22.10.2009 - 18:30 Uhr

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Die Sexkritik. Heute: Laue Lippenbekenntnisse

Text: penni-dreyer - Foto: photocase/misterQM

Warum der Satz "Wenn ich jemals heirate, dann dich" kein Kompliment, sondern fast eine Unverschämtheit ist. Und warum das auch wieder fast schade ist.

Liebe Jungs, nichts gegen Komplimente, im Gegenteil! Nur gegen dieses eine würden wir gerne Einspruch erheben. Denn das Heirats-Kompliment ist unter den zweischneidigen Komplimenten vielleicht das am schärfsten geschliffene. Da gibt es zum Beispiel die langjährigen männlichen Freunde, die – wenn sie gerade mal seit zwei Minuten wieder Single sind – vor der Wohnungstür stehen, ganz traurig aus ihren Augen rausschauen und, sobald man die Türe hinter ihnen geschlossen und ihnen warme Socken angeboten hat, ihre Herzscheiße abladen (Jungs wissen ja ganz allgemein und so rein instinktiv sehr gut, wo sie ihre halbjährlich benötigten Emo-Momente veranstalten können), um dann mit den epischen Worten zu enden: „Und überhaupt – wenn ich überhaupt irgendwann mal heirate, dann sowieso nur dich.“ Ja, danke.
Beim ersten Mal wird man da als Kompliments-Empfängerin vielleicht noch hübsch jungfräulich rot an den Wangen und denkt ganz verwirrt, dass sich gerade eben die Freundschafts-Matrix gefährlich in Richtung „kompliziert“ verschoben hätte. Aber mit der Zeit – und dieses Kompliment taucht im Leben jedes Mädchens mehrmals auf – kommt man auf den Trichter, dass es kein zwischengeschlechtliches Kompliment gibt, das beziehungsmäßig weniger bedeutet, als dieses. Und spätestens nach dem dritten Mal reagiert man als Mädchen nur noch leicht gereizt, wenn wieder mal ein Junge ankommt und meint, einem damit eine Nettigkeit mitgeteilt zu haben. Denn ganz offensichtlich handelt es sich dabei nicht um einen ernstgemeinten Heiratsantrag. Ja, noch nicht einmal um einen unernst gemeinten. Vielleicht wollen die langjährigen Jungs-Freunde damit signalisieren, dass sie die Zeit und den Aufwand, die man aufbringt, um sie mental und körperlich aufzupäppeln, durchaus zu schätzen wissen. Und weil sie es nicht über sich bringen, einfach nur „danke“ zu sagen, flapsen sie eben den Satz raus. „Zum Heiraten sein“, das heißt für sie offensichtlich, dass man als Mädchen in dem Moment gerade sehr viele stereotype weibliche Eigenschaften auf sich vereint – mütterlich sein, geduldig, weich, nicht anstrengend, verständnisvoll, nett… und erotisch komplett uninteressant. Dabei hat man mitunter das Gefühl, wie auf einem Viehmarkt inspiziert, für prinzipiell gut genug gefunden worden zu sein, um am Strick nach Hause geführt zu werden – möglicherweise, in ein paar Jahren, sollte es zu einer Dürreperiode kommen. Ebenso schwierig ist das Heirats-Kompliment auch dann, wenn es aus dem Mund eines Jungen kommt, den man gerade erst zwei Drinks lang kennt. Der Satz fällt meist dann, wenn man gerade erzählt hat, dass man im vergangenen Herbst alle Achttausender bestiegen hat, oder sämtliche Singles des Labels Stax besitzt. In diesem Fall soll der Satz „Dich würde ich vom Fleck weg heiraten“ leicht linkische Bewunderung ausdrücken, aber durchaus auch signalisieren: „du und ich – wir passen sehr gut aufgrund unserer jeweiligen Großartigkeit zusammen.“ Und dann gibt es noch die ganz seltenen Fälle, in denen das Heiratskompliment etwas ganz anderes bedeuten soll. Da wird der Satz zum Platzhalter für Ungesagtes, wenn das direkte Kompliment fehl am Platze wäre, weil man in einer festen Beziehung ist und der oder die andere auch. Und man trotzdem gerade gerne sagen würde, wie toll man den anderen findet, ohne gleich unter Betrugsverdacht zu stehen. Dann sagt man ein bisschen uninspiriert "Dich würde ich auch heiraten!" und hat das dann auch erledigt. P.S.: Und was ist mit all den Mädchen, die den doofen Satz sagen? Für die gilt ebenso: besser bleiben lassen. Genauso, wie die jährlich erneuerten weinseligen Versprechen, die wir alle heiligen Zeiten mit unserer besten Freundin erneuern "Wenn wir bis zu unserem 35. Geburtstag niemanden gefunden haben, dann heiraten wir uns halt gegenseitig, kann man ja jetzt."


