18.05.2010 - 18:30 Uhr

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Rap Review Rendezvous, Vol. XV. Wir hören neue Platten mit Kollegah

Text: daniel-schieferdecker - Foto: oh

Heute sprechen wir mit Kollegah über die Neuerscheinungen von Azad, Chakuza, Maeckes, Brotha Lynch Hung und Flying Lotus.

Rap-Musik, das bedeutet immer auch Sprache, Austausch, Kommunikation. Aus diesem Grund plaudert jetzt.de jeden Monat mit einem Vertreter aus dem großen weiten HipHop-Kosmos über fünf aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit Kollegah über die Neuerscheinungen von Azad, Chakuza, Maeckes, Brotha Lynch Hung und Flying Lotus.
Kollegah In dieser Kolumne geht es um einen Dialog. Um ein Zwiegespräch zwischen Rapper und Rezensent. Und Kollegah hat sich in den letzten Jahren zu einem der relevantesten Vertreter seiner Zunft gemausert. Wie kaum einer sonst hat er es geschafft, die typischen Gangstergeschichten über Gewalt, Sex und Drogen mit anspruchsvoller Raptechnik zu kombinieren. Es gibt wohl kaum jemanden, der ihm hinsichtlich der Komplexität von Reimketten, der Treffsicherheit von Vergleichen oder der Punktgenauigkeit von Punchlines noch das Wasser reichen kann. Sein aktuelles Album, das „Zuhältertape Volume 3“, ist Ende letzten Jahres in limitierter Stückzahl von 5.000 Exemplaren über Selfmade Records erschienen. Seit Mitte März ist die gesamte Auflage ausverkauft. Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und Azad / Azphalt Inferno 2
jetzt.de: Was hältst du von „Azphalt Inferno 2“? Kollegah: Ich finde die Platte gut, hatte davor aber auch schon lange nichts mehr von Azad gehört. Sein Flow hat sich verändert, wirkt etwas langsamer, aber dadurch auch sehr mächtig. Er hat ein paar Spielereien eingebaut, die er vorher nicht drin hatte und dadurch wirkt es sehr druckvoll. Azad selbst bezeichnet sich als Vater von Streetrap in Deutschland. Siehst du das auch so? Auf jeden Fall. Er war einer der ersten, der diese Schiene mit authentischem Streetrap konsequent gefahren ist. Azad ist einer der Mitbegründer dieses Rap-Stils. Und mit der neuen Platte hat er gezeigt, dass er immer noch voll am Start und in diesem Rap-Bereich der Beste ist. Gleichzeitig fühlt sich Azad häufig nur auf Streetrap reduziert, obwohl er immer betont, auch noch ganz viele andere Seiten zu haben. Hast du die auf dem neuen Album entdecken können? Nein, gar nicht. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass er diese Seiten auf dem neuen Album zeigen wollte. Thematisch ist die Platte sehr beschränkt, da geht es nur um das harte Leben auf der Straße, um den Block und die Armut. Die Stimmung ist sehr depressiv, aber das kennt man von Azad eigentlich auch nicht anders. Auf der Platte gibt es auch ein Feature mit Snaga, der den Ruf hat, ein Punchline-King zu sein. Wie beurteilst du dessen Können als Fachmann? Als Snaga mit Pillath die ersten Mixtapes gemacht hat, war er einer meiner Lieblingsrapper. Mittlerweile gibt er sich aber eher gesellschaftskritisch und beschwert sich viel. Dahingehend hat er sich in eine ähnliche Richtung entwickelt wie Azad. Diese ständige Beschwererei ist aber nicht mein Ding. Ich kann natürlich verstehen, wenn sich Leute beschweren, denen es dreckig geht. Aber letztlich bringt das doch nichts. Ich persönlich bin weder der Typ, der sich gerne beschwert noch der, der sich das gerne anhört. Ich bin eher jemand, der dann versucht, etwas daran zu ändern. Ich versuche, die Dinge positiv zu sehen und nicht ständig bloß rumzuheulen. *** Chakuza / Monster in mir
Auf seiner neuen Platte wollte Chakuza vor seinem 30. Geburtstag noch mal „so richtig den Asi in sich rauslassen und auf die Kacke hauen.“ Wie hat dir die Umsetzung gefallen? Chakuza ist ein Rapper, der zwar objektiv gesehen technisch gut ist und dessen erstes Album ich auch ganz gut fand, aber leider hat er sich im Laufe der Zeit auch zu einem ziemlich depressiven Typen entwickelt. Daher konnte ich das neue Album auch nur einmal durchhören. Das hat meine Stimmung wirklich ganz stark runtergezogen. Der rappt in einem sehr monotonen Flow, der nicht variiert, und die Inhalte machen einfach miese Laune. Ich habe das Gefühl, dass es Chakuza wirklich schlecht geht. Chakuza kommt ursprünglich aus Österreich und ist der Meinung, auf der Platte auch den typischen österreichischen Humor untergebracht zu haben. Du hast auf dem Album aber demnach nicht viel davon gefunden, oder? Nichts gegen Chakuza, aber irgendwas Lustiges habe ich da beim bestem Willen nicht raushören können. Ich persönlich finde den österreichischen Humor aber auch nicht besonders witzig und kann damit nicht viel anfangen. Vielleicht checke ich den aber auch einfach nicht. In einem Interview hat Chakuza gesagt, dass man kein Image bräuchte, um ein erfolgreicher Künstler zu werden. Stimmst du ihm in dieser Hinsicht zu? Nein, man braucht auf jeden Fall ein Image. Man muss irgendwas darstellen, irgendein besonderer Typ sein, Ecken und Kanten haben, denn ansonsten ist man einfach nur langweilig. Viele Leute setzen ein Image jedoch damit gleich, dass man sich eine Maske aufsetzt und irgendetwas vorspielt, was man gar nicht ist. Aber man kann genauso gut das Image haben, ein absolut ehrlicher Typ zu sein. Bei Chakuza ist das aber auch einfach nicht gegeben, obwohl seine Alben alle gut gechartet sind. Wenn er nicht den Support von Bushido gehabt hätte, wäre er niemals so erfolgreich gewesen.
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