Das "Kommando Tito von Hardenberg" infiltriert Polylux
Es klingt ein bisschen wie im Krimi. Die RBB-Sendung Polylux ist gestern Abend angeblich vom „Kommando Tito von Hardenberg“ infiltriert worden. Im Dienste der Aufklärung schleuste das Kommando einen V-Mann als Interviewpartner in die Sendung. Der V-Mann namens „Tim“ war im Beitrag zur „Alltagsdroge Speed“ der Hauptdarsteller. „Tim“ war ein übergewichtiger Speed-Junkie, der mithilfe der Droge abnehmen wollte. Den drogenabhängigen Speed-Junkie spielte „Tim“ allerdings nur, in Wirklichkeit sei er eine Erfindung gewesen, so jedenfalls behauptet es das „Kommando Tito von Hardenberg“.„Wir haben die plumpe Internetrecherche von Polylux zum Anlass genommen, die Legende des Speed-Patienten „Tim“ zu erfinden und zum Drehtermin ein kleines Schauspiel vorzuführen“, heißt es auf der Homepage des Kommandos.
Dass ausgerechnet Polylux für die Rolle des Bösen herhalten muss, war wohl keine Absicht des Kommandos. „Polylux war zwar Ziel der Aktion, steht aber stellvertretend für weite Teile der Medienlandschaft, für die Recherche in erster Linie einen Kostenfaktor darstellt. Zentrale Bereiche des Journalismus werden an unterbezahlte Praktikanten ausgelagert, denen es aufgrund prekärer Arbeitsverhältnisse und des daraus resultierenden Drucks schwer möglich ist, ausreichend Zeit und Ressourcen in ihre Arbeit zu investieren“, so das Hardenberg-Kommando.
Der Sprecher des RBB, Ralph Kotsch, hält es für möglich, dass die Begründung von „Tim“ und seinem Kommando nachgeschoben ist, um auf eine im Rausch entstandene Idee einen höheren, moralischen Impetus draufzusatteln. Nach Angaben des Sprechers habe „Tim“ auch hinter der Kamera Drogen genommen: „Er hat gekokst“, sagt Kotsch. Außerdem halte er es für möglich, dass die Meldung auf der Kommando-Webseite Teil des Fakes ist.
Im Bekenner-Video äußert das Kommando Eckpunkte seines Manifests gegen den „boulevard-medialen Komplex“: Es geht unter anderem gegen Praktikantenausbeutung, schlechtes Fernsehprogramm und „die ganze andere Kacke“. Das Kommando gehört zu einer Gruppe, die sich „Hedonistische Internationale“ nennt. Kernsatz der Gruppe: Hedonismus ist kein Motor einer dumpfen, materialistischen Spaßgesellschaft, sondern eine Chance zur Überwindung des Bestehenden. Im Flashmob-Stil tourte die Gruppe tanzend durch Einkaufspassagen oder organisierte zu Beginn des Irakkriegs Pro-Krieg-Demos, um der Provokation willen.
Das Bekenner-Video des "Kommando Tito von Hardenberg"
Während Polylux die Videos zu sämtlichen Beiträgen der gestrigen Sendung online gestellt hat, nahm die Redaktion das „Speed“-Video aus dem Netz. Es ist nicht einmal mehr als Thema auf der Seite zu finden. Die Redaktion wird in einem Beitrag in der nächsten Sendung Stellung zu den Vorfällen nehmen.
Hier findest du das Blog der Gruppe "Tito von Hardenberg".
Hier kommst du zur Homepage der ARD-Sendung Polylux.
Und hier wurde das Thema bereits im jetzt-Kosmos erwähnt.
- Next Level Shit: Lukas Graham 12.02.2012
- Die Typologie der Esser 12.02.2012
- Der Harald Schmidt Ägyptens 10.02.2012
- Die Russenkälte! Eine Halbzeitbilanz in 30 Punkten 09.02.2012
- "Durch die Taten einzelner gerät die gesamte Protestaktion in Verruf" 01.02.2012
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Das erste, was ich (selbst im Medienbereich tätig) dachte, war: Hätte mir auch passieren können. Wenn einer kommt, der Dir mit Absicht was unterschiebt, und das ganze auch noch eher unideologisch oder nicht wie Werbung daherkommt, dann prüft man das nicht auf Herz und Nieren. Sonst gäb' es keine Tagesschau, sondern höchstens noch 'ne Wochenschau.
Da sind schon ganz andere routinierte Rechercheure - u.a. von der New York Times oder der Washington Post - auf Lügner reingefallen. Dass die Aktion gegen die - real existierende - Ausbeutung von unterbezahltem, halb ausgebildeten Personal hilft, bezweifle ich allerdings. Sie sorgt höchstens dafür, dass Journalisten für noch dümmer gehalten werden, als es ohnehin schon der Fall ist.
kikuju sagte:
der beitrag selber war halt auch eher unspektakulär fand ich.
fand ich auch, mal wieder die alte geschichte von der leistungsgesellschaft und mitten drin der arbeitslose, der sich ein jahr lang von speed ernähren möche um abzunehmen. rtl explosiv lässt grüssen
das magazin wirkt immer so wie die klischeehafte selbstdarstellung einer trendy webeagentur. so eine mit playstation und tischtennisplatte.
Wie kommt das Schwein eigentlich dazu, den Typen öffentlich als Kokser hinzuhängen (egal ob's denn nun so war), um von eigenen Fehlern abzulenken?
Die Recherche sah doch so aus, dass die in Drogenforen jemand gesucht haben, der genau zu der VORGEGEBENEN storyline passte.
Na, und den haben sie dann eben gefunden.
11.04.2008 - 19:26 Uhr
electrolux
Ich dachte, im Internet gäbe es keine Probleme mit dem Platz im Layout. Hihi.
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11.04.2008 - 17:06 Uhr
natural_born_chiller
hedonistische internationale... die raf der spaßgesellschaft ?!? cool!