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schokoprinzessin
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Mag ich Mag ich nicht

1

22.10.2009 - 18:47 Uhr
schokoprinzessin

so hab ich das noch nie betrachtet, danke penni!

Schnatterlieschen
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Mag ich Mag ich nicht

8

22.10.2009 - 18:54 Uhr
Schnatterlieschen

Och, der ganze artikel hört sich ganz schön depri-single-mäßig an...

JulianCarax
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Mag ich Mag ich nicht

9

22.10.2009 - 19:05 Uhr
JulianCarax

Das ist bloß der weibliche Pendant zu "Du bist nett". Kannte ich bisher nicht, aber gerecht ist es allemal, dass auch Frauen sowas erleben können :D

Ioana
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Mag ich Mag ich nicht

5

22.10.2009 - 19:07 Uhr
Ioana

naja, zuviel aufregung um einen harmlos dahingeschmissenen satz. was ist denn nun dabei so grauenhaft, sexistisch und unreif? da würd ich ja nicht mehr den mund öffnen wenn jede von mir dahingeworfene floskel gleich vom soziologisch-feministischen standpunkt interpretiert würde.
die beschissenste floskel: "ich glaube ich könnte mich in dich verliebe." ja. ich glaube ich könnte rolle rückwärts einen müllberg runterrollen oder mir socken auf den kopf ziehen und durch die stadt rennen. ich machs nur nicht, weils so bescheuert ist.

taylorthelatteboy
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.10.2009 - 19:38 Uhr
taylorthelatteboy

Hui, da ist aber jemand verbittert. Jetzt am besten ganz schnell sämtliche Lieder aus dem "Melancholische Songtexte"-Beitrag anhören gehen!

Dalang
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Mag ich Mag ich nicht

-1

22.10.2009 - 20:01 Uhr
Dalang

Im Falle des langjährigen Freundes kann ich das absolut nachvollziehen und würde nie in einem emotional derart derangierten Zustand sein, um diesen Satz rauszuhauen.
Im Falle des flüchtigen Hinwerfens nach kurzer Bekanntschaft ist es jedoch einfach als Kompliment zu verstehen: Du bist so hinreißend, dass du uns im nullkommanix um den Verstand bringst. Da feiern wir ausnahmsweise mal nicht unsere eigene Großartigkeit sondern legen artig Blümchen zu Füßen.

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Mag ich Mag ich nicht

1

22.10.2009 - 20:03 Uhr
Dalang

hoppla, "sein wollen" muss das oben heißen, kann man ja nie ganz ausschließen...

Cate81
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Mag ich Mag ich nicht

5

22.10.2009 - 20:08 Uhr
Cate81

Och. Solange man nicht gerade unglücklich verliebt ist oder war in denjenigen, der einem dieses (Nicht-) Kompliment macht, muss man das doch nicht so verbiestert sehen.

Zu mir hat das noch keiner gesagt. Und heiraten wollte mich bislang nur mein damaliger Kindergartenfreund C., vor etwa 22 Jahren.

lestef
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Mag ich Mag ich nicht

8

22.10.2009 - 20:19 Uhr
lestef

@cate81: ging mir genauso, geheiratet wurde ich bisher auch nur einmal, vor über 20 jahren von der nina auf der blumenwiese (sie war 4, ich 5 ;-)

Ganz allgemein ist der beschworene Satz wirklich doof, zugegeben, aber deswegen einen solchen verbalen Rundumschlag zu führen, penni-dreyer, ist nicht ok!

Grenzwertig vor allem folgender Satz: "Da gibt es zum Beispiel die langjährigen männlichen Freunde, die [...] ihre Herzscheiße abladen (Jungs wissen ja ganz allgemein und so rein instinktiv sehr gut, wo sie ihre halbjährlich benötigten Emo-Momente veranstalten können)."

Liebe penni-dreyer, auch Jungs dürfen heutzutage mal emotional sein!

littlejohn
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.10.2009 - 20:19 Uhr
littlejohn

JulianCarax sagte:
Das ist bloß der weibliche Pendant zu "Du bist nett". Kannte ich bisher nicht, aber gerecht ist es allemal, dass auch Frauen sowas erleben können :D


siehe auch meine jetzt-Seite

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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.