Mädchen, warum mögt ihr Partner-Pickel?
Text: daniel-schieferdecker
Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
Die Jungsfrage:
Liebe macht blind, sagt man. Und auch, wenn diese Weisheit ursprünglich einem anderen Kontext entstammt, ist ein gewisses Maß an Blindheit für jede funktionierende Partnerschaft essenziell. Denn nur so ist es möglich, ungeschminkt und unrasiert nebeneinander aufzuwachen, ohne dass man gleich die Beendigung der Beziehung befürchten muss. Aus Gründen gegenseitiger Rücksichtnahme macht man seine bessere Hälfte nicht ständig auf jeden temporären körperlichen Makel aufmerksam, zeigt Verständnis für die fehlende Zeit zum Haarewaschen und sieht auch mal geflissentlich darüber hinweg, wenn das Epiliergerät zwischen all den Tuben, Döschen und Fläschchen im Badezimmer mal wieder nicht auffindbar war.
Doch es gibt auch Fälle, da macht die Liebe sehend und funktioniert wie Nachtsichtgerät und Vergrößerungsglas in einem. Und zwar dann, wenn wir Jungs einen Pickel mit uns herumtragen. Er kann noch so klein, noch so unauffällig schräg hinterm linken Ohrläppchen versteckt, noch so gut unter dem Schirm unserer Kopfbedeckung verborgen sein – ihr findet ihn. Und sobald ihr in ausfindig gemacht habt, tut ihr so, als hättet ihr einen neuen Kontinent aufgespürt oder einen neuen Stern, der fortan den Namen seiner Entdeckerin trägt. Ihr klatscht freudig erregt in die Hände, macht nicht selten einen Luftsprung und bekommt diesen leicht gierig-wollenden Blick, den wir von euch gerne mal beim Sex sehen würden. Sodann fallt ihr wie wilde Tiere über uns her, klemmt angestrengt die Zunge zwischen Ober- und Unterlippe und quetscht quietschfidel an uns herum, als ginge es um den Titel bei der deutsche Meisterschaft im Pickelausdrücken.
Dabei ist es euch auch völlig gleichgültig, wo und wann ihr auf unsere Hautunreinheiten aufmerksam werdet. Es stört euch nicht, wenn man sich bei einem romantischen Abendessen anlässlich des gemeinsamen Jahrestags inmitten einer Hundertschaft von Restaurant-Gästen in exquisitem Ambiente befindet. Es kommt auch vor, dass ihr einen nicht, wie üblich, mit einem Kuss begrüßt, sondern erstmal mit einem gekonnten Pickel-Quetscher am Stirnlappen. Und als Junge stellt man sich irgendwann eben doch einmal die Frage: Was bitte soll das?
Natürlich freuen wir uns über euer Interesse an unserer Körperhygiene und möchten euch auch ganz bestimmt nicht den guten Willen hinter solchen kosmetischen Eingriffen absprechen. Doch ein anderes Wort für Pickel ist Eiterbläschen, und spätestens jetzt wirft eure Faszination daran doch einige Fragen auf: Wieso freut ihr euch so über die Pickel eurer Partner? Was begeistert euch so am Pustel-Ausdrücken? Warum bestaunt ihr nachher auch noch stolz das Resultat eurer Mühe? Sind die Pickel Anderer nicht wahnsinnig eklig? Und warum ernten wir nur abschätzige Blicke, wenn wir euch selbst mal auf einen klitzekleinen Mini-Pickel bei euch aufmerksam machen, den man eigentlich ja auch gar nicht sieht?
Rosarot sei die Liebe, heißt es, weil man die Welt als Verliebter durch eine entsprechend getönte Brille betrachte. Die Stellen, an denen früher einmal Pickel waren, sehen genauso aus. Also muss das wohl einfach Liebe sein, oder?