07.06.2009 - 18:30 Uhr

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Die zwei Seiten der Gewalt

Text: friederike-knuepling - Illustrierte Free Fight-Szenen: K. Bitzl

Am Samstag kommt „Free Fight“ nach Deutschland. Führt der Kampfsport tatsächlich zu einer Verrohung der Gesellschaft?



Und dann will der Kerl sich auf ihn stürzen, wie geschossen schleudert seine Faust auf Peters Kopf zu. Aber Peter duckt sich, packt seinen Gegner um die Cargo-Shorts, worauf die beiden sich überschlagen und auf den Boden knallen, so fest in einander verknotet, dass es aussieht wie ein Spinnentier. Ein Leib, acht Arme und Beine, das ist „Free Fight“, das ist der Kampfsport „Mixed Martial Arts“, den bei uns bislang kaum jemand kennt.

Das Spinnentier wälzt sich nun eine Weile, kaum merklich, kämpft mit sich selbst, die nackten Füße stemmen sich in den Boden oder versuchen, zum fremden Bauch zu treten. Hände in abgeschnittenen Boxhandschuhen zerren an Armen, kaum zu ahnen, wer wen festhält und wem es gelingen wird, sich aus der Umklammerung zu lösen. Der Wurf am Ende dieser Szene aber war so rasant, so spektakulär, dass Peter Sobotta, 22, eine Videoaufnahme davon unter dem Titel „best of“ auf seine Homepage stellte, mit der er für sich und für Mixed Martial Arts, MMA, wirbt. Bei MMA wird nicht geboxt oder gerungen oder getreten – es wird geboxt und gerungen und getreten und die Kämpfer dürfen Wurftechniken, Hebel und Aufgabegriffe anwenden. Deshalb ist MMA angeblich ein Skandal und wird gern mit Extremvokabular erklärt.

Der Playboy schreibt vom „blutigen Kampf um Sein und Nichtsein“, von einem „derben Spektakel“ nach der „archaischen Regel: Du oder ich“. Die Frankfurter Allgemeine sieht bei MMA „Schreckensbilder weitab vom Sport“ und die Bild am Sonntag befindet: „Nichts auf der Welt ist härter“.

Die Reaktionen auf Free Fight pendeln schon seit den Anfängen in den 90ern zwischen moralischer Entrüstung und einer untergründigen Faszination am Wolf, der da im Mensch aufzutauchen scheint, wenn sich zwei Sportler mit kaum gepolsterten Händen entgegentreten. Der Sport vereint verschiedene traditionelle Kampftechniken und ist, so tönt der US-amerikanische MMA-Verband Ultimate Fighting Championship (UFC), der „erfolgreichste Kampfsport der Welt“. Kombinierte Vollkontaktkämpfe dieser Sorte sind in Brasilien unter dem Namen vale tudo („alles geht“) beheimatet, sind in Japan unter dem Namen shooto populär und in den USA ein größeres Geschäft als Boxen.
Das soll jetzt auch bei uns so werden.

In Deutschland trainieren nach Schätzung der Free Fight Association, des größten deutschen MMA-Verbandes, bislang gut 4000 Sportler das Freistilkämpfen. Aber jetzt will die amerikanische UFC auch an das Interesse und den Geldbeutel der Deutschen. Seit einiger Zeit werden UFC-Kämpfe im DSF übertragen, und kommenden Samstag (13. Juni) veranstaltet der Verband aus Las Vegas erstmals eine seiner Kampfnächte in Deutschland. In der bis zu 20.000 Zuschauer fassenden Lanxess-Arena in Köln werden Männer mit mächtigen Muskeln und Namen wie Wanderlei „Axe Murderer“ Silva antreten, aber auch, in einer niedrigeren Gewichtsklasse, der mit seinen 77 Kilo vergleichsweise schmale Peter Sobotta.
Seit Wochen wirkt Free Fight pulstreibend auf die Sportler und ihre Fans – und auf die Kritiker der Sportart.

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ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.


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