Diese CD ist super! Unerhörte Rezensionen und ein Buch dazu
Text: christina-waechter
Plattenrezensionen gibt es jede Woche eine ganze Wagenladung voll. Und meist klingen sie ziemlich ähnlich und ziemlich vorhersehbar. Und oft auch so, als hätte der Autor die Musik gar nicht angehört.
Aber wie klingen Rezensionen ungehörter Platten? Das Buch "Kopfhörer" liefert die Antwort. Und die jetzt.de-Redaktion hat es auch gleich mal ausprobiert
Gasoline - The New Discipline (Sopot Reco/ ALIVE)
Wer hört das an?
Die Dorfjugendlichen, die in die große weite Welt gezogen sind. Aufgewachsen in 500-Einwohner-Orten mit einer Haupt- und fünf Querstraßen, die erste Zigarette an der Schulbushaltestelle mit 14, man kennt sich. Nach dem Abitur auf dem Gymnasium in der Kreisstadt geht's zur Uni. Nach Berlin, München, Hamburg. Wohnen in einer WG, eins der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer studieren und die eigene Jugendzeit reflektieren, dabei kiffen. Ab und zu.
Wie hört sich das an?
Gasoline hat zwar einen explosiven Namen, bietet dem Hörer aber Schmusemusik für die ganz, ganz ruhigen Stunden am Abend. Aber die Band beschränkt sich nicht auf Kerzenschein-Kuschelrock mit Akustik-Gitarre, sondern experimentiert. Nicht alle Stücke sind betextet, warum auch. Die Dänen klingen oft nach Ich-schaue-auf-den-Fjord-und-bin-glücklich-Pop. Nach Sigur Ros also. Manchmal etwas zu geklaut.
Insider-Tipp, den nur Musik-Redakteure wissen können
Produziert wurde das Teil von Metallica-Drummer Lars Ulrich. Der wohnt zwar irgendwo in Kalifornien, ist aber Däne und beschäftigt sich seit langer Zeit intensiv mit der skandinavischen Musik. Er hält Gasoline für die talentierteste Gruppe seit Roxette und Mando Diao. Auf dem mit Spannung erwarteteten nächsten Metallica-Album haben Gasoline-Musiker einen Gastauftritt.
andreas-ernst