07.01.2009 - 18:30 Uhr

0 43 Über Twitter weiterempfehlen

Wie ein Film: Warum uns das Kino für Liebesdinge verhunzt

Text: penni-dreyer - Bild: dpa

Die Liebe, die uns in romantischen Filmen vorgeführt wird, ist alles andere als gesund. Eine Untersuchung hat ergeben, dass dort vorgeführte Zweierkonstellationen ausgesprochen unrealistisch dargestellt sind

„Dass es nie so ist, wie im Kino!“ – so oder so ähnlich seufzt vermutlich fast jeder irgendwann, wenn die Zweierbeziehung schön langsam auf die Nerven zu gehen beginnt. Wenn zum Beispiel der Heiratsantrag in Form eines ordentlichen Klunkers auch nach zwei Wochen Beziehung mit klar ersichtlich wahrer Liebe immer noch nicht im Nachtisch aufgetaucht ist. Und wenn der andere ungeniert nackt durchs Zimmer spaziert, anstatt sich züchtig ins Laken zu wickeln und einem den Anblick verdellter Popacken zu ersparen. Und wenn es auch das netteste Exemplar der Männlichkeit nicht schafft, sich zumindest hin und wieder einigermaßen romantisch zu gerieren und im Sommerregen einen kleinen Stepptanz hinzulegen. Die Psychologen Kimberly Johnson und Bjarne Holmes der Heriot-Watt Universität in Edinborough haben 40 Hollywood-Liebesfilme aus den Jahren 1995 bis 2005 untersucht und Schlimmes festgestellt: Das, was dort als Liebe dargestellt wird, ist alles andere als realistisch. Sowohl wie die Liebe beginnt (nämlich zu schnell und überstürzt), als auch, wie sie endet (ebenfalls zu schnell, meist schon nach dem ersten Krach).
Na und, könnte man da meinen – ist ja nur Fantasie und mir doch ganz egal. Aber Johnson und Holmes fürchten, dass Menschen, die dauerhaft solchen Fantasmen ausgesetzt sind, sich diese irgendwann zum Vorbild machen könnten. Und dass dann Enttäuschungen vorprogrammiert sind, ist wohl ziemlich klar. Die Erkenntnis, dass das Leben nur sehr, sehr selten so wie im Kino ist, hat aber durchaus auch Vorteile: Man stelle sich nur vor, wie man sich fühlen würde, wenn schon nach einer Nacht der Typ Schmalziges auf die Mailbox spricht und einen dazu überreden will, bei ihm einzuziehen! Bei Lichte betrachtet klingt ein solches Verhalten eher nach psychotisch-zwanghafter Persönlichkeit mit Stalker-Mentalität, als nach einer Zweierbeziehung mit Zukunft. Klar, schön wäre es schon manchmal, wenn es auch mal im wahren Leben zu großen Gesten reichen würde. Aber die Erfahrung lehrt einen halt doch immer wieder, dass Menschen, die zu solchen Gesten neigen, auch sonst nicht ganz richtig im Oberstübchen sind. Und das ist – im Gegensatz zu Kinoromanzen – dann doch für reale Beziehungen einigermaßen von Bedeutung.


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
penni-dreyer
Mehr Texte zum Label
Sexkritik
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
43 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

scholle
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

06.03.2009 - 19:30 Uhr
scholle

Von einem Film lasse ich mir nichts verhunzen !

Hutti
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

25.06.2009 - 17:11 Uhr
Hutti

Das Kino lügt? Ohgott!

Dann gibt's wohl auch keine Außerirdischen, Hobbits, Klimakatastrophe und sprechende Hunde?

cougarten
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

21.12.2009 - 18:52 Uhr
cougarten

die fiktion bietet ein völlig verzerrtes bild der realität


sowas auch

Zurück Seite 1 ... 3 4 5

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

penni-dreyer offline

penni-dreyer

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.