideen in der Hauptstadt. Hier stellen wir sie in unregelmäßigen Abständen vor. Heute: Eine Box, bis an den Rand gefüllt mit Geschenken.
Es gibt ein paar feste Daten für Geschenke: Geburtstag, Weihnachten und dann Gelegenheiten wie Konfirmation oder Abitur. Aber einfach mal so etwas geschenkt bekommen, und dann auch noch von fremden Menschen, das passiert so gut wie nie. Das ist eigentlich schade – und mancherorts seit kurzem auch Vergangenheit. Zum Beispiel in der Falckensteinstraße in Berlin Kreuzberg. Vera Thomas wohnt dort und ging vergangenen Samstag nach Hause, als sie neben dem kleinen Bolzplatz auf dem Gehweg eine hölzerne Box entdeckte. Sie ist etwas größer als eine Telefonzelle, auf dem obersten Querbalken steht in rosafarbener Schrift „Givebox“ und darunter „Sharing is Caring“. Steht man direkt davor, sieht die Givebox aus wie ein hübscher Puppenladen. Man kann gerade eben darin stehen, ohne sich den Kopf am durchsichtigen Wellblechdach zu stoßen. In den Regalen fand Vera Bücher, Kerzenständer, Klamotten und Spielzeug, alles zum Mitnehmen, ganz umsonst.Das Prinzip der Box ist einfach: Was man nicht mehr braucht, bringt man in die Givebox und macht anderen Menschen damit eine Freude. Seit Samstag ist Vera jeden Tag an der Geschenkequelle vorbeigekommen, hat Dinge gebracht und mitgenommen. Das erste, was sie am in die Box stellte, war eine Flasche Weichspüler. „Da mochte ich den Geruch nicht so“, sagt sie. Es folgten eine Flasche blaue Wandfarbe, eine Teekanne, ein paar Topfpflanzen und ein Polohemd. „Alles war am nächsten Morgen weg.“

Die Givebox
Genauso dürften sich die Erfinder der Givebox das vorgestellt haben. Die Idee stammt von zwei Berlinern, Andreas und Lena heißen sie, der Rest ihres Namens soll ein Geheimnis bleiben. Sie wollen keine Aufmerksamkeit, sie wollen den Menschen das Schenken wiedergeben. Und so zimmerten sie die erste „Givebox“ in Berlin Mitte.
Die Idee verbreiteten sie über Facebook, mittlerweile sind in Berlin bereits neun Boxen aufgestellt oder geplant. Auch in Wien steht schon eine, in Düsseldorf, Marburg, Hamburg und Köln sucht man noch nach einem passenden Ort.
Das Konzept scheint aufzugehen. Die Box in der Falckensteinstraße ist gut besucht, es gibt kaum Momente, in denen niemand die Regale nach neuen Eroberungen durchforstet oder selbst ausgediente Gegenstände zum Verschenken vorbei bringt. Die Fluktuation ist hoch, bestätigt auch Vera. „Ich schaue eigentlich jedes Mal, wenn ich vorbeikomme, was es Neues gibt“, sagt Vera. Ihre größte Errungenschaft bisher: zwei Eierbecher aus Edelstahl.
Das Verwunderlichste an der Box ist vielleicht die Qualität der Geschenke. Kaum einer scheint die Box als Sperrmülltonne zu missbrauchen. „Das ist eigentlich alles sehr liebevoll hier“, findet Vera. „Und ich habe bisher eigentlich nur funktionstüchtige Sachen gesehen, ein Paar Stiefel sah fast neu aus. Es ist ein bisschen wie in einem guten und sehr kleinen Second Hand Laden.“ Eine andere beschenkte Berlinerin konnte ihr Glück kaum fassen: Sie fand ein unabgeschlossenes Fahrrad in der Givebox. Vorsichtshalber hat sie in der Box ihre Telefonnummer und eine Nachricht hinterlassen: „War das Fahrrad wirklich zu verschenken?“
So langsam kristalliert sich heraus, dass es bei der Givebox um weit mehr geht, als nur ums Schenken und beschenkt werden. An der Pinwand tauscht sich die Nachbarschaft über aktuelle Themen aus. Weil die Box so eng ist, kommen die Leute immer miteinander ins Gespräch. Und irgendwie scheint sich so etwas wie ein gemeinschaftliches Verantwortungsgefühl für die Geschenkekiste entwickelt zu haben. In einer Nacht wurde die erste Givebox von Unbekannten fast komplett auseinander genommen: Die Kleider lagen verstreut auf der Straße, das Regal war herausgerissen und die Geschenke über den ganzen Bordstein verteilt. Nur das Schild mit der Aufschrift „sharing is caring“ hing noch über der Givebox. Am nächsten Tag wurden die Bilder der Zerstörung bei Facebook gepostet – nach wenigen Stunden hatte jemand die Kleiderstange schon wieder angeschraubt und die Gegenstände zurück ins Regal geräumt. Eine Nachbarin kam sogar vorbei, sammelte die verstreuten Kleidungsstücke ein und brachte sie frisch gewaschen wieder zurück.
