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Kultur| 23.07.2008 18:49„Wir wollten unser letztes MELT! und wir haben es bekommen!“Inzwischen dürfte dieses Festival für so ziemlich jeden, der Interesse an elektronischer und Gitarrenmusik hat, ein Begriff sein. 2005 (und da war ich eine der Langsamen) war dem noch nicht so. Wenn ich erzählte „In diesem Jahr fahre ich zum MELT!“ erhaschte ich meist fragende Blicke. An Begeisterung kaum zu toppen, kam ich damals von der Veranstaltung zurück und legte mich ins Zeug auch meine Freunde im nächsten Jahr für das gemütliche Festival zwischen den Baggern, direkt am See, zu gewinnen. Meine Hauptargumente war damals „Das ist was gaaanz anderes als die Großen! Nicht auf Masse! Ein einzigartiges Ambiente!“ Was ist passiert? Seither sind doch gerade mal drei Jahre vergangen. Die Besucherzahlen verdoppelten sich und alles, was dem MELT! noch an Charme bleibt sind die Bagger.Bereits im letzten Jahr zeichnete sich ab, was uns dieses Jahr tatsächlich erwartete. "Nokia-irgendwas-Stage", "Coca Cola-irgendwas-Tent" usw.. Werbung soweit das Auge reichte… und Preise für die man auf den Jahresurlaub schon mal verzichten kann. Aber die Geldautomaten standen bereits im letzten Jahr zwischen den überteuerten Fress- und „Becks“-buden. Praktisch! Wenn die 5 Euro für ein Stück Pizza fehlen, kommt man zumindest nicht in die Bredouille. Wir gaben dem MELT! jedoch noch eine letzte Chance… "MELT! 2008". Dank unserer hervorragenden Festivalmitstreiter bekamen wir, obwohl wir erst Freitagabend anreisten, einen ausgezeichneten Busplatz inklusive toller Zeltnachbarn. Sogar ein Programmheft lag schon für uns bereit. Unser Glück! Ansonsten hätten wir denselben Weg einschlagen müssen, wie manch andere, die wie gewohnt zum Veranstaltungsort pilgerten, um das Bändchen zu erhalten, den langen Weg zurück zum Zeltplatz laufen mussten, um dort am brechend vollen (Achtung!) „Mixery-Zelt“ (ganz in der Nähe des Mutanten „Mixery“-Zeltplatzes) neben ca. 5.000 weiteren Besuchern das Ticket loszuwerden. Warum man einem das Ticket komplett abnahm, statt es nur zu entwerten, verstehe ich bis heute nicht. Aber vielleicht wird ja das Konzert- und Festivalkarten sammeln total überbewertet… Außerdem nahm man uns so wenigstens gleich die Erinnerung an dieses Desaster! Genauso wenig verstand ich, warum wir unser Wegbier an jener einzigen Umtauschzentrale entweder aus- oder wegkippen – also auf Ex – mussten. Denn zwischen dieser Station und dem Festivalgelände lagen um die 15 Minuten Fußmarsch. Shuttle war von dort aus ein noch weniger erreichbares Ziel als vorn vom Startpunkt. „Hercules and Love Affär“ sollten unser diesjähriges MELT! einläuten. Hm, das Equipment wurde aufgebaut, jedoch kurze Zeit später wortlos wieder von der Bühne entfernt, um es gegen ein DJ-Pult einzutauschen. Ich persönlich hatte keine Ahnung wer das nun auf der Bühne war, aber Vermutungen ließen auf „Alter Ego“ tippen. Keine Ansage! Weder über den Ausfall - noch über den aktuellen Auftritt. Am Intro-Infostand flog später ein handgeschriebener A4-Zettel rum mit der traurigen Botschaft „Hercules and Love Affär entfällt“ (ohne Entschuldigung und ohne Begründung versteht sich). Meine doch noch positive Stimmung begann zu kippen. Ok, erstmal Festivalgelände abklappern und dann geht’s weiter! Alles halb so schlimm! Na ja… neben der Baggerbeleuchtung wurde man von „Converse“ und seinen Werbefreunden fast erschlagen. Schön groß, überall und sogar auf dem Bagger über der (Achtung!) „Converse-Mainstage“ prangte Werbung – sehr hübsch! Leider lenkte diese zu sehr von der großen Diskokugel, die neben der Mainstage in diesem Jahr ebenfalls ihren Platz wechselte, ab, so dass man sie erst lange suchen musste ehe man sie über der Hauptbühne entdeckte. Nächster Programmpunkt war „Modeselektor“ – im Anschluss Kampf um einen der begehrten Shuttleplätze, damit man auf dem Zeltplatz seine mitgebrachten Lebensmittel konsumieren konnte, um nicht den Nahrungsmittel- und Getränkeverkäufern des Festivalgeländes auf den Leim zu gehen. Pullern wäre nach ausreichendem Bierkonsum irgendwie auch grad toll. Ups! Aber was ist das? Die Zeltplatztoiletten sind über Nacht geschlossen? Sehr sinnig bei einem Festival, das bis in die späten Morgenstunden geht! Verbesserungsvorschlag: Drückt dem Gorilla, der das Klo bewacht (warum auch immer) doch einfach eine Kasse in die Hand und die Leute müssen nicht daneben pissen und scheißen! Sowas habe ich noch nie erlebt! 95 Euro für eine Eintrittskarte für eine Werbeveranstaltung, wo man Geld sparen will, indem man nachts die Toiletten schließt? Zurück am Festivalgelände blühte uns, warum die Programmheftchen so bald ausgingen – sie dienten schlichtweg zur groben Orientierung der Reihenfolge. Man merkte schnell, dass es hier von Bühne zu Bühne unterschiedliche Verzögerungen zwischen ein bis zwei Stunden gab und hetzte von einer Umbaupause in die nächste… An einen aktualisierten Zeitplan an der jeweiligen Bühne war nicht zu denken. Hätte mir der großartige Auftritt von „Gus Gus“ nicht die Freitagnacht gerettet, wäre ich Samstag wieder gen Heimat gestartet! ![]() Samstag nahmen wir uns vor wieder bei Null anzufangen und den letzten Abend als Verkettung unglücklicher Umstände abzutun. Leider hielt diese positive Stimmung nicht lange an. Genauer gesagt reichte sie gerade mal bis zu den 20 Meter entfernten sanitären Anlagen. Geduscht hatten wir gleich früh um 7 als die Anlagen wieder öffneten (ich könnt mich heut noch totlachen). Was ich an dieser Stelle sehr merkwürdig fand, war, dass der Kassierer nur einen 1 Euro-Bon abriss (die Dusch- und Toilettenbesuche der Festivalgäste wurden nämlich gezählt), uns jedoch jeweils fürs Duschen 1,50 abknüpfte. Ich hab bis heute nicht rausgefunden, ob das Duschen nun allgemein 1,50 kostete oder 1 Euro oder ob das ganz und gar nach Willkür ging. Umgekehrt waren die Kassierer allerdings nicht so locker. Als ein Mädchen mit Bauchschmerzen vor ihnen stand, jedoch die 50 Cent vergessen hatte, wurde das arme Ding wieder weg geschickt und ist kurz vor ihrem Zelt wahrscheinlich geplatzt. Jedenfalls begann es an diesem Samstagnachmittag wie aus Eimern zu schütten und lass es fünf Anstehende gewesen sein, die da Schutz unter dem Pavillon der Kloangestellten suchten und sogleich angemotzt wurden, sie sollen sich gefälligst in eine Schlange stellen. Der „freundliche“ Kassierer verweigerte so lange seine Arbeit bis dies auch geschah. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass hier absolut keine Gefahr oder ähnliches drohte, dass die Wartenden die Klos stürmen oder den Pavillon umreißen würden. Arbeitsverweigerung erfuhr ich auch an anderer Stelle. Das Shuttle! Ein Thema, das mir ebenfalls auf der Seele brennt. In diesem Jahr war ich erstmals auf diesen angewiesen, da ich ganz vorne an der Straße campte (deswegen kann ich zumindest nicht mit den Vorjahren vergleichen). Nicht vorhandene Kommunikation wurde auch hier erwartungsgemäß recht groß geschrieben. Die einen Busfahrer ließen