Zwischen Therapie und Praxis
Die neue Honorarordnung sollte das Gesundheitswesen endlich transparenter machen. Doch schon nach wenigen Wochen herrscht überall Unübersichtlichkeit: Ärzte jammern, Patienten klagen, und mittlerweile kämpft fast jeder gegen jeden
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Der Gesundheitsfond ist bereits zu Beginn völlig unterfinanziert, erzeugt zusätzliche Bürokratie und löst kein einziges Problem. Auch am ziemlich willkürlich erstellten Morbi-RSA (morbiditätsbedigter Risikostrukturausgleich, welch kranke Wortschöpfung) wird schon wieder herumgefummelt seitens des Bundesversicherungsamts, weil man gemerkt hat, dass er so nicht funktioniert.
Die Honorarreform bei den niedergelassenen Ärzten ist ebenfalls schon komplett gescheitert bevor sie richtig begonnen hat. In einigen Bundesländern wird schon wieder zurückgerudert, da es bereits chaotisch zugeht. Alle Versprechnungen seitens Ulla Schmidt haben sich in Luft aufgelöst. Weder gibt es mehr Geld (die 3 Milliarden sind schlicht unwahr) für die Ärzte (abgesehen von einigen Regionen in Ostdeutschland) und die Budgets wurden auch nicht abgeschafft sondern nur umbenannt in noch strengere Regelleistungsvolumen. Mein Hausarzt bekommt für mich jetzt 35,- Euro im ganzen Quartal als Flatrate, d.h. ich kann kommen so oft ich will, ohne dass es die Kassen mehr kostet. Hausbesuche sind ebenfalls in der Pauschale versenkt, man kann es kaum glauben! Die meisten ärztlichen Leistungen wurden massiv abgewertet. Übrigens wissen nur die wenigsten, dass nur etwa 15 % der Gesamtausgaben im Gesundheistsektor bei den niedergelassenen Ärzten ankommen. Man darf ruhig fragen, wo der Rest unserer Beiträge bleibt.
Dass die Regierung an den meisten Problemen nicht schuld sei, ist geradezu absurd! Das Gesundheitsministerium hat den Kassenärztlichen Vereinigungen ganz konkrete gesetzliche Vorgaben gemacht, die diese gar nicht umgehen konnten. Ausserdem sollte man wissen, dass die KVen als Körperschaften des öffentlichen Rechts direkt dem Ministerium unterstehen und weisungsgebunden sind. Man kann den KVen sicherlich vieles vorwerfen, aber in diesem Fall sucht die planlose Ministerin nur einen Sündenbock, um von ihrem eigenen Versagen abzulenken. Aber vermutlich ist das Aushungern des ambulanten Sektors ohnehin geplant, um die freiberuflichen Ärzte abzuschaffen und den großen Gesundheitskonzernen und Klinikketten den Weg zu ebnen. Dann wird es allerdings erst richtig teuer, man braucht nur Parallelen zum Strommarkt oder auch zur Finanzkrise zu ziehen.
Die durchgedrückte Einführung der elektronischen Krankenkarte steht ebenfalls kurz vor dem Scheitern. Nach den Ärzten und informierten Patienten zeigen nun auch die Krankenkassen, für die die Karte eigentlich ökonomisch gedacht war, erste Absetzungserscheinungen, da ihnen die Kosten davonlaufen und sich in den nächsten Jahren kein wirklicher Nutzen abzeichnet.
Zum Glück durchschauen inzwischen immer mehr Menschen, wer für diese desaströsen Ergebnisse verantwortlich ist (übrigens nicht nur die SPD mit Schmidt und Lauterbach, auch Seehofer und Merkel haben da kräftig mitgemischt). Seit dem 2. Weltkrieg hat es kein Ministerium in Deutschland mehr gegeben, dass wie das heutige BMG die Bevölkerung derart massiv gegen eine Berufsgruppe aufhetzt, bewusst Unwahrheiten behauptet und nur die Konfrontation sucht. Die Bürger werden dieser Ministerin und ihrem Gefolge im September die passende Antwort geben. Hoffentlich nehmen die Journalisten auch endlich mal ihre Verantwortung für profunde Recherchen wahr. Das macht zwar Arbeit, aber gerade im BMG könnte so manches aufgedeckt werden.
"Aber auch Orthopäden, Kardiologen, Internisten und Urologen - sie alle haben sich zu einer fachübergreifenden Gemeinschaft des Jammerns zusammengeschlossen."
Kann mir Autor erklären, warum die berechtigten Existenzsorgen einer hoch verantwortlich arbeitenden Berufsgruppe als "Jammern" bezeichnet wird? Weil dieser Begriff so schön passt, Neid zu wecken?
Weil das "Jammer"-Wort ständig in den deutschen Medien wiederholt wird? Jammern eigentlich Gewerkschaften, Busfahrer oder Lokführer, Jammern die U-Bahn-Fahrer in München? Wohl kaum ein Journalist würde deren ebenfalls berechtigten Proteste als Jammern bezeichnen...
