13.01.2010 - 18:30 Uhr

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Studie zu Studienabbrechern: Hoffnung für Bologna-Fans?

Text: michael-mettke - Foto: ddp

Das Hochschul-Informations-System hat erstmals Daten zu den Motiven von Studienabbrechern in Bachelor-Studiengängen vorgelegt. Die Ergebnisse geben den Freunden der Studienreform Anlass zur Freude - vermeintlich.

Angestrichen: Auf der einen Seite stehen die Sprach- und Kulturwissenschaften, auch die Sozialwissenschaften. Dort hat das Bachelor-Studium dazu beigetragen, dass der Studienabbruch zurückgegangen ist - im Bereich der Sprach- und Kulturwissenschaften übrigens zum ersten Mal, seitdem wir das überhaupt beobachten.
Wo steht das denn? Dr. Ulrich Heublein arbeitet beim Hochschul-Informations-System (HIS) und fasst in einem Interview mit dem Deutschlandradio die wichtigsten Erkenntnisse einer neuen Studie zusammen. Im Gespräch geht es unter anderem um den Studienabbruch in den Bachelor-Studiengängen. Heublein zufolge ist die Abbrecherquote in den Sprach-, Kultur- und Sozialwissenschaften seit der Einführung des Bachelors zurückgegangen. Eine interessante Erkenntnis: Eines der großen Ziele der Studienreform war es, die Quote der Studienabbrecher zu senken. Was heißt das jetzt? Waren die Studentenproteste der vergangenen Monate am Ende vielleicht unbegründet? Wohl kaum. Die Studie offenbart nämlich im Bereich der Natur- und Ingenieurswissenschaften eine genau gegenläufige Tendenz: Dort ist die Abbrecherquote im Vergleich zu den alten Studiengängen auffällig gestiegen. Das HIS nennt dafür vor allem drei Ursachen: - Überforderung durch Prüfungs- und Lernstress - finanzielle Engpässe - mangelnde Identifikation mit dem Studienfach. Diese Argumente gab es sicherlich bereits vor der Bologna-Reform. Neu ist aber, dass mehr Bachelor-Studenten bereits nach dem zweiten Semester das Handtuch werfen. Die Studie führt dies auf die Tatsache zurück, dass Studenten schlecht an das neue Studium herangeführt werden, in dem schon von Anfang an jede Note für den Abschluss zählt. Studenten mit schulischen Defiziten, schlechtem Schulabschluß und fehlender Affinität zum Fach brechen dann mit noch höherer Wahrscheinlichkeit ihr Studium ab, als in einem der alten Studiengänge. So überbringt das HIS mit der guten Nachricht über die geringe Abbruchquote bei den Sprach-, Kultur- und Sozialwissenschaftlern auch eine schlechte Nachricht. Hinzu kommt: Über die wirkliche Zufriedenheit der Studenten sagt die Quote kaum etwas aus. Solange die Bildungspolitiker weiter an der Bologna-Reform schrauben, sind die Studenten nicht mehr und nicht weniger als Versuchskaninchen. Studien zu diesen Kaninchen muss man mit Vorsicht genießen.


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maid
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Mag ich Mag ich nicht

2

13.01.2010 - 18:34 Uhr
maid

ahahahahahaha...
wie passend!


http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzei...

goof
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.01.2010 - 18:56 Uhr
goof

Es ist schon problematisch, Sprach-, Kultur- und Sozialwiss. zusammenzufassen: darunter verbergen sich derart viele Studiengänge, die ein ganz unterschiedliches Klientel ansprechen, dass ich mich frage, wie da überhaupt "Ergebnisse" jenseits des Erwünschten herauskommen sollen.

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2010 - 09:24 Uhr
drolli

Ist es denn schlecht wenn Studenten mit mangelnder Affinitaet zum Fach das Studium zuegig abbrechen? Wieviele leute in meinem Alter ich wohl kenne die sich im alten system trotz mangelnder affinitaet zum Fach 'erstmal dabeigeblieben' sind, dann nach 4 semestern geglaubt haben, man kann die zwei Jahre nicht einfach so wegwerfen und anschliessend durchs vordiplom gequaelt haben (oder im 8. Semester rausflogen), danach dann erst recht festhingen und spaetestens im 10.Semester ernsthafte Depressionen ueber ihre aussichtslose Lage bekommen haben (und dann den studiengang gewechselt haben).

goof
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2010 - 09:37 Uhr
goof

@drolli: Jein. Mangelnde Affinität, wie Du schreibst, könnte in vielen Fällen bei guter Betreuung durchaus in Freude und Begeisterung umgewandelt werden. Das ist der entscheidende Fehler immer bei der alten Studienordnung gewesen: dass sich niemand um die Studenten wirklich gekümmert hat (schon gar nicht jemand der Lehrenden); und das ist der entscheidende Fehler der Bologna-Ordnung: dass sich niemand (schon gar nicht jemand der Lehrenden) um die Studierenden kümmern kann.

