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Interview
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Leben| 15.12.2008 18:30"Schließlich bin ich der Trendsetter" Auch Fler macht jetzt in Mode
Text: julia-finger
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Mode gilt inoffiziell als fünftes Element im HipHop. Kein Wunder also, dass sich viele amerikanische Rapper durch eigene Fashionlabels ihren Zweitwagen finanzieren. Aggro Berlins Enfant terrible Fler will da jetzt nachziehen und neben Platten bald auch Kleidung rausbringen.
In einem Tonstudio in Berlin-Reinickendorf sitzt Fler breitbeinig auf einem schwarzen Ledersofa. Ohne seinen aktuellen Partner-in-Crime Godsilla, dafür mit Putenbrust auf Vollkornbrot. An der Wand hängt ein Basketballkorb, in der Ecke brummt neben der chromfarbenen Hantelbank ein mit Wasser- und Coke-Zero-Flaschen gefüllter Kühlschrank. Im Hinterzimmer basteln die Berliner Produzenten Beatzarre und Djorkaeff düstere Beats für Flers kommendes Album, das Anfang nächsten Jahres erscheinen soll. Doch darum geht es heute nicht. Stattdessen redet der Aggroberliner über Mode, Körperbewusstsein und sein geplantes Fashionlabel „Psalm 23“.Berlin wird international als neue Modemetropole gehypt. Vor allem die jungen Kreativen in der Hauptstadt gelten als besonders stylish. Fällt dir das auch auf? Nein. Das sieht man nicht auf der Straße. Dieser Berlin-Style, von dem alle reden, macht sich nur auf Partys bemerkbar. Aber sonst laufen hier alle wie Penner rum. Ziemlich modische Penner, wie man am Stereotypen „Berlin-Hipster“ aus Mitte oder Prenzlauer Berg sieht. Diese Zugezogenen nerven. Die fahren alle so einen Retrolook: Cordsakkos, Cordhosen, Nike Dunks und neongelbe Plastikbrillen für 2,50 Euro. Eigentlich sind die Leute korrekt, denn es geht denen nicht um Geld oder teure Klamotten. Wie in den 70ern: Alle sind tolerant und cool miteinander. Doch die Leute werden nicht nur locker, sondern vor allem übermütig. Die hängen auf der Straße rum mit ihrer Bierpulle – und ich finde das nicht okay. Da bin ich konservativ. Sollen sie machen, doch ich kann mich damit nicht identifizieren, schon gar nicht modisch. Womit kannst du dich identifizieren? Mit der neuen Mode aus Amerika, ein Mix aus Rock- und HipHop-Style. Die Klamotten von Christian Audigier, diesem „Ed Hardy“-Typen, sind cool. Mein Stil hat sich in den letzten zwei Jahren geändert und geht mittlerweile eher in die schickere Richtung. Ich bin viel modebewusster geworden. Dieser Kiddiestyle – Baggy, offene Schuhe, Shirt in XXL – sieht nach nichts aus. Da guckt dir keine Frau hinterher. Allerdings ist es für einen Rapper echt schwer, coole Klamotten zu finden. ![]() Warum? Wenn ich mich schick anziehe, sehe ich nicht mehr aus wie ein Rapper. Wenn ich mich anziehen würde wie ein Rapper, Kool-Savas-mäßig mit 6XL-Shirts, dann würde ich auf der Straße aussehen wie ein Hampelmann. Savas sieht aus wie ein Hampelmann? Naja, besonders modisch kleidet er sich nicht. Hat sich die HipHop-Mode in den letzten Jahren verändert? Klar. Früher wollte man ghetto sein. Mittlerweile streben alle nach „young, rich and famous“, zumindest in Amerika. P. Diddy, Jim Jones, Kanye West – die haben mehr Style, als Tupac und Biggie zusammen hatten. Da können die meisten deutschen Rapper nicht mithalten. Bushido zieht sich nicht an wie ein Millionär, obwohl er einer ist. Auch Samy Deluxe könnte sich geil anziehen, macht er aber nicht. Und Savas wie gesagt auch nicht. Savas und Samy glauben ja auch noch an den Ur-Hip-Hop. Ich doch auch! Aber man kann doch trotzdem auf sich und seinen Style achten. Savas’ erster cooler Move in Richtung Mode war, dass er für das Cover seines Best-of-Albums sein Cap abgenommen und seine Glatze gezeigt hat. Das war übergeil. Bis vor einigen Jahren bist du selbst noch in 6XL-Shirts und überweiten Baggy-Jeans rumgelaufen. Stimmt. Aber nachdem Leute wie Eko gerappt haben: „Zieh deine Beine ein, dann kannst du eine Kugel sein“, habe ich im Kopf einen Schalter umgelegt. Ich bin täglich trainieren gegangen, habe auf meine Ernährung geachtet und bewusst gelebt. Dadurch sehe ich nicht bloß besser aus, sondern bin auch viel gesünder als vorher. Und meinen jetzigen Körper brauche ich nicht unter riesigen Shirts verstecken. Stopft man noch seine Jeans in die Socken? Sollte man nicht mehr machen. Aber Ihr Berliner habt doch damit angefangen. Der Unterschied liegt halt darin, ob man das macht, um gut auszusehen oder ob man provozieren will. Wir wollten provozieren. Dann könntest du dich ja auch in Dreck wälzen und schmutzig rumlaufen – damit würdest du spießige Rentner genauso provozieren. Dann würde ich ja stinken. Die Jeans in die Socken, das ist in Frankreich entstanden. Den Kids aus den Banlieues ging es darum, einen eigenen Jugendtrend zu entwickeln, der Autoritäten gegen den Strich geht. Jemand, der eine Alpha-Jacke anzieht und die Jeans in seine Reebok Classics steckt, der will ja gar nicht stylish sein. Stattdessen will er sagen: „Ey, lege dich nicht mit mir an, sonst steche ich dich ab“ – das ist das Statement. Und das Statement der Berliner Hipster ist ja: „Hey, wir sind voll hip und cool, wir trinken Latte Machiatto und alles ist total egal.“ Man muss sich überlegen, welches Statement zu einem passt. Und als wir die Jeans in die Socken gesteckt haben, wollten wir eben zeigen, dass man sich mit uns nicht anlegen soll. Auf der nächsten Seite: Fler über die Bibel und Bruce Willis. Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Teste Deutschlands große Tageszeitung jetzt zwei Wochen kostenlos und unverbindlich: hier klicken!
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