Jungs, was bedeutet euch eine „Lochschwagerschaft“?
Text: penni-dreyer
Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches versteht man einfach nicht, bei denen.
Die Mädchenfrage zum Anhören wird präsentiert von Süddeutsche Zeitung Audio - dort gibt es auch weitere Fragen zum Anhören!
Die Mädchenfrage:
Welche Verwandten man an der Backe hat, unterliegt bekanntlich nicht unserer Entscheidungsfreiheit. Mit wem man Sex hat, zum Glück durchaus. Mit wem derjenige, mit dem man Sex hat, zuvor bereits im Bett war, wiederum nicht. Diese Menschen, zu denen man ohne eigenes Zutun eine Art sexuelle Verwandtschaftsbeziehung pflegt, kann man sich als unkontrollierbare, unbekannte Größe vorstellen: Denn egal, wen man kennen lernt, fast immer hängt an dieser Person ein Rattenschwanz von Ex-Partnern, Ex-Affären, Ex-Ausrutschern, halt der Sack voll Ex-Menschen, den man auf ewig als Altlast mit sich herumschleppt.
Diese Ex-Menschen sind überall - entweder im weiten Nirgendwo der verlorenen und vergessenen Liebschaften, oder aber, und das ist oft der Fall, im unmittelbaren Lebensumfeld, wo eine Spur aus Körpersäften sich wie ein Spinnennetz durch den ganzen Bekanntenkreis zieht: Johannes hat gerade was mit Sarah, Sarah hatte davor was mit Martin, welcher davor mit Evelyn zusammen war, welche wiederum früher irgendwann mal mit Felix abgestürzt ist, dessen Ex-Freundin Anna auch schon mal mit Martin Sex hatte und jetzt mit Julian, dem besten Freund von Johannes zusammen ist.
Angenommen jeder Mensch kennt, so sagt man ja, jeden anderen Menschen auf der Welt über sieben Ecken. Wenn man jeden anderen Menschen auf der Welt über sieben Ecken kennen soll, wie ist es dann erst in inzestuösen Mikrokosmen namens Freundes-, Kommilitonen- und Kollegenkreise, wo wahrscheinlich jeder mit jedem über drei Ecken schon mal geschlafen hat? Inmitten solcher Beziehungsketten kommt das vermutlich unter alkoholisiertem Schenkelklopfen entstandene Wort „Lochschwager“ ins Spiel, das sich vom Niveau her etwa auf derselben Ebene wie „Resteficken“ ansiedelt. Es vermag komplizierte Sexverflechtungen auf einen simplen Sachverhalt zu bringen: Zwei männliche Zeitgenossen, die ihr Geschlechtsteil schon mal in dieselbe Vagina gehängt haben.
Der Begriff, das suggeriert er, soll ein sozial vermintes Gebiet semantisch entschärfen. Er legt nahe, dass unter Männern ein Verhältnis frei von Territorialkämpfen, Eifersucht und Schwanzvergleich möglich ist. Bei dem Wort Lochschwager schwingt ein kumpeliger Unterton mit; Lochschwager, das klingt nach Männern, die ein ähnliches Locherlebnis auf ewig zusammenschweißt, nach Männern, die ein Herz und ein Penis sind und sich einer ominösen brüderlichen Sache verschrieben haben. Wer „Lochschwager“ sagt, legt die Betonung auf Gemeinsamkeit und schiebt im selben Zug die Differenzen gnädig beiseite.
Ist das so? Wann benutzt ihr diesen Titel? Klopfen Lochschwager sich gegenseitig die Schultern ab? Gibt es Situationen, in denen ihr euch mit anderen Jungs verbunden fühlt, allein aufgrund der Tatsache, mit demselben Mädchen verkehrt zu haben? Oder sollten wir diese Art von Verschwägerung doch als Schnapsidee sehen?
Die Jungsantwort gibt's auf der nächsten Seite.