25.09.2009 - 18:30 Uhr

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Jungs, warum ist für euch so viel tabu?

Text: penni-dreyer

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen. Heute geht es um die eigentlich ganz einfache Frage, warum Jungs keine Strumpfhosen tragen und im Kino nicht heulen können - obwohl das doch eigentlich sehr vernünftige Dinge sind.

Die Mädchenfrage


Liebe Jungs,

die heutige Frage ist mir in den Sinn gekommen, als ich neulich abends sehr gemütlich auf dem Sofa lag, im Laptop die amerikanische Serie „The Shield“, ein Handarbeitsbuch auf meinem Schoß und die Stricknadeln in den Händen. Bei „The Shield“, geht es um einen korrupten Drogenfahnder aus L.A., der nichts dabei findet, immer mal wieder ein paar Blöcke feinstes armenisches Koks abzuzweigen – all das garniert mit sehr viel roher Gewalt, Gefluche, und einem Übermaß an Testosteron. Bei dem Handarbeitsbuch dagegen geht es darum, möglichst hübsche Dinge aus einem Faden Wolle herzustellen.
Es war ein sehr gemütlicher Abend, den ich da mit mir, Detective Mackey und einem Paar stetig wachsender Handschuhe verbrachte.

Und während ich so in diesem „wie behaglich, wie geruhsam“-Zustand vor mich hindämmerte, da ist mir eingefallen, dass ihr Jungs in einer Hinsicht wirklich benachteiligt seid. Ich glaube, ihr dürft, in der Summe betrachtet, sehr viel weniger, als wir Mädchen.

Denn wir können alles machen, was gemeinhin als typisch weiblich betrachtet wird. Und dazu auch noch (jetzt mal so rein theoretisch) alles, was früher als „Männersache“ galt.
Es steht uns im Prinzip völlig frei, ob wir im Laufe unseres Erwachsenwerdens das Rollenmodell „Mädchen-Mädchen“ adaptieren und fortan nur noch in Chanel-Kostümchen herumwalzen, oder zu einem „Jungs-Mädchen“ werden, den Lastwagenführerschein machen und im Blaumann an der Autobahnraststätte den Grill anwerfen. Und das ist ja nicht alles – wir dürfen auch „Jungs-Mädchen“ sein und trotzdem eine feminine Seite haben. Und das tun wir auch. Zumindest in dieser Hinsicht hat die Emanzipation uns sehr weit gebracht.

Ihr Jungs dagegen dürft zwar vielleicht exklusiv in Old-Boys-Netzwerken abhängen, aber trotz des von allen Medien vor Jahren ausgerufenen Zeitalters der Metrosexualität dürft ihr viele Dinge nicht tun, wenn ihr nicht eure Männlichkeit in der Öffentlichkeit in Frage stellen wollt.
Nehmen wir zum Beispiel Handarbeiten: Ich kenne genau einen Jungen, der gerne, viel und gut strickt. Dieser Junge ist schwul, so wie fast alle anderen Jungs und Männer, die in der weltweiten Handarbeits-, bzw. Craft-Blogosphäre in Erscheinung treten.
Ich glaube, wir Mädchen sind da um einiges weiter. Es gibt eigentlich so gut wie keinen Lebensbereich mehr in dieser unserer westlichen Welt, der für Jungs und Männer exklusiv wäre. Wir gehen in den Fußballverein, wir erscheinen im Smoking auf Abendveranstaltungen, und werden trotzdem nicht für Mannweiber gehalten. Wenn ihr dagegen einen Rock anzieht, dann seid ihr in den Augen der Öffentlichkeit entweder sehr homosexuell oder sehr, sehr, sehr komisch.

Ich glaube, es gibt gar nicht so wenige Bereiche im Leben, die euch verwehrt bleiben. Vieles, worauf ihr vielleicht Lust hättet, tut ihr nicht, weil ihr Angst davor habt, was andere von euch denken könnten.
Habt ihr denn das Gefühl, dass euch da etwas abgeht? Schaut ihr manchmal neidisch auf alte Frauen in der S-Bahn, die für ihre Enkelkinder kleine Fluffigkeiten häkeln? Oder auf modische Neuerscheinungen, die ihr auch gerne mal anprobieren würdet, ohne gleich als bärtige Transvestiten in Erscheinung zu treten?

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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.