22.01.2010 - 18:30 Uhr

0 5 Über Twitter weiterempfehlen

SZ-Interview: "Google ist das Äquivalent zur Kommunistischen Partei"

Jaron Lanier warnt vor dem Kult des Kollektivs im Internet - die heutige Online-Kultur hält er für Digitalen Maoismus

Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.


Neue Magazin-Texte:
Textoptionen
Mehr Texte zum Label
SZ
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
5 Kommentare

speichern
Digital_Data
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

22.01.2010 - 22:56 Uhr
Digital_Data

Der eine ist Google. Google will, dass alle unbezahlt arbeiten, damit es selbst seine Anzeigen verkaufen kann.


Anscheinend wollen alle, dass google unbezahlt arbeitet. Google bietet Leistung und google bietet Infrastruktur. Google liefert kostenlos Suchergebnisse und google liefert die Infrastruktur, dass Inhalte gefunden werden können. Google wird indirekt bezahlt, wie viele Dinge in unserem Leben. Privatfernsehsender, Fußballvereine, Straßen und vieles andere. Auch Musiker, Filmemacher und Buchautoren werden indirekt bezahlt. Sie werden nicht dafür bezahlt, dass sie Musik spielen, sie werden auch nicht dafür bezahlt, dass sie Musik komponieren, sondern sie werden dafür bezahlt, dass sie einen Verlag finden, der bereit ist eine Leistung zu erbringen und diese Musik zu veröffentlichen. Finden sie keinen Verlag, verdienen sie nichts mit ihrer Arbeit. Um aber Verlage auf sich aufmerksam zu machen, brauchen sie ... auch google und das Internet.

Die indirekte Bezahlung in unserer Gesellschaft nimmt zu. Dass ist das eigentliche Problem. Die indirekte Bezahlung führt dazu, dass Produkte zu teuer bezahlt werden, siehe Fußball, Formel 1 oder Fernsehstars. Durch die indirekte Bezahlung verschieben sich die Angebot- und Nachfrage-Mehrheiten. Muss man Fußball über direkt bezahlende Kunden verkaufen (siehe Premiere), dann ist der Preis durchweg niedriger, als wenn der Fußball indirekt über sponsornde und werbende Wirtschaftskunden verkauft wird.

Das Hauptproblem liegt an unserer Wirtschaftsform. Der Kapitalismus hat keine Antworten darauf, wie er mit kostenlosen Angeboten wie Wikipedia umgehen muss, die bezahlte Angebote wie der Brockhaus vom Markt verdrängen. Der Kapitalismus und damit die Preisfindung über Angebot und Nachfrage funktioniert bei indirekter Bezahlung nur unzureichend, da es hierbei nicht mehr um den direkten Wert einer Ware oder Dienstleistung geht, sondern wie hoch der Bezahler diesen Wert einschätzt. Schätzt die Wirtschaft den Werbeeffekt von Fußball zu hoch ein, so bezahlt sie zu viel dafür, was insgesammt der Wirtschaft schadet, da immer wenn kein entsprechender Gegenwert geliefert wird, ein Schaden entsteht.

Die Beispiele sind vielfältig. Schätzt der Musikverlag die Verkaufbarkeit einer Musik falsch ein, so bezahlt er dem Musiker zu viel. Schätzt die Filmgesellschaft das Einspielergebnis falsch ein, so wird zu viel investiert. Schätzt die werbende Wirtschaft den Werbeeffekt von Fußball zu hoch ein, so wird zu viel bezahlt.

So kann man alle unsere heutigen Probleme begründen. Wenn Spekulaten, die mit ihrem Job das Handelsrisiko der Produzenten absichern sollen, in einem Rahmen spekulieren der im Bereich des 100 bis 1000-fachem über dem realen Handel liegt, dann verliert diese Spekulation ihren Gegenwert und es entsteht ein Schaden, der irgendwann, wenn die Blase platzt, bezahlt werden muss.

Zu viele Produkte werden nicht mehr über Angebot und Nachfrage und den realen Nutzwert im Preis ermittelt, sondern über einen Fantasienutzen, von dem niemand weiß, ob das Produkt diesen imaginären Nutzwert je erfüllt.

Unser derzeitiges Hauptproblem ist ein Kapitalismus, der keine Antworten auf die dringenden Fragen der digitalen Revolution hat. Denn auch der ungezügelte Wertpapierhandel ist eine Folge der digitalen Revolution. So lange der Kaptitalismus diese Antworten nicht gibt, so lange werden wir von einem Problem in das nächste stolpern. Da sich der Kapitalismus in seinen grundlegenden Regeln nicht anpassen kann und will, versagt er als Wirtschaftssystem im Moment auf ganzer Linie. Diese Auswirkungen sehen wir und diese Auswirkungen werden täglich falsch interpretiert, wie auch hier gerade in diesem Artikel.

Digital_Data

peterknecht
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

23.01.2010 - 09:43 Uhr
peterknecht

Digital_Data sagte:
(...)
Anscheinend wollen alle, dass google unbezahlt arbeitet. Google bietet Leistung und google bietet Infrastruktur. Google liefert kostenlos Suchergebnisse und google liefert die Infrastruktur, dass Inhalte gefunden werden können. Google wird indirekt bezahlt, wie viele Dinge in unserem Leben. Privatfernsehsender, Fußballvereine, Straßen und vieles andere.
(...)


- faszinierende prägnante Argumentation

Yngaren
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

23.01.2010 - 18:36 Uhr
Yngaren

ich verspreche, was ich widerrufen habe
und
widerrufe, was ich versprochen hatte

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

23.01.2010 - 18:38 Uhr
Yngaren

kommunismus ist mutter aller nazionalsozialisten und SED-ler

erich mielke - herbst 89: ich liebe euch alle

GoogleYouser
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

24.01.2010 - 09:07 Uhr
GoogleYouser

Ich habe aus dem Kommentar von Digital_Data mehr gelernt, als aus dem Interview mit Jaron Lanier. Bin gespannt, ob bei Twitter jemand auf die Thesen einsteigt, die ich gepostet habe.
Gruß Sean Kollak


Speichern

Süddeutsche Zeitung

Dieser Text stammt aus der Süddeutschen Zeitung. Teste Deutschlands große Tageszeitung jetzt zwei Wochen kostenlos und unverbindlich: hier klicken!