Postwertzeichen per SMS: der angekündigte Tod der Briefmarke
Das Ende der Briefmarke ist nah. Die Post testet zur Zeit einen Kurzmitteilungs-Service. Allerdings mit unverschämten Preisen
Es ist ein fragwürdiger Tausch: Wir verzichten auf nervige Anstrengung und bekommen dafür dreiste Dummheit. Die Rede ist vom Ende der Briefmarke. Das wurde diese Woche eingeläutet; mit Hilfe eines Tests, den die Deutsche Post gemeinsam mit den so genannten „Netzanbietern“ T- Mobile und Vodafone gestartet hat.Die Idee dabei ist einfach wie großartig: Briefmarken per SMS kaufen. Man schickt eine Kurzmitteillung mit dem Wort „Karte“ (für eine Postkarten-Wertmarke) oder „Brief“ (für ein Normalbrief-Postwertzeichen) an die Nummer 22122 und erhält im Gegenzug eine zwölfstellige Ziffernfolge, die per Hand auf Brief oder Karte geschrieben als Briefmarke eingesetzt werden kann.
Ein großartiger Service, den man sich schon früher gewünscht hätte. Nicht mehr zur Post laufen (was man immer genau dann vergisst, wenn dort geöffnet ist) und nicht mehr passendes Kleingeld in einen Automaten werfen (was man eigentlich nie passend und hat deshalb Postwertzeichen im Wert von 5 oder 10 Cent mit sich rumträgt). Jederzeit und überall eine Briefmarke als Ziffernfolge kaufen und ab geht die Post.
Doch hier taucht ein Problem auf. Denn der Verzicht auf Schlangestehen in der Postfiliale und Kleingeldkramen vor dem Automaten ist teuer. „Der Preis liege bei 85 beziehungsweise 95 Cent plus der providerabhängigen Kosten für die Bestell-SMS oder den Anruf und werde direkt über den Netzanbieter abgerechnet“, melden die Agenturen.
Dazu muss man wissen: Das Postwertzeichen für den Versand einer Postkarte kostet in der Filiale oder am Automaten 45 Cent, für einen Brief 55 Cent. Der SMS-Service soll also mit einem Preisaufschlag von rund 90 Prozent bezahlt werden – plus „providerabhängige Kosten“. Es soll also fast doppelt so teuer sein, eine Kurzmitteillung mit zwölf Ziffern zu verschicken als ein kleines Stück Papier zu bedrucken, in ein angemietetes Geschäft zu transportieren und dort von einem Angestellten verkaufen zu lassen? Sehr unwahrscheinlich. Wer eine solche Preispolitik fährt, muss sich nicht wundern, dass sein Image zumindest in der Zielgruppe der Menschen, die rechnen können, miserabel ist.
Deshalb wird dieser Test, so gut sein Ziel auch sein mag, grandios scheitern. Das Ende der Briefmarke ist aber dennoch absehbar. Denn es wird kommen wie bei der so genannten Festnetz-Telefonie, bei DSL-Anschlüssen oder beim Mobilfunk: Es werden Konkurrenten auftauchen, die den gleichen Service anbieten, dabei aber günstiger und schneller sein werden. Kurz danach wird man in den Nachrichten Meldungen von einer Krise bei der Telekom lesen, von Sparmaßnahmen und Problemen. Und man wird wissen: Es hätte auch anders gehen können.
Bis dahin werden wir weiterhin Briefmarken kaufen. Denn wenn man ehrlich ist, die Postwertzeichen sind ja eigentlich ganz schön. Zumindest dann, wenn sie – wie in unserer Retro-Bildergalerie – in Übergröße auftreten:

Briefmarke in Frankfurt: Auf diesem Bild aus dem Jahr 2002 präsentiert Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth ein überdimensioniertes Postwertzeichen mit der Alten Oper am Main
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19.08.2008 - 07:58 Uhr
GMG