Die Givebox überrascht eben nicht nur mit den Inhalten ihrer Regale.
- Sie singen sich glücklich 23.04.2012
- Ein Flohmarkt mit Mehrwert 12.04.2012
- Fahrgast ärgere Dich nicht 22.12.2011
- 900 Quadratmeter Kunst 18.11.2011
- Kunst mit Code 18.10.2011
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In den öffentlichen Bücherschränken kann jeder Bücher abgeben oder vorhandenen Bücher mitnehmen. Das funktioniert in vielen Städten deutschlands seht gut.
"..Das erste, was sie am ??? in die Box stellte, war eine Flasche Weichspüler..."
Ansonsten: Schöne Idee und schöne Geschichte!
reisenderEnthusiast sagte:
Wer mal in diesem Christiania gewesen ist, dem kommt der Satz
"Die Idee stammt von zwei Berlinern, Andreas und Lena (...)" irgendwie unglaubwürdig vor. Trotzdem ne gute Sache. Oder so.
Hallo Du! Es gab und gibt schon immer viele Ideen zum teilen und natürlich war auch die durch andere beeinflusst - konkret am meisten durch den Brauch in Berlin Dinge in einer Kiste auf die Straße zu stellen. In Christiana war ich auch schon mal und da habe ich die Inspiration nicht her. Eher noch vom Burning Man, aus Kreuzberg oder einfach reiner Idealismus. Aber eigentlich ist das ja auch total egal, da mir geht es um das Konzept und es freut mich das jetzt so breit darüber berichtet wird. Hier beantworten wir auch noch einiges der Aspekte:
http://www.facebook.com/note.php?note_id...
"der" Andreas
09.09.2011 - 20:46 Uhr
Givebox
Falk2 sagte:
Ich kenne eine feste Freebox in Berkeley, CA (Channing Avenue), die es hier schon seit über 10 Jahren gibt. Zudem ist es hier in Berkeley und Oakland sowieso üblich allen alten Kram, den man weitergeben will auf die Straße zu stellen. Die meisten Möbel, Bücher, eine Plattensammlung, Kleidung, Kinderspielzeuge, die wir besitzen kommen einfach von der Straße und da die Gegend reich ist, stellen sie die meisten Second-Hand-Läden in den Schaden. Die Idee ist also keine die man der Berliner Kreativität zuschreiben kann. Aber schön, dass es sich nun auch in Berlin einbürgert. Wir lieben es.
Es können ja auch durchaus mehrere Menschen die gleiche Idee haben - letztlich kann ich für meine Geschichte sagen, dass ich mit den Angeboten in meiner Nachbarschaft nicht zufrieden war und so dazu kam die Box zu bauen. Ich finde es erstrebenswert, dass mehr Menschen das auch machen und da ist es schön, dass die Medien da etwas haben, worüber sie berichten und so noch mehr Momentum in die Sache bringen. Es geht nur ums Konzept und nicht um Berliner Kreativität, irgendwelche Personen oder ähnliches zu huldigen.
Frohes Sharing!
Andreas
:)
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09.09.2011 - 19:56 Uhr
reisenderEnthusiast
"Die Idee stammt von zwei Berlinern, Andreas und Lena (...)" irgendwie unglaubwürdig vor. Trotzdem ne gute Sache. Oder so.