Virals: Rettet-die-Welt-Botschaften und knallharte Marketing-Strategien
Beim 24. Internationalen Kurzfilmfestival in Berlin findet in diesem Jahr der erste Wettbewerb für virale Filme in Deutschland statt. jetzt.de hat mit dem Mit-Organisator Matthias Groll gesprochen.
Matthias, was sind virale Filme?Virale Filme sind Filme, die sich über das Internet verbreiten.
Was steckt hinter den Filmen?
In erster Linie eine Botschaft und oftmals auch Firmen. Das Online-Stellen der Filme ist eine Strategie, um die Filme so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen und dadurch die Marke und Botschaft zu verbreiten. Es müssen aber nicht immer Werbestrategien sein. Manche Filme haben eine Rettet-die-Welt-Botschaft. Mir fallen im Moment besonders Slogans auf von Initiativen, die kleine Filme drehen. Manchmal sind es auch Filme, die nur auf ein Event hinweisen, dann aber so gut sind, dass sie danach noch im Internet kursieren.

Wie gut verbreiten sich Werbefilme?
Werbefilme verbreiten sich nur dann erfolgreich, wenn sie originell genug sind. Manchmal erscheinen sie einfach zu gewollt. Oftmals bekommt man gar nicht mit, dass es sich überhaupt um einen Werbefilm handelt oder erst ganz am Ende steht, welche Firma dahinter steckt. Es kommt auch vor, dass der Name eines Konzerns erst dann hinzugeschaltet wird, wenn der Film schon gut läuft.
Kannst du virales Marketing erklären?
Das ist ziemlich kompliziert, wir versuchen beim Kurzfilmfestival ja nur die Filme zu sammeln. Wenn es professionell abläuft, hat virales Marketing viel mit Geld zu tun. Manche Agenturen verstehen es, mit Filmen Klickraten zu liefern, von denen andere nur träumen können. Was mich immer wieder wundert, sind zum Beispiel Trailer von neuen Kinofilmen auf MySpace, die direkt mit 4000 Freunden starten. Das riecht mir dann doch ein bisschen nach Deal. So ähnlich läuft das wohl auch mit Filmen ab, die mit viel Geld online platziert werden.

Brauchen wir diese Online-Werbestrategie?
Virals sind noch relativ neu und demnächst werden wir wohl noch mehr damit überflutet werden. Ich habe aber auch gelesen, dass man sich zum Teil wieder auf die traditionellen Medien zurückkonzentriert. Beides wird sich wohl letztendlich mischen, wie sich vieles im Internet mischt.
Was sind deine Lieblings-Virals?
Angeblich ist der Film zum Coke and Mentos Experiment einer der ersten, der so prominent wurde. Auch bekannt ist der Todesstern Stuttgart. In letzter Zeit hat Dynamite Surfing eine starke Lawine losgetreten. Diesen Film finde ich persönlich sehr unappetitlich. Dabei werfen Jugendliche Granaten in einen Fluss und machen dann auf diesem Wellenreiten. Da kam die Frage auf, ob das Ganze echt oder nur ein Fake sei. Im Endeffekt war es nur ein Fake, aber die Sache an sich ist schon spannend vor dem Hintergrund der Virals. Mediaspree Versenken ist auch ein klassischer Viral. Dahinter steckt eine Initiative gegen die geplante Bebauung des Spreeufers in Berlin.
Viral: Mediaspree Versenken
Wie seid ihr auf die Idee zu dem Wettbewerb gekommen?
Vor einigen Jahren hatten wir den ersten Handyfilm-Wettbewerb auf dem Festival und waren begeistert über die Kreativität, die mit diesem neuen Medium entstanden ist. Mit der befreundeten PR-Agentur Zucker.Kommunikation hatten wir die Idee, einen Wettbewerb zu viralen Filmen zu machen. Virals haben einen festen Platz in unserer Onlinewelt eingenommen und viele sind künstlerisch so gut, dass wir die Filme auf die Leinwand bringen wollen. In den USA gibt es die Webby Awards, aber in Deutschland gab es bislang noch keine Virals auf einem Filmfestival.
Was für Virals kann ich bei eurem Wettbewerb einreichen?
Man kann alle Arten von Virals bei uns einreichen. Witzig und etwas Besonderes sollten die Filme sein, wie das eigentlich immer bei einem Festival ist. Die filmische Qualität ist dabei nicht so wichtig, viel mehr zählt die Idee. Der Film muss das Kriterium Internet erfüllen. Ist er schon bald an Kinoqualität dran, kann es auch sein, dass er wegfällt.
Mit wie vielen Einsendungen rechnest du?
Einige Hundert werden es schon werden. Der Wettbewerb ist am Mittwoch angelaufen und wir haben innerhalb von zwei Tagen schon hundert Einsendungen bekommen. Insgesamt schätze ich, dass die Hälfte wohl aus Europa und die andere Hälfte aus den USA kommen wird, die Filme werden also eher englischsprachig sein.
Welche Art von Filmen überwiegt?
Ich denke wir werden nachher einen Flickenteppich von allem, was so auf der Welt passiert zusammen bekommen. Ich rechne mit einigen kommerziellen Filmen, die eine klare Werbebotschaft haben, aber auch vielen Virals mit politische Botschaft. Auch Filme mit sozialen Belangen wurden schon eingesandt.
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Hier geht es zum Wettbewerb „forward – international viral video award“.
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19.07.2008 - 12:59 Uhr
msuess