Gorgonzola-Schnitzel |oder wie ich durch den Besuch meiner Nichte im Wintersturm zu diesem Rezept gekommen bin|
Ich saß in der Wartehalle des Rosenheimer Bahnhofs. Draußen fegte ein kalter Wintersturm und die Flügeltüren des Eingangs wurden immer wieder vereinzelt kurz durch starke Windstöße aufgestoßen. Kleine kristallene Schneeflocken tanzten durch die große Halle, bis sie kurz darauf am Boden ihre Form verloren.Ich hatte morgens meine Schwester im Krankenhaus besucht. Gestern kam ihre kleine Tochter Verena zur Welt. Ein hübsches kleines Mädchen.
Als ich mir eine zeitlang die tanzenden Schneeflocken angesehen hatte, nahm ich kurz mein Kochbuch zur Hand und überlegte, was ich für heute Abend einkaufen sollte. Nudeln, Kartoffeln, Gemüse, oder doch mal wieder Fleisch?
Ohne wirklich fündig zu werden, steckte ich das Kochbuch wieder weg...kam mir auch reichlich blöd vor, in der Bahnhofshalle nach Rezepten zu suchen und nahm wieder den Krimi „Seegrund“ zur Hand.
Gerade als Kriminalkommissar Klufftinger mit seiner Familie zusammen widerwärtig Schloss Neuschwanstein besuchen musste, da sein Sohn eine japanische Freundin hatte, sprach mich eine ältere Dame von der Seite an.
Sie wollte wissen, ob ich nicht Interesse an einem ganz einfachen, aber sehr, sehr leckeren Rezept hätte.
Ich musste wohl ziemlich verdutzt dreingeschaut haben, denn sie entschuldigte sich gleich vielmals dafür, weil sie mich beim Lesen gestört habe.
„Kein Problem!“ erwiderte ich, nachdem ich aus den Tiefen des Krimis wieder herausgefunden hatte und wollte natürlich gerne wissen, was mir diese ältere Dame empfehlen wollte. Nämlich...
...Gorgonzola-Schnitzel:
1 Becher Sahne
1 Dose gehackte Tomaten
1 Zwiebel
150 g Gorgonzola
2 Schnitzel
Das Schnitzel anbraten, damit sich die Poren schließen. Anschließend aus der tiefen Pfanne nehmen und die Zwiebeln andünsten. Sahne, gehackte Tomaten und den Gorgonzola dazu. Alles einmal kurz aufkochen, die Schnitzel in die Pfanne, Deckel drauf und bei 130°C für 1,5 Stunden mit Deckel in den Ofen.
Hörte sich wirklich einfach an und nachdem sie mir noch erzählt hatte, dass sie mittlerweile allein lebe, Psychologie studiert hat und auf dem Weg nach Hause sei, musste ich noch - ich weiß, dass sich das normalerweise nicht gehört, aber ich konnte einfach nicht anders - nach ihrem Alter fragen.
92!
Ihr Name war Maria.
Und ihre Adresse musste sie mir auch noch in die Hand drücken.
Gleiches galt natürlich für mich.
Mit Übergabe ihrer Adresse an mich meinte sie, sie hätte noch viele weitere einfache Rezepte zu Hause und ich bräuchte nur mal durchrufen, oder bei ihr vorbeischaun.
Habe ich bis heute nicht gemacht.
Allerdings war ich sehr erstaunt und erfreut, dass eine 92-jährige Frau, noch so viel Spass am Leben hat und keine Berührungsängste, junge Menschen anzusprechen.
Ein sehr herzlicher Mensch und vielleicht sollte ich ihr einfach mal ne Karte schreiben.
Jedenfalls wandelte ich ihr Rezept noch ein wenig ab und rausgekommen ist folgendes:

1 Becher Sahne
1 Dose gehackte Tomaten
1 Zwiebel
3 Kartoffeln
3 Karotten
200g Gorgonzola
4 Schweineschnitzel
Die Schnitzel, wie mir Maria gesagt hatte, in der Pfanne scharf anbraten

Die Karotten, Kartoffeln und die Zwiebel in grobe Würfel schneiden

In der Pfanne andünsten und mit Weißwein ablöschen

Mit der Sahne aufgießen...

...die gehackten Tomaten und den Gorgonzola dazugeben, kurz aufkochen lassen und bei 150°C gute Eineinviertelstunden im Ofen lassen...allerdings hatte Maria wohl recht...bei 130°C 1,5 Stunden lässt das Fleisch vielleicht wirklich noch zarter werden.

Es ist jedenfalls ein sehr einfaches, aber überaus leckeres Rezept...nur Zeit braucht man.
Der anschließende Lauf durch die Nacht unter einem majestätischen Mond ließ diesen Tag noch mal Revue passieren...

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Müsste man mal ausprobieren:)
sonnigerdonnerstag sagte:
ausgezeichnet!
war doch aber mit fleisch!
und irgendwie habe ich keine einladung bekommen!*
Wie lange ist eure Begegnung denn her?
mjammi mjammi:)
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22.08.2008 - 09:23 Uhr
jaule