22.12.2009 - 18:30 Uhr

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Dürfen Hochschulen die Anwesenheit ihrer Studenten kontrollieren?

Text: lars-weisbrod - Abbildung: Screenshot

Der Prorektor der Uni Duisburg-Essen hat ein Schreiben verbreitet, das protestierende Studenten aufhorchen lässt: Er schreibt, dass Studenten in Vorlesungen ihre Anwesenheit häufig gar nicht vorgeschrieben werden darf.

Angestrichen: Die Pflicht zur Regelmäßigen Anwesenheit von Studierenden in Lehrveranstaltungen [...] ist wegen des Rechts der Studierfreiheit [...] rechtlich nur in begrenztem Umfang zulässig. Wo steht das? In einem Schreiben, das der Prorektor der Universität Duisburg-Essen vor zwei Wochen den Dekanen und dem AStA seiner Universität zukommen ließ und das nun auch im Netz zu finden ist. Der Prorektor für Lehre und Studium, Professor Franz Bosbach, schreibt darin weiter: In Vorlesungen und Übungen sei "eine Pflicht zur regelmäßigen Anwesenheit der Studierenden zur Erreichung des Lernziels [...] regelmäßig nicht erforderlich" - das habe eine Überprüfung durch das Justitiariat der Universität ergeben. Im Schreiben beruft er sich auf das Hochschulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen und das Hochschulrahmengesetz, das bundesweite rechtliche Vorgaben für die Universitäten enthält.
Was heißt das? Die Abschaffung oder Lockerung der Anwesenheitspflicht ist eine der wichtigsten Forderungen der Studenten bei den aktuellen Protesten. Besonders die Pragmatiker unter den Besetzern, die nicht unbedingt auf der vollständigen Abschaffung der Bachelor- und Masterstudiengänge bestehen, pochen vor allen Dingen auf eine laxere Handhabung der Anwesenheitspflicht. Stellt sich das, was im Schreiben der Universität Duisburg-Essen zu lesen ist, als die korrekte Auslegung der Bestimmungen heraus, dann müssten wohl alle Universitäten ihre strenge Handhabung der Anwesenheitsüberprüfung aufgeben, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Die protestierenden Studenten hätten dann zumindest die Erfüllung dieser einen Forderung erreicht - wenn auch auf einem anderen Weg als gedacht. Außerdem hätten sich die Verantwortlichen der Reform einen schwerwiegenden Fehler bei der Planung zuzuschreiben: Sie hätten Bestimmungen eingeführt, die geltenden Gesetzen widersprechen. Ob aber wirklich ein Verstoß gegen das Landeshochschul- und Hochschulrahmengesetz vorliegt, bleibt fraglich. Immerhin ist das Schreiben selbst schon uneindeutig. Während es im angestrichenen Satz noch heißt, die erweiterte Anwesenheitspflicht sei zum großen Teil nicht zulässig, ist einige Sätze weiter zu lesen, sie sei nicht erforderlich. Letzteres hieße ja bloß, dass rechtlich hier Spielräume gelassen werden und die strenge Regelung nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Skeptisch äußert sich zum Beispiel der Rechtsberater des AStA der Universität Köln, Christian Birnbaum, zu dem Schreiben: "Ich finde es toll, dass es so etwas gibt, aber ich halte es trotzdem für falsch. Ich sehe nichts, was rechtlich dagegen spricht, dass die Studienordnung einer Universität die Anwesenheitspflicht regelt." Käme ein Student zu ihm, der rechtlich gegen seine Uni vorgehen wolle, weil sie seine Nicht-Anwesenheit sanktioniere, sähe Birnbaum nur wenig Chancen auf Erfolg.


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ruebezahl
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Mag ich Mag ich nicht

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22.12.2009 - 18:39 Uhr
ruebezahl

de facto bedeutet dieses schreiben, wenigstens wohl erstmal für duisburg, die rückkehr zur praxis der alten magister/diplomstudiengänge. da waren vorlesungen und übungen mehr oder weniger freiwillige lehrveranstaltungen: wer sich fürs fach interessierte und die zeit aufbringen konnte (kein job an dem tag), ist halt hingejettet. machte sinn.

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22.12.2009 - 18:43 Uhr
ruebezahl

was anderes, pingeliges:

"das protestierende Studenten aufhören lässt" - lässt der prorektor wegen des schreibens die studenten mit dem protest aufhören? oder sie nicht eher aufhorchen?

JoergAuch
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22.12.2009 - 19:55 Uhr
JoergAuch

Da steht doch "aufhorchen", oder hat das jemand heimlich geändert?

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22.12.2009 - 19:55 Uhr
JoergAuch

Ist aber ne witzige Spitzfindigkeit.

ruebezahl
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22.12.2009 - 20:00 Uhr
ruebezahl

hehe, das ist kurzerhand geändert :-)

JoergAuch
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1

22.12.2009 - 20:01 Uhr
JoergAuch

foll vies. :-D

drolli
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23.12.2009 - 04:48 Uhr
drolli

Ja, Anwesenheitsplicht ist Muell, genau wie Hausaufgabenpflicht. Ich war nicht mal in der Haelfte der Vorlesungen anwesend in denen ich Scheine habe. Ich finde wenn ich den Pruefungsstoff auch so zu verstehe, dann brauche ich keine vorgekäute Widergabe eines eh schon verdünnten Lehrbuchs - am besten noch mit irgenwelchen Speichelleckern. Ich kann getrost sagen dass ich mich bestenfalls an zwei Frontalverantaltungen erinnere von denen ich damals (und auch heute) das Gefuehl habe, sie haetten mir was gebracht - und die hauptsaechlich deswegen weil der Prof merklich Spass am geben der Vorlesung hatte (ja, es gibt Profs die gerne Anfaengervorlesungen halten). Ansonsten war es immer besser sich in der Bib *alleine* mit einem Buch hinzusetzten. Von Lerngruppen halte ich auch nicht viel, durchs Haendchenhalten versteht man die diversen Formalismen auch nicht besser. Lerngruppen waren immer nur fuer die Leute hilfreich, die es auch so verstanden hatten, weil sie es dann 4 mal in unterschiedlichen Formulierungen erzaehlen durften.

kirmoar
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23.12.2009 - 09:28 Uhr
kirmoar

hat die anwesenheitspflicht eigentlich was mit bachelor/master zu tun,
ich dachte das kommt auf den studiengang an obs da anwsenheitspflicht und kontrolle gibt

afrirali
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23.12.2009 - 12:50 Uhr
afrirali

was vorlesungen anbelangt, so kann ich die kritik an der anwesenheitspflicht ja verstehen. was aber übungen anbelangt, in denen es auf gute diskussionen ankommt, in denen ein ganz erheblicher teil der leistung ist, die texte woche für woche zu lesen, da kommt es dann doch massiv auf anwesenheit an. ich würde keinem studi, der allzu häufig unentschuldigt fehlt, einen schein geben.

JoergAuch
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23.12.2009 - 13:08 Uhr
JoergAuch

drolli sagte:
Ich kann getrost sagen dass ich mich bestenfalls an zwei Frontalverantaltungen erinnere von denen ich damals (und auch heute) das Gefuehl habe, sie haetten mir was gebracht

Welch schlimme Uni hast du denn da erwischt???

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lars-weisbrod

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.

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