06.01.2011 - 18:30 Uhr

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Polarnacht-Kolumne: Jahreswechsel in Lappland

Text: ulrike-heinrich

Zwei Monate ohne Sonne - unsere Autorin verbringt ihren ersten Winter in Tromsø, 350 Kilometer nördlich des Polarkreises. Heute erzählt sie von ihrem Silvesterfest mit Schnee, Tee und Mandarinen


Woche 8
Temperatur: +1 bis -12°C
Schneehöhe: 40-50 cm
Stimmung: glücklich
Ski-Rekord: ca. 500 m ohne Hinfallen
Der Pfad hinunter zu Huskys


Diese Woche schreibe ich aus dem Exil. Während ich die Weihnachtstage in Deutschland verbrachte, war es in meinem Haus nämlich so kalt geworden, dass es die Wasserleitungen zersprengte. Nach meiner Rückkehr hatte ich also kein fließendes Wasser mehr. Dafür bot mir der Husky-Mann, der zwar auch keines hat, aber besser dafür eingerichtet ist, bis auf Weiteres Zuflucht. Er hatte gerade Besuch von seinem Sohn, der in einer anderen Stadt zur Schule geht, und lud mich ein, das neue Jahr mit ihnen zu begrüßen.

Für den Silvesterabend gibt es hier traditionell drei Alternativen:
1. Mit der Familie zu Hause rumsitzen, Truthahn essen, rausgehen und Feuerwerk gucken, dann schlafen gehen
2. Ausgehen und sich fürchterlich besaufen
3. In eine einsame Hütte fliehen und draußen ein gemütliches Lagerfeuer machen

Da wir uns ohnehin schon in einer semi-einsamen Hütte befanden, niemand von uns viel Alkohol trinkt, aber alle gerne zündeln, fiel unsere Wahl natürlich auf Variante 3. Für unseren perfekten Jahreswechsel brauchten wir also:

Ein Lager im Schnee
Unser Feuer

Am Silvestermittag legten wir eine Feuerstelle und einen großen Haufen Brennholz nicht weit vom Husky-Haus frei, und türmten den Schnee zu einer Mauer gegen fiese Winterwinde auf. Abends kamen wir wieder, ausgerüstet mit extrawarmen Sami-Schuhen aus Rentierfell, einem Ziehschlitten voll trockenem Holz und Rentierfellen zum Sitzen, einer Thermoskanne mit Tee und einem Rucksack voll Mandarinen.

Gute Gesellschaft
Junge, Husky und Mann, die Lichter der Stadt und etwas Feuerwerk im Hintergrund

Der Husky-Mann war Bau- und Exkursionsleiter, hackte Holz, zog den Schlitten und unterhielt mit seinen Geschichten. Sein Sohn ging ihm zur Hand, machte Feuer, wieselte herum, grub eine Schneehöhle und bewunderte das Feuerwerk, das ringsum über dem Meer und zwischen den Bäumen zu sehen war. Der Husky beäugte mißtrauisch die Böllerei, ertrug sie aber tapfer und bekam Zuwendung von allen Seiten. Ich kommentierte, dokumentierte, beeindruckte durch Ungeschicklichkeit und lag lachend im Schnee.
Das bin ich.

Erholung vom alten Jahr

Da die Läden sowieso geschlossen und alle Freunde und Bekannten mit ihren Familien beschäftigt waren, gab es keinen Anlass, die Zivilisation aufzusuchen. Bis auf die Jahreswechsel-Mitternacht schienen wir tagelang in einem zeitfreien Raum zu schweben. Es gab keine mahnenden Uhren, keine Termine, nur sporadischen Handy- und Email-Kontakt zur Außenwelt. Wir saßen am Feuer, genossen die Aussicht, zettelten Schneeballschlachten an, kamen zurück ins warme Haus, tranken Tee, lasen Bücher, spielten Kniffel, unterhielten uns lange, knuddelten den Husky, und verriegelten die Fenster, wenn es draußen stürmte.

