18.06.2008 - 19:00 Uhr

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"Das Gefühl, überwacht zu werden hat uns bis nach Hause verfolgt"

Text: eva-schulz - Fotos: privat

Michael Steinmann, 21, ist Jugendsprecher des Deutschen Hockey-Bundes. Vor kurzem nahm er an einer Delegationsreise nach China teil und blickte bei den Olympia-Machern hinter die Fassaden. Wie das war? Ein Interview über enttäuschende Staatssekretäre, verlorene SMS, ständige Überwachung und seltsam herrenlose Badelatschen

Musstet ihr trotz dieser Wichtigkeit gewisse Verhaltensvorschriften befolgen? Es gab eine Art Dresscode, ansonsten mussten wir uns aber an keine Regeln halten. Man hat uns auch nicht den Mund verboten. Wir durften überall fotografieren und – auch gegenüber Reportern – sagen, was wir wollten. In der deutschen Botschaft hatte man uns sogar dazu aufgefordert, den Tibetkonflikt anzusprechen. Und was ist dabei rausgekommen? Das Thema wurde komplett übergangen – nicht nur von den Chinesen. Auch die deutschen Politiker, die wir getroffen haben, äußerten sich nicht dazu. Vor allem von Staatssekretär Gerd Hoofe, der unsere Reise begleitet hat, war ich ziemlich enttäuscht. Er muss ja nicht gleich Stellung nehmen, aber es nicht einmal erwähnen? Abends, wenn wir noch in eine Kneipe oder Disko gegangen sind, haben wir manchmal die „echten“ Chinesen nach ihrer Meinung gefragt. Aber auch die blocken immer gleich alle ab. Sie sind überzeugt davon, dass der Dalai Lama ein Terrorist ist und ihre Spiele blockieren will, auf die sie so stolz sind.
Erinnerungsbild mit Staatssekretär: Die deutsche Hockey-Abordnung (von links Michael, Ines und Stephan) gemeinsam mit Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In Europa wird noch immer über einen Boykott der Spiele diskutiert. Was hältst du davon? Das wäre völlig falsch. Jetzt, wo China so stark vom Rest der Welt wahrgenommen wird, hat es die Chance, sich zu präsentieren. Gleichzeitig haben Politiker, Journalisten und alle anderen die Möglichkeit, ins Land zu kommen, es kennen zu lernen und öffentlichkeitswirksam darauf hinzuweisen, was dort falsch läuft. Der Druck auf China, etwas zu ändern, wird so viel größer. Außerdem bringt es doch nichts, den Sport zu boykottieren und gleichzeitig die Wirtschaft anzukurbeln, indem man weiter chinesische Produkte importiert. Welche Vorbereitungen für die Olympischen Spiele habt ihr mitbekommen? Am auffälligsten sind sicher die Plakate, die schon überall hängen: „Welcome to China“ steht da und „Olympic Games“. Aber auch das Medienzentrum und die Hotels sind alle fertig, der riesige neue Flughafen in Peking ist eröffnet und überall werden schon Merchandising-Artikel verkauft. Ich war sehr beeindruckt, dass vier Monate vorher bis auf das olympische Dorf scheinbar alles bereit war – vor allem, wenn man an Athen 2004 denkt, wo einen Tag vor Beginn der Spiele noch die Straßen geteert werden mussten. Also tippst du auf einen problemlosen Verlauf der Spiele im August? Da wäre ich mir nicht so sicher: Die Kommunikation in China fiel uns sehr schwer, weil wirklich niemand dort Englisch spricht. Selbst an der Rezeption im Hotel verstand uns nicht jeder. Stattdessen bekamen wir eine Karte mit der Adresse des Hotels in die Hand gedrückt, die wir den Taxifahrern zeigen sollten. Die Spiele sind unheimlich gut geplant, aber wie soll das ohne eine gemeinsame Sprache funktionieren? Polizei, Journalisten, Sportler – niemand wird sich verstehen, und ich glaube, das wird ein großes Problem. In unserer Delegation waren zum Glück zwei Leute, die Chinesisch sprachen. Sie haben uns oft gerettet, ob nun beim Bestellen im Restaurant oder beim Verhandeln mit Rikschafahrern und Straßenhändlern. Was glaubst du, welche Chancen haben die Chinesen bei Olympia 2008? Die Chinesen haben einen klaren Vorteil: Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern sind sie längst an die schlechten Umweltbedingungen, zum Beispiel die miese Luftqualität, gewöhnt. Dadurch werden sie in den Ausdauersportarten einiges abräumen. Und im Tischtennis natürlich!
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eva-schulz

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.

Eva Schulz