05.03.2008 - 19:00 Uhr

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Essen mit Lea: Das dringende Bedürfnis, Fleisch zu essen

Text: lea-hampel - Illustrationen: Christoph Ohanian

"Zu wenig rote Blutkörperchen", stellte die Ärztin fest, als ich letzte Woche Blut spenden wollte. Sie musterte mich kritisch über den Brillenrand, und hakte gleich nach: "Sind Sie Vegetarierin?" "Nein, bloß das nicht!", wollte ich schon ausrufen. Den Gedanken, dass ich, um verwertbares Blut geben zu können, tierisches Blut beziehungsweise Fleisch zu mir nehmen sollte, fand ich trotzdem amüsant. Und musste mir eingestehen: viel Fleisch esse ich wirklich nicht.

Und das, obwohl mich wenige Dinge so glücklich machen wie Parmaschinken mit ofenfrischem Ciabatta und ein 250g-Steak traditionell mein Geburtstagsessen ist. Aber bei Fleisch, da wird's kompliziert. Da geht schneller was schief, das ist nichts für den eiligen Feierabendhunger. Mit beinahe vorhersagbarer Regelmäßigkeit beschleicht er mich trotzdem - der Appetit auf Fleisch. 1. Nischenwissen Deswegen habe ich mich sofort in das Wort Ubukashya verliebt. Das Wort wird von den Bemba in Sambia verwendet und bezeichnet das dringende Bedürfnis, Fleisch zu Essen. Im Deutschen gäbe es da nur Carnivore oder Kannibale. Aber weder nur Fleisch zu essen noch Mitmenschen zu verspeisen klingt besonders attraktiv. Deshalb: Ubukashya. Bis auf weiteres. 2. Im Stall, auf der Wiese? Informationsquellen für Bio-Infos Klar möchten wir, dass das Schwein, das unseren Frühstücksschinken geliefert hat, weder durch die halbe Europäische Union gekarrt wurde, noch soll es mit Antibiotika vollgestopft worden sein oder mit 100 anderen rosa Artgenossen auf 20 