Der zum Schlafen eingerollte Husky

Pläne für das neue Jahr

Auch in Norwegen ist es üblich, gute Vorsätze für das neue Jahr zu verkünden, die man dann nach spätestens einer Woche vergessen hat.

Das ist bei mir natürlich anders, denn ich werde ganz bestimmt:

- endlich richtig Skifahren lernen, wie sich das hier gehört
- den Husky-Mann zu einem Hundeschlittenrennen begleiten
- ein Schneehaus bauen
- einen Garten in der Mitternachtssonne haben
- mit der Lieblingsfranzösin die Lofoten erkunden
- im Herbst ganz viele Blaubeeren sammeln
- überhaupt sehr norwegisch sein

Schöne Aussichten


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hgm
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Mag ich Mag ich nicht

-5

06.01.2011 - 19:00 Uhr
hgm

wird ja immer toller, schöne Frau.

libelle
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Mag ich Mag ich nicht

5

06.01.2011 - 19:35 Uhr
libelle

Eine sehr schöne und interessante Kolumne - ich freue mich auf jede Fortsetzung aus dem hohen Norden. Ein Jahreswechsel mit Tee, Mandarinen und Feuer im Schnee: hört sich toll an...!

cail
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.01.2011 - 09:27 Uhr
cail

ich hatte genau umgedreht ein richtig schönes silvester. nach zehn jahren in schwedischen wäldern diesmal böllerei und viel zu viele menschen und zu viel alkohol.
schöner text! bitte weiter machen.

coolfire
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Mag ich Mag ich nicht

1

07.01.2011 - 10:38 Uhr
coolfire

Ui, wieder mal Neues aus dem Norden. Mehr davon!

Aus eurem Flammen entsteigt ein Feuerpferd, wenn das mal kein gutes Omen ist.

unangepasste
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.01.2011 - 19:28 Uhr
unangepasste

Warum funktioniert denn das Abo bei Redaktionstexten nicht mehr? (Anne habe ich auch nicht bekommen.) Trotzdem entdeckt und gern gelesen! Und extrawarme Schuhe aus Rentierfell brauche ich auch.

utti
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Mag ich Mag ich nicht

1

08.01.2011 - 01:09 Uhr
utti

das klingt nach einem sehr schönen neujahr. ich mag deine kolumne sehr, schreib ruhig weiter wie der frühling und der sommer in tromsö so ist.
aber jetzt mal für die stadtkinder: wenn es leitungen zersprengt (hört man ja öfter mal) sind die dann einfach nur eingefroren oder sind die richtig kaputt? (à la wasserflasche in der tiefkühltruhe) und muss man dann das gesamte leitungssystem austauschen, wände aufkloppen und so?

john_doa
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.01.2011 - 02:57 Uhr
john_doa

Das hört sich großartig an!
Und die Aussicht ist der Hammer!

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Mag ich Mag ich nicht

1

08.01.2011 - 12:40 Uhr
john_doa

Sie machen sich sehr gut als Redakteurin on Ice; geschüttelt, nicht gerührt versteht sich :P
Das nenn ich mal Einsatz! Ein wirklich lohnenswertes Abo.

serenademe
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Mag ich Mag ich nicht

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08.01.2011 - 13:05 Uhr
serenademe

da hab ich wohl was verpasst frau "ist jetzt mitarbeiterin". wow!

ulrike-heinrich
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.01.2011 - 13:29 Uhr
ulrike-heinrich

Huch, ich wurde auch nicht ueber neue Kommentare informiert...

Und wow, @coolfire, das Feuerpferd war mir nicht aufgefallen, aber jetzt, wo du es sagst... Schoene Beobachtung.

@utti: Die Leitungen sind jetzt wieder aufgetaut, aber durch die Ausdehnung an mehreren Stellen kaputt. Waende aufkloppen wird aber (hoffe ich...) nicht noetig sein, so viele Waende gibt es hier naemlich gar nicht... Das meiste ist unter dem Haus relativ offen zugaenglich - was auch ein Grund dafuer ist, dass es so leicht einfrieren konnte.

@alle: Danke! Es sind aber nur noch zwei Folgen geplant.

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