Techno, Tofuschnitzel und politische Partizipation: Am Vorabend der Mediaspree-Abstimmung
Mediaspree oder nicht Mediaspree, das ist hier die Frage. An diesem Sonntag wird in Berlin abgestimmt. Der Wahlkampf verlief mit ungewöhnlichen Mitteln. Und hat Spaß gemacht - eine Übersicht
Wenn die Tofuschnitzeljäger kommen, gehen die Fußgänger schnell zur Seite. An der Spitze schreitet ein Dunkelhaariger mit Eselsmaske, in seiner rechten Hand eine Gurke, die er im Takt schwingt, wie einen Tambourstab. Hinter ihm ziehen zwei Jungs eine gewaltige Anlage auf Rädern. Der Bass wummert. Die Prozession kreischt, tanzt und spritzt einander mit Wasserpistolen nass. Seifenblasen, Glitzer und Techno: eine Mischung aus einem Rave und Kinderfasching. So kann politische Partizipation aussehen. Die Crews pilgern, zappelnd in Takt, zur nächsten Station der Techno-Schnitzeljagd. Die Nachmittagssonne knallt. Team Lila besprüht Team Pink mit Sekt, die Pinken schießen zurück mit Konfetti. Die Orangenen beschmeißen die Roten mit Wasserbomben. Ein bisschen Krieg muss sein, immerhin ist es ein Wettbewerb. Wer als erstes das „goldgelbe Tofuschnitzel“ findet, gewinnt. Was eigentlich? Das ist nicht weiter wichtig. Es geht um das Spiel, um den Beat, den Sommer, und, ach ja, – es geht um Protest. In diesem Jahr steht die Schnitzeljagd unter dem Motto: „Mediaspree versenken!“ Die Tanzenden protestieren gegen das Großprojekt der Berliner Senatsverwaltung - die Bebauung des Spreeufers in den Bezirken Friedrichshain und Kreuzberg. Büros und Hochhochhäuser sollen entlang der Spreepromenade entstehen: Ein Plan, der nicht allen gefällt. Mediaspree zerstöre das Profil der Bezirke, sagen die Gegner, raube den Bürgern ihnen zustehende Grünflächen und mache das wilde Flair des Ufers kaputt. Also wehren sich unzufriedene Berliner.
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