02.07.2008 - 19:00 Uhr

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„Kurt Beck hat keine Freunde“

Text: theresa-steinel

Deutschlands bekanntester politischer Blogger, Markus Beckedahl, hat in einer Studie rausgefunden, dass die deutschen Spitzenpolitiker und Parteien im Web 2.0 keine gute Figur machen

Wie kam es zu eurer Studie?
Wir wollten mal nachschauen, wie die Parteien und die Jugendorganisationen auf das Social Web, auch Web 2.0 genannt, reagieren. Darüber gab es noch kein Zahlenmaterial.
Immerhin ist im kommenden Jahr ein ziemlicher Wahlmarathon mit Europawahlen, Bundestagswahl, verschiedenen Landtags- und Kommunalwahlen. Alle blicken immer nach Frankreich oder in die USA, wo das soziale Netz von den Parteien sehr stark genutzt wird. Wir wollten mal verlässliche Zahlen sammeln, wie das in Deutschland ist.


Markus Beckedahl

Und, was kam dabei raus?
Was wir immer schon vermutet hatten: Die deutsche Politik ist nicht wirklich im sozialen Netz angekommen. Prägnant auf den Punkt gebracht: Kurt Beck hat keine Freunde; wenn man sich dieses Freunde-Sammeln-Prinzip in sozialen Netzwerken mal anschaut. In den USA hat Barack Obama über eine Million Unterstützer bei Facebook. In Deutschland haben wir von Angela Merkel ein Profil bei Facebook gefunden, sonst aber von so gut wie keinem Politiker in einem sozialen Netzwerk.

Passt denn Politik und Web 2.0 überhaupt zusammen?
Politik passiert doch vor allen Dingen an sozialen Orten. Parteien gehen zu Schützenfesten, zur Kirmes, dahin, wo Menschen sich aufhalten. Und im Netz ist es nicht anders. Soziale Netwerke sind soziale Räume, wo Menschen miteinander agieren. Die Politik denkt, die Menschen kommen schon zu ihnen auf die Internetseiten. Aber wir glauben, dass Politik im Internet anders funktioniert; dass man, genau wie im richtigen Leben, zu den Menschen raus muss. In Deutschland sehen wir das bisher noch nicht.

Woran liegt’s?
Einerseits daran, dass die Parteien sehr experimentierunfreudig sind. Andererseits wird kaum Geld in den Online-Wahlkampf gesteckt. In den Parteizentralen wird noch in Großraumplakaten, Offline-Veranstaltungen und Flyern gedacht. Aber das Hauptargument ist wohl, dass die Politiker noch nicht im Netz sind.

Du meinst, sie sind noch nicht im Online-Zeitalter angekommen?
Genau. Bei unseren Spitzenpolitiker ist der Running-Gag, dass jeder damit kokettiert, nicht den Rechner einschalten zu können. Andererseits waren wir bei unserer Studie verblüfft, dass auch die Spitzenvertreter der Jugendorganisationen kaum im Netz zu finden waren. Die beiden Vorsitzenden der Grünen Jugend führen einen Webblog, die anderen haben keinen Blog. Die meisten findet man noch nicht mal in irgendwelchen Social Networks. Das hätte man anders vermutet, da ein Großteil der Unter-30-Jährigen in irgendwelchen Social Networks zu finden ist.

Was macht Obama besser?
Er hat eine sehr ausgefeilte Internet-Strategie. Er nutzt die Netzwerk-Zentriertheit des Internets für seine Kampagne, um die Menschen einzubinden, um mit ihnen in einen Dialog zu treten. In Deutschland ist Politik eine Verlängerung der Top-Down-Kommunikation, wie wir sie aus den Massenmedien kennen.

Das musst du erklären.
Man schaltet einen Werbespot und die Menschen sollen ihn sich ansehen. Das soziale Netz ist Grundlage für Diskurs und Dialog, das wird überhaupt nicht genutzt.

Was empfiehlst du deutschen Politikern?
Dass sie das Internet in ihre Strategie einbauen, dass sie experimentieren und sich darauf einlassen. Denn mit der derzeitigen Strategie wird man, zumindest im Internet, kaum Stimmen bekommen.

Findest du, Angela Merkel sollte ein Profil auf StudiVZ haben? Als Studi würde ich sie jetzt nicht bezeichnen.
Es wäre schon praktisch, wenn ihre Mitarbeiter da für sie aktiv werden würden. Es ist nun mal das meistgenutzte deutsche Social Network. Die Junge Union hat beispielsweise die größte Gruppe innerhalb von StudiVZ. Für Angela Merkel könnte es sich lohnen.

Wie gefällt dir Peer Steinbrücks Internet-Song „I Love Cash“?
Das Finanzministerium schafft es alle drei bis vier Jahre mit einem absolut peinlichen und total verhunzten Song, die Öffentlichkeit zu erschrecken. Herr Eichel hat das auch schon mal vor sechs Jahren versucht. Man fragt sich: wieso immer der Finanzminister?

Da wollte hat mal ein Politiker Teil der Jugendkultur sein.
Das ist typisch Finanzminister, versucht sein graues Image abzulegen, und irgendein Berater erklärt ihm, wir müssen jetzt mal cool und lustig sein. Das geht jedes Mal nach hinten los.

