Mindfuck at Midnight
Unter meinem Fenster brüllen sich zwei Betrunkene an. Vorm Eingang zur Karaokebar drohen sie die Mutter des jeweils anderen zu ficken. Heute fickt hier niemand, denke ich mir. Nicht meine agile Mitbewohnerin nebenan. Du nicht mich - höchstens meine Gedanken. Oder eine andere, irgendwo anders.Du bist gegangen wie du gekommen bist: plötzlich und doch schleichend. "Dunkel war’s, der Mond schien helle...", kommt mir in den Sinn. Genauso abstrus waren wir, weil wir ja eigentlich nur zwei ichs sein wollten. Und ich denke immer noch an dich.
Das graue Heftchen auf dem Nachttisch ist voll von dir. Ich bin voll von dir, zum Bersten voll. Ich will schreien, schimpfen, heulen - ich will Antworten, verdammt nochmal. Aber du, das wandelnde Schulterzucken, bleibst still. Keine Regung, seit Tagen.
Ich soll dich vergessen. Sagst du, sagen die anderen, sagt die Stimme in mir. Ich kann nicht schlafen, zu viele reden in meinem Kopf. Und alle sprechen von dir. Das muss aufhören.
Unterm Neonzeichen der Karaokebar haben sich die Alkis zu Saufkumpanen vereint: der eine blökt selig, der andere quietscht vor sich hin. Sie hocken im Rinnstein, aneinandergesunken wie nach dem Beischlaf. Mit einem Knall schließe ich das Fenster. Niemand fickt hier heute. Aber morgen, demnächst, dann ficke ich dich weg. Irgendwie, mit irgendwem. Es wird dich nicht stören. Du würdest es mit einem Schulterzucken quittieren. Es ist egal, ich bin egal. Also ficke ich dich weg. Gute Nacht.

Bildquelle: http://www.ryanbaileyphoto.com/blog/well...
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so formuliert trifft es das auf den Punkt.








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20.07.2011 - 12:05 Uhr
draufundran