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2010 - 09:58 Uhr
drolli

A) ich halte es fuer ein geruecht das das neue System bessere Betreuung ausschliesst. Es sind eher die Lehrenden die das nicht wollen. Im neuen system gibt es wenigstend einen klaren anlass miteinander zu reden, wenn was schieflaeuft.

B) nein, man kann Probleme anderer Art (Ueberforderung, Soziale Probleme, Asperger, Depressionen, schreibblockaden) mit besserer betreuung ausgleichen und die Talente foerden. Jemanden der sich aber nicht ausreichend mit einem Fach identifiziert, den kann man vielleicht *durchs studium schleusen* aber nur selten fuer das fach begeistern.

goof
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2010 - 10:04 Uhr
goof

@drolli:
A) Das neue System ist auch eines, dessen Struktur bewusst eine Spar-Struktur hat. Da wird auch bei hohem Engagement des Mittelbaus wenig Spielraum für gute Betreuung bleiben.

B) Die meisten Fächer haben auch Bereiche, die sehr unterschiedliche Interessen aufzuschließen vermögen.
Man kann auch als Physiker am Ende ein Akustikbüro betreiben, man kann als Jurist in einem Fachverlag tätig werden usw.

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2010 - 10:45 Uhr
ThomasCrown

leider wurden in der studie keine zahlen zu studenten(abbrechern) mit migranten- oder arbeiterhintergrund genannt. ich würde nämlich vermuten, daß diese weit höhere anlaufschwierigkeiten bei aufnahme des studiums haben und bei einer verlagerung des studienabbruchs in die ersten semester noch mehr an boden verlieren werden.

Lifeless
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2010 - 13:56 Uhr
Lifeless

In meinen Augen ist der Prüfungsstress schon extrem, bei uns in dem Studiengang wird man zu Klausuren neuerdings zwangsangemeldet und kann sich innerhalb der 1. und 2. Semesters nur von einer Klausur abmelden. Geraet man einmal in Verzug, weil man eine Klausur nicht sofort bestanden hat, ist man weg vom Fenster, denn das kriegt man einfach nicht mehr aufgeholt. Und das ist auch nur eine PO im Rahmen dieser gesetzlichen Anforderungen, so unser PA.

Ich glaube, dass grade dieser Stress jede Menge Abbrecher schafft und noch schaffen wird. Nicht jeder ist derartigen psychischen Belastungen gewachsen, was aber im Umkehrschluss nicht heißt, dass die Leute zu dumm sind oder fuer das Fach ungeeignet.

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

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14.01.2010 - 14:38 Uhr
drolli

goof sagte:
@drolli:
...
B) Die meisten Fächer haben auch Bereiche, die sehr unterschiedliche Interessen aufzuschließen vermögen.
Man kann auch als Physiker am Ende ein Akustikbüro betreiben,
...


Nun, da ich Physik studiert habe: Ja, kann man. Dafuer braucht es aber kein Diplom. Bilanz der Zeit zwischen Vordiplom und Diplom in meinem persoenlichen umfeld (Mathe/Physik) unter den Leuten die dann etwas anderes gemacht haben: 3*Abbruch, 2*Hoersturz waehrend der Diplomarbeit 1*3-woechiger Erholungsaufenthalt in der psychatrischen klinik. Mit Bachelor waere das wohl nicht so intensiv passiert-das haetten die meisten schlicht nach dem Bachelor aufgehoert. Ich habe zu viele Leute um mich herum darunter leiden sehen dass sie *sehr wohl* erkannt haben dass ihnen die Affinitaet zu Fach fehlt, aber das gefuehl hatte da jetzt durch zu muessen. Die die sich darueber beschweren dass der Bachelor zu wenig zaehlt koennen sich mal vor augen halten dass das vordiplom fast gar nichts wert war. Und der Stress war ganz schoen bitter fuer einige.

diedrossel
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.01.2010 - 17:56 Uhr
diedrossel

wieviele werden denn zwangsexmatrikuliert wegen nicht bestandener prüfungen im neuen system?

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michael-mettke

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.