die Deppen, die zum Ausstieg rannten, um überhaupt eine Chance zu haben rein zu kommen, hinein und fuhren dann mit vollem Bus an den Wartenden am Einstieg vorbei oder waren von dieser Situation so angepisst, dass sie die Leute an der Endstation rausschmissen, drehten und mit leerem Bus an uns vorbei zum Festivalgelände fuhren. Fragt man sich doch, ob man im Kindergarten ist? Aufgepasst! Jetzt kommt mein Lieblingsthema: Das ersehnte Konzert von „The Notwist“. Die Freitagnacht sollte für mich ja eigentlich die beste werden, aber letztendlich sah ich nur wirklich einen Act komplett. So freute ich mich besonders auf die drei Konzerte am Samstag: Notwist, Whitest Boy Alive und Franz Ferdinand. Bei „The Notwist“ stand ich in der 3. Reihe – Wolkenbruch! Der Platz war voll, man trotzte dem Regen und wartete auf eines der Sternchen des Festivals. Hm, anstatt loszulegen wurden die Instrumente mit Planen abgedeckt und die Lichtanlage runtergefahren, auf die ein einzelner Mensch Stück für Stück Mülltüte an Mülltüte klebte, um die Scheinwerfer vor dem „unvorgesehenen“ Wasser von oben zu schützen. Ich dachte die verarschen mich! Zum einen war seit 10 Tagen klar, dass es an diesem Wochenende schauerartigen Regen geben wird und zum anderen regnete es bereits die Nacht zuvor. Wie kann man derart unvorbereitet sein? Das Prozedere dauerte dann etwa eine dreiviertel Stunde, mit dem Ergebnis, dass zwei der fünf Frontscheinwerfer bereits ausgefallen waren. Bitte, bitte „Converse“ sponsert doch im nächsten Jahr eine Plane/Markise, auf der Ihr noch mal ganz groß Euer Logo drucken könnt!!! Es war keine Überraschung, dass der Auftritt von „The Notwist“ eher ungewohnt lieblos war. Sicher bekamen sie vorher noch schnell ins Ohr geflüstert „Aber die 40 Minuten nicht überschreiten ja!“. Auf die (seit der neuen Platte) übliche 1. Zugabe „Good Lies“ musste somit verzichtet werden. Die Band musste, kurz nachdem sie sich warm spielte, die Bühne wieder verlassen. Leider war das MELT! gänzlich frei von solch besonderen Momenten, in denen eine Band zurück auf die Bühne kommt und noch ein bis zwei Hits spielt! Genau diese emotionalen Momente, in denen das Publikum vor Freude ausrastet, gab es schlichtweg nicht! Nicht eine einzige Zugabe durfte ich auf diesem Festival erleben. Klar, man muss sich an den Plan halten! Aber man könnte auch einige Acts weniger buchen und für die, die da sind aber wenigstens soviel Zeit einplanen, dass noch eine Zugabe drin ist, wenn es das Publikum denn wünscht. (Achtung! Auch an dieser Stelle könnte man Geld für Nachttoiletten sparen.) Es war aber lustig oder eher traurig, dass die Besucher bereits Samstagabend völlig desillusioniert auf Zugaberufe verzichteten… Hatte ja eh keinen Sinn! Ok, ein wenig enttäuscht dann von dem ganzen Rundherum dieses Konzerts, ging es dann hoffnungsvoll in Richtung MELT!Klub zu „The Whitest Boy Alive“… Schnell standen wir vor einem See, wo man sich auch gut hätte Enten drauf vorstellen können, die man mit Brotkrumen füttert. Zumindest beobachtete ich einige Festivalbesucher beim unfreiwilligen Baden gehen oder Schlammcatchen. Es sei an dieser Stelle nochmals erwähnt, dass es lange vorher absehbar war, dass es regnen wird! Etwas Rindenmulch wäre klar von Vorteil gewesen (auch auf den Zeltplatzwegen) – an dieser Stelle sei auch nochmals auf den Ticketpreis von 95 Euro + Werbeeinnahmen hingewiesen! Na ja, in den MELT!Klub war schlicht kein Reinkommen mehr. Gefühlte Hunderte von Menschen standen völlig durchnässt, mit enttäuschten