12.07.2008 - 18:55 Uhr

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Techno, Tofuschnitzel und politische Partizipation: Am Vorabend der Mediaspree-Abstimmung

Text: wlada-kolosowa

Mediaspree oder nicht Mediaspree, das ist hier die Frage. An diesem Sonntag wird in Berlin abgestimmt. Der Wahlkampf verlief mit ungewöhnlichen Mitteln. Und hat Spaß gemacht - eine Übersicht

Wenn die Tofuschnitzeljäger kommen, gehen die Fußgänger schnell zur Seite. An der Spitze schreitet ein Dunkelhaariger mit Eselsmaske, in seiner rechten Hand eine Gurke, die er im Takt schwingt, wie einen Tambourstab. Hinter ihm ziehen zwei Jungs eine gewaltige Anlage auf Rädern. Der Bass wummert. Die Prozession kreischt, tanzt und spritzt einander mit Wasserpistolen nass. Seifenblasen, Glitzer und Techno: eine Mischung aus einem Rave und Kinderfasching. So kann politische Partizipation aussehen. Die Crews pilgern, zappelnd in Takt, zur nächsten Station der Techno-Schnitzeljagd. Die Nachmittagssonne knallt. Team Lila besprüht Team Pink mit Sekt, die Pinken schießen zurück mit Konfetti. Die Orangenen beschmeißen die Roten mit Wasserbomben. Ein bisschen Krieg muss sein, immerhin ist es ein Wettbewerb. Wer als erstes das „goldgelbe Tofuschnitzel“ findet, gewinnt. Was eigentlich? Das ist nicht weiter wichtig. Es geht um das Spiel, um den Beat, den Sommer, und, ach ja, – es geht um Protest. In diesem Jahr steht die Schnitzeljagd unter dem Motto: „Mediaspree versenken!“ Die Tanzenden protestieren gegen das Großprojekt der Berliner Senatsverwaltung - die Bebauung des Spreeufers in den Bezirken Friedrichshain und Kreuzberg. Büros und Hochhochhäuser sollen entlang der Spreepromenade entstehen: Ein Plan, der nicht allen gefällt. Mediaspree zerstöre das Profil der Bezirke, sagen die Gegner, raube den Bürgern ihnen zustehende Grünflächen und mache das wilde Flair des Ufers kaputt. Also wehren sich unzufriedene Berliner.
Wahlkampf der anderen Art Die Tofuschnitzeljäger machen das auf eine besondere Art und Weise: Zur Ausrüstung jedes Teams gehört neben des Spaßarsenals und der Musikanlage Informationsflyer und eine Flasche Wodka, für Überzeugungszwecke. Jeder Passant, der sich dazu überreden lässt, gegen Mediaspree zu stimmen, bekommt einen Kurzen. Die Teams sammeln für jeden Bekehrten Punkte. „Wenn das Politik ist, dann mache ich mit“, sagt Martin. Seit mehreren Stunden zuckt er wie ein Duracel-Hase, unermüdlich, ohne Pause. Dass die Schnitzeljagd im Zeichen des Mediaspree-Protestes stehen wird, davon wusste er nichts. Er wollte vor allen Dingen Musik. „Wenn dabei noch was rauskommt, umso besser.“ Jana ist von Kopf bis Fuß mit Glitzer übersäht, immer wenn sie ihre kurzen Haare im Takt schüttelt, sieht es aus wie ein kleiner Silberregen. Die Kampagne gegen die Mediaspree sei ihr wichtig: Sie wolle nicht, dass ihr Bezirk steril wird und könne es zudem nicht leiden, wenn etwas über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Zu der Wahl am Sonntag geht sie auf jeden Fall, sogar bei einer Informationsveranstaltung ist sie schon gewesen. Hier macht sie aber eher aus Spaß mit. „Die Schnitzeljagd wurde von dem Bündnis für die urbane Mobilbeschallung und der Hedonistischen Internationale mitorganisiert“ erzählt sie. „Sie wollen Fun, ein bisschen zivilen Ungehorsam.“ Politik stehe aber nicht im Vordergrund. Wer wirklich was erreichen wolle, sei anderweitig besser aufgehoben. Und dann zieht sie auch schon weiter, der brummenden Musikanlage hinterher. Auf der nächsten Seite: Bilder vom Protest und mehr über die Leute, die das Bürgerbegehren Spreeufer für alle in Leben gerufen haben.
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