09.06.2008 - 19:00 Uhr

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Die PARTEI hat immer Recht

Text: sascha-chaimowicz

Die Spaßpartei des Satiremagazins „Titanic“ greift im Herbst nach der Macht in Bayern. Zu Besuch beim Landesparteitag

Timm hat sich auf dem Parteitag einen besonders prominenten Platz ausgesucht, gleich in der ersten Reihe. Und jetzt, eine Stunde nach Beginn, ist er eingeschlafen. Eilig baut sich das parteieigene Kamerateam vor ihm auf. „Das ist super“, sagt die Kamerafrau. Schlafende Mitglieder auf dem Parteitag passen der PARTEI gut ins Konzept. Redakteure des Satire-Magazins Titanic haben die PARTEI im Jahr 2004 gegründet. Mutig und selbstbewusst wurden damals die ersten 100 Mitgliedsnummern übersprungen. Hitler hingegen übersprang bei seiner Parteigründung gleich 500 Nummern. „Wir sind viermal so mutig gewesen wie die Nazis und ich hoffe, wir werden auch viermal so erfolgreich sein wie die Nazis“, erklärt Parteichef Martin Sonneborn, ehemals Chefredakteur der Titanic. Die PARTEI zählt mittlerweile über 6000 Mitglieder und ist bereits bei mehreren Wahlen angetreten, unter anderem bei der letzten Bundestagswahl. Die nächste Station ist die Landtagswahl 2008 in Bayern, dem „heruntergekommenen Südstaat“, wie der Parteichef sagt.
Sonneborn (links) ist der heimliche Star des Abends, Landesvorsitzender Bruckner ist müde „Danke Freistaat!“ Im „Wirtshaus in Sendling“ trifft sich die PARTEI zum Landesparteitag. An der holzgetäfelten Wand kleben Roberto Blanco-Poster mit der Aufschrift „Warum nicht mal ein Neger? – Bayernwahl ist Präsidentenwahl“. Der gemietete Saal im Wirtshaus hat den Charme eines Obermenzinger Vereinsheims, doch im Prinzip ist alles da, was zu einem echten Parteitag gehört: Parteichef Sonneborn sitzt samt Versammlungsleiter, Generalsekretär, Schriftführer und einem Vertreter der parteieigenen „Hintner Jugend“ an einem Podium, das mit einer weiß-blauen Tischdecke und einem Bild von Franz Josef Strauß verziert ist. Vor den Parteifunktionären liegen stapelweise Antragsformulare. In den nächsten drei Stunden wird streng nach Vorschrift Polit-Bürokratie abgearbeitet. Vielleicht sollte man eher sagen „zelebriert“, denn mit viel Liebe zum Detail werden alte Vorstände entlastet, stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende gewählt und kommissarische Schriftführer zu offiziellen Schriftführern gemacht. „Das alles haben wir dem Freistaat Bayern und seiner Gesetzgebung zu verdanken“, sagt Landesvorsitzender Gerd Bruckner, dem nach stundenlangen Abstimmungen die Haare verschwitzt auf der Stirn kleben. Vom Parteitag selbst bekommen die übrigen Wirtshaus-Gäste wenig mit, die Türen zur „geschlossenen Gesellschaft“ sind nur ein Spalt geöffnet. „Sind das Kommunisten?“, fragt eine ältere Dame, die seit zehn Jahren jede Woche ins Sendlinger Wirtshaus kommt. „Das ist ein Raucherverein“, beschwichtigt ein etwa vierzigjähriger, merklich angetrunkener Herr. „Also nichts Beunruhigendes, oder?“, fragt die ältere Dame. Als Parteichef Sonneborn das erste Mal zum Parteivolk spricht, gibt er darauf klare Antworten: „Wir sind gefährlich!“. Er erinnert an Hitlers Anfänge im „Bügerbräukeller“. Man selbst sei jetzt eben im „Wirtshaus in Sendling“. Sonneborn will die Stimmung aufheizen: „Wir brauchen jetzt Suggestivbilder!“ Es ist 20.45 Uhr und Zeit für die einzelnen Kandidaten, sich vorzustellen. Ein Mikrofon, zwei Minuten, hier soll alles seine Ordnung haben. Die Kandidaten geben sich Mühe, PARTEI-gerechte Forderungen vorzubringen: „Kfz-Steuer für Schäubles Rollstuhl“, „Die ehemalige und hoffentlich zukünftige DDR kann ihre nationalbefreiten Zonen schon haben. Sie sollen sie aber auch selber zahlen“, „Gegen den Umzug des Bundesnachrichtendienstes: Lassen Sie die Spione vor Ort in Pullach!“ Manche Kandidaten sind nervös, die Gegenwart ihres Parteichefs verpflichtet.
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