Bei den "gutverdienenden Ärzten" ist selbstverständlich Schadenfreude angebracht und wird tausendfach wiederholt, Zufall?
Die geballte Medienmaschine gegen die aktuellen Aufklärungs-Aktionen der Ärzte über unser krankes Gesundheitswesen läuft auf Hochtouren. Und viele Patienten verstehen zunehmend, dass zahllose Presseberichte mit der Realität nichts zu tun haben. Gut so.
meinst du, es käme EIN MENSCH drauf, von einem maurer zuverlangen, eine wand umsonst hochzuziehen, oder von einem frisör, die blondierungscreme für den kunden selber zu bezahlen oder von einem busfahrer, die fahrgäste mal eine runde auf eigene kosten einzuladen? aber wenn ein arzt sagt: ich kriege so und so viel kohlen pro quartal und pro patient, und wenn die aufgebraucht sind, kann ich nur noch dann behandeln, wenn der patient eben selber bezahlt, wo sich die kasse weigert... dann ist er ein jammerlappen, ein raffsack, was auch immer.
ich könnt da echt im kreis kotzen.
ein medizinstudium kostet ein heidengeld, eine praxisgründung ruiniert einen erstmal auf jahre finanziell, dann wird von einem arzt verlangt, auch schön die wirtschaft anzukurbeln und die kohlen auszugeben, die er verdient (nachdem er sich jahrelang für 'n appel und 'n ei durch das praktikum gequält hat)... und dann kommen da leute daher, die offensichtlich noch keine 2 minuten mit einem betroffenen (und hier meine ich den arzt, nicht den patienten, ausnahmsweise!) gesprochen haben, und verurteilen munter drauf los.
nee.
echt.
Esgab immer schon Budgetobergrenzen der vergütung, diese waren jedoch Leistungs- und nicht, wie heute fallzahlbezogen. Der Fallwert (Regelleistungsvolumen = RLV )pro Patient beträgt z. b. in Nordrhein in meiner Fachgruppe 39 Euro, hierin sind sämtliche Leistungen enthalten. Auch müssen hiervon sämtliche eigenen Unkosten bestritten werden. Beschränke ich mich auf Reflexhammer und Stethoskop, komme ich damit leicht über die Runden, biete ich aber qualtativ hochwertige Medizin, überschreitet mein Unkostenanteil leicht den Fallwert, sodaß eigene Verluste entstehen.
Bedenkt man nun, dass die Bildung der Reglleistungsvolumen gesetzlich vorgeschrieben ist, muß man zu dem Schluß kommen, dass eine Billigmedizin politisch gewollt ist.
Allerdings kann ich nicht erkennen, dass hierüber ein demoktratischer Konsens hergestellt worden wäre.
S.Puls
Bedenkt man nun, dass die Bildung
ich konnte es mir nicht verkneifen.
1. So steht es im Gesetz: „Waltraud Kröner gibt den Anrufern stets den gleichen Ratschlag: Auf keinen Fall sollen sie sich auf Zuzahlungen einlassen, die Kassenärzte seien zur Behandlung verpflichtet. So zumindest steht es im Gesetz".
Mein Kommentar: Und so steht es ganz genau im SGB:
"WANZ" ist die Abkürzung für wirtschaftlich, ausreichend , notwendig, zweckmäßig.
Dies ist die Definition des Leistungskataloges der Gesetzlichen Krankenkassen laut §12 SGB V. D.h. zur Behandlung sind wir verpflichtet. Die Richtlinien stehen im SGB V.
2. „Augenärzte und Gynäkologen klagen über ruinöse Pauschalen von weniger als 20 Euro pro Quartal und Patient. Aber auch Orthopäden, Kardiologen, Internisten und Urologen - sie alle haben sich zu einer fachübergreifenden Gemeinschaft des Jammerns zusammengeschlossen. Dabei ist es in vielen Fällen noch unklar, ob es überhaupt zu Honorareinbußen kommt ".
Mein Kommentar: Sie haben die jammernden Neurologen, Nervenärzte und Psychiater vergessen. Bei den Psychiatern ist das Regelleistungsvolumen = das Gesamthonorar für die Behandlung der Patienten der Krankenkassen. Nix Zusatzleistung. Immer noch nicht verstanden?
24.03.2009 - 23:36 Uhr
GleichstellungderMedien
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23.03.2009 - 19:09 Uhr
Jollscherl
dabei ist die sache tausendmal komplexer, und ich glaube nicht, dass einer von den patienten, die sich da über die ärzte aufregen, auch nur ansatzweise durchblickt - hier wird sich an der falschen stelle beschwert. es ist aber wie immer leichter, sich einfach über den örtlichen arzt aufzuregen, als über ein gesundheitswsystem, das dazu führt, dass patienten abgewiesen oder aus eigener tasche behandelt werden müssen - und dabei rede ich nicht von den eigenen taschen der patienten, sondern der ärzte.