Gesichtern davor. Traurig! Mehr fällt mir dazu kaum noch ein! Warum man diese Band in den MELT!Klub gelegt hat ist mir unklar! Warum man über 20.000 Besucher auf ein Festival-Gelände lässt, für die man keine Kapazitäten hat und nicht mal für einen begehbaren Boden sorgen kann, ist mir ebenso unklar! Vielleicht hätte man sich direkt am Nachmittag in den MELT!Klub setzen müssen und warten bis „The Whitest Boy Alive“ am späten Abend ihren Auftritt haben… Wie wir es später schafften einen Skyballon auf das Festivalgelände zu bekommen, frage ich mich heute noch... Vielleicht, weil das Ding nicht aussah wie ein nicht originalverschlossenes Tetrapack. Egal! Wir zündeten den Ballon und es dauerte keine fünf Sekunden, dass drei Security-Menschen um uns standen und uns drängten ihn wieder auszumachen. Ich danke an dieser Stelle allen, die um uns standen, mit ihre Feuerzeuge unter den Ballon hielten, die Security versuchten abzulenken, uns anfeuerten und uns somit ermöglichten den Skyballon in dem Moment fliegen zu lassen, in dem Franz Ferdinand sein „This fire is out of control” sang! Dies war für mich der einzig wirklich schöne Moment an dem gesamten Wochenende! Die Leute um uns applaudierten… Es war fast wie eine kleine Rebellion! Dankeschön!!! Liebes MELT!Veranstaltungteam, verzichtet doch bitte auf die albernen Flammenwerfer auf den Baggern und setzt für das Geld auch in der Nacht eine Kassiererin vor die sanitären Anlagen der Zeltplätze! Hängt doch die große Diskokugel wieder dahin, wo sie am besten zur Geltung kommt (Achtung! – dadurch entstehen keine zusätzlichen Kosten). Nehmt doch bitte im nächsten Jahr „Playstation“ als Sponsor! Dann könnt Ihr die Bühnen einfach „Playstation I“, „Playstation II“ usw. nennen (das Prollvolk wird es kaum merken) und wie gesagt „Converse“ kann ja die Plane über der Hauptbühne beisteuern... Aber man könnte die Bands ja auch nötigen „Converse“-Shirts zu tragen. Wie wär’s? Ändern wird es sich wohl leider nicht mehr! Unser Festival gibt es nicht mehr! Die, die das MELT! einst schätzten, bleiben ein für allemal weg und die Idioten, die es einfach nicht besser wissen, werden ihren Freunden erzählen, wie „geil“ es war und sich an dieser Stelle vermehren. MELT! Ihr habt nur noch Eure Bagger – in allem anderen hebt Ihr Euch von kommerziellen Festivals nur noch ab, indem Ihr schlechter organisiert seid und beachtliche Kommunikationsprobleme habt! Und wenn Ihr genau das noch als ein erfolgreiches Festival bezeichnet, dann ist das einfach nur arm! Aber selbstverständlich ist ja „erfolgreich“ im wirtschaftlichen Sinne gemeint… Klopft Euch auf die Schulter für die Besucherzahlen, für die Abzocke, für die Desorganisation und dafür, dass Ihr treue Festivalfreunde verloren habt, aber nun die VIP-Lounge und den Backstage-Bereich weiter vergrößern könnt! Vielleicht bekommt Ihr ja die leeren Flächen vor der Mainstage, die Ihr offensichtlich für die „erwarteten“ Menschenmassen geschaffen habt, die aber gleichzeitig „ganz überraschend“ alle auf einmal ein Bändchen am Einlass wollten, voll, indem Ihr Michael Jackson bucht. Ein Freund fasste das vergangene Wochenende perfekt mit den Worten zusammen: „Wir wollten unser letztes MELT! und wir haben es bekommen!“ Danke liebes MELT!-Team, unsere Erwartungen wurden somit erfüllt! http://www.taz.de/1/leben/musik/artikel/... http://www.melt-festival.de/forum/viewfo... so war es mal: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzei...
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