Mittelmaß und Wahn
Innovatives Fernsehen kommt heute aus den USA und Großbritannien: Der Skandal um die NDR-Redakteurin Doris Heinze erzählt viel über Kartelle, die sich in erster Linie selbst mit Aufträgen und das deutsche TV dafür mit den immer gleichen öden Formaten versorgen. Ein neuer Helmut Dietl entsteht so nicht.
Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.- Null Punkte für die Meinungsfreiheit 25.05.2012
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Digital_Data
Wenn Dominik Graf fürchtet, dass nun durch noch mehr Kontrollinstanzen die Qualität weiter leidet, ist da sicher was dran.Vermutlich werden die Sender wie immer reagieren: Untersuchungen, Offenlegungen, personelle Konsequenzen und dann: ganz schnell zum Alltag zurück, bloß nicht noch mehr Wirbel, schnell die Wogen glätten. Und die Medien funktionieren auch in Strohfeuermentalität: der nächste Skandal, die nächste Katastrophe kommt bestimmt...
Auch die Wirtschaftskrise ist längst im TV-System angekommen,aber schon seit Jahren werden Budgets gekürzt, Drehtage gestrichen und seit einiger Zeit auch Gagen radikal gekappt. Jetzt sind auch die Werbeeinnahmen radikal gesunken und die Gebühreneinnahmen der öffentlich-rechtlichen durch zahlreiche Hartz IV-Befreiungen wesentlich geringer.
Das hat direkten Einfluß auf die Qualität, denn diejenigen, deren höchstes Ziel die Inhalte sind, sind weniger bereit, faule Kompromisse zu machen, sind unbequem (längere Buchentwicklung, Probenzeiten, Mehr Drehtage usw.) und trauen sich auch, schlechte Bücher abzusagen. Und wer einmal erlebt hat, wie gekränkt ein Redakteur auf eine Absage reagiert, der weiß, wie existenziell eine solche Ablehnung werden kann. (Aber auch wenn diese Redakteurs-Eitelkeit sich quer durch alle Sender zieht, so sind personelle Kopnsequenzen bei weitem nicht ausreichend.
Die Struktur und Machtposition der Sender muss grundsätzlich überprüft und verändert werden! Eine riesige Krake ist über die Jahre herangewachsen, mit Wasserkopf und tausend Armen fest mit dem System verschlungen: Sender haben auch in praktisch allen Förderinstitutionen große Macht, zum Teil verdeckt. Beispiel Hamburger Filmförderung: die Jurys werden regelmäßig neu besetzt, seit Jahren aber unverändert drin sitzen bleiben die Redakteurinnen von ZDF und NDR (war übrigens auch Frau Heinze!!!), weil Senat und Filmförderung darauf keinen Einfluss haben, die Senderzuschüsse sind ja freiwillig.
In NRW gibt es den sogenannten WDR-Topf, ein Filmprojekt hat also wesentlich größere Chancen, wenn es bereits mit einer WDR -Beteiligung einreicht, dann holt sich der Sender über die Förderung sein Geld zurück für die eigenen Projekte,die entsprechend bevorzugt behandelt werden. Weiß jeder, keiner macht was dagegen, weil man auf das Sendergeld angewiesen ist. Abhängigkeiten solcher Art überall. Gut findet die keiner, aber bislang traute sich niemand, den ersten Stein zu werfen. Wohin auch? Nun ist er an Frau Heinzes Kopf geflogen und Entrüstung macht sich breit. Aber sie muss zu etwas führen: es ist an der Zeit, das System grundsätzlich zu erneuern.
Aber zu erwarten, dass die Krake sich selbst den Kopf abschlägt, ist geradezu abenteuerlich naiv. Die Medien, Öffentlichkeit, die Branche selbst muss konsequent weiter fordern, auspacken, Farbe bekennen. Mut ist gefragt und dann Standpunkte und Visionen. Her damit!!!!!!
Egal, es geht leider wieder darum, dass solche hervorragenden Artikel nur unter den Machern diskutiert werden, nicht aber unter den Politikern über den Senderhierarchen und der Reformwille, wenn es um eigene Stühle geht, ist so übersichtlich, wie die Unabhängigkeit in der deutschen Medienlandschaft.
Wir kämpfen weiter um qualitativ gute Stoffe und Filme im Fernsehen und Kino, aber die Regeln machen wir nicht.
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04.09.2009 - 19:57 Uhr
Gargoyle