Markus Beckedahl, 31, betreibt den Weblog netzpolitik.org


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strikingback
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Mag ich Mag ich nicht

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02.07.2008 - 19:40 Uhr
strikingback

Ok, welche Partei macht denn außerhalb des Web 2.0 eine gute Figur!?

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

0

02.07.2008 - 19:40 Uhr
DagnyTaggart

In Deutschland muss man in der Partei netzwerke gruenden (vergl. Nahles) waerend man in den USA mit der Basis in Kontakt treten muss (fuer Primaries, um Spenden zu bekommen etc.)

alcofribas
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Mag ich Mag ich nicht

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02.07.2008 - 22:00 Uhr
alcofribas

studiVZ ist mir nach der lektüre dieses artikels noch suspekter.

der tiefere grund für die nicht-präsenz von politikerInnen im netz ist wohl darin zu suchen, dass bei uns politik immer noch einen unanständigen ruch hat. in den USA kann man obama auch einfach mal so cool finden, bekennt sich heute einer aus der zielgruppe offensiv zu einem politiker, wirkt das leicht bizarr (was nicht an der zielgruppe, sondern am zur auswahl stehenden personal liegt). ich kann mir so ad hoc nicht vorstellen, wie cooles grassroot campaigning für beck oder merkel aussehen sollte. hüstel.

das politische muss bei uns immer staatstragend rüberkommen, schon fischer beim joggen war ein eigentlich nicht hinzunehmender tabubruch.

silanea
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02.07.2008 - 22:38 Uhr
silanea

"Es wäre schon praktisch, wenn ihre Mitarbeiter da für sie aktiv werden würden."

Genau, das hat mir am StudiVZ bisher noch gefehlt: Dass mir dort dieselben Trottel und Bauernfänger auf den Senkel gehen, die mir in der Münchner Fußgängerzone irgendwelche bescheuerten Zettel in die Hand drücken, auf denen mir Dinge versprochen werden, die ausserhalb einer politischen Organisation wohl nur ein Volltrunkener ersinnen kann.

alcofribas
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Mag ich Mag ich nicht

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02.07.2008 - 23:02 Uhr
alcofribas

silanea sagte:
"Es wäre schon praktisch, wenn ihre Mitarbeiter da für sie aktiv werden würden."

Genau, das hat mir am StudiVZ bisher noch gefehlt: Dass mir dort dieselben Trottel und Bauernfänger auf den Senkel gehen, die mir in der Münchner Fußgängerzone irgendwelche bescheuerten Zettel in die Hand drücken, auf denen mir Dinge versprochen werden, die ausserhalb einer politischen Organisation wohl nur ein Volltrunkener ersinnen kann.


q.e.d.

Fehlerteufel
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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2008 - 00:38 Uhr
Fehlerteufel

Webblog
Die Meisten
unter-30-Jährigen
Das soziale Netz [...], dass wird überhaupt nicht genutzt.
Dass ist typisch Finanzminister, [...]
Webblog

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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2008 - 00:40 Uhr
Fehlerteufel

Webblog
Die Meisten
unter-30-Jährigen
Das soziale Netz [...], dass wird überhaupt nicht genutzt.
Dass ist typisch Finanzminister, [...]
Webblog

afrirali
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03.07.2008 - 00:43 Uhr
afrirali

" Deutschlands bekanntester politischer Blogger, Markus Beckedahl, hat in einer Studie rausgefunden, dass die deutschen Spitzenpolitiker und Parteien im Web 2.0 keine gute Figur machen."

welch bahnbrechende erkenntniss.

und dagny: als ob in den usa nicht auch netzwerke zählen, um an spenden zu kommen ...

alcofribas
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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2008 - 08:46 Uhr
alcofribas

afrirali sagte:
" Deutschlands bekanntester politischer Blogger, Markus Beckedahl, hat in einer Studie rausgefunden, dass die deutschen Spitzenpolitiker und Parteien im Web 2.0 keine gute Figur machen."welch bahnbrechende erkenntniss.


na das ist der "vorteil" des mediums, man kann auch auf niedrigem niveau noch bella figura machen und selbstverständlichkeiten als expertenwissen verkaufen.

mik1
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03.07.2008 - 10:55 Uhr
mik1

alcofribas schreibt mir aus der engen seele: wenn wir endlich politiker mit ihrem alkoholismus, ihren sexuellen neurosen, ihrer verlogenheit, aber auch mit ihrer aufrichtigkeit, mit ihrem ehrlich gemeintem engagement und ihrem sendungsbewusstsein als ganz normale menschen ernst nehmen würden, dann wären sie in der gesellschaft und im social web angekommen.
aber alcofribas: natürlich ist ein grassroot campaigning für beck denkbar. stilistisch wäre das zwar am blauen bock angelegt - ok, also ein bisschen bizarr, wie du schreibst - aber machbar wärs. die pr- und marketing-leute in der zweiten reihe hinter unseren politikern sind bloss noch nicht so weit wie ihre amerikanischen kollegen. hier kauft moritz hunzinger seinen klienten noch anzüge, statt sie ins web 2.0 zu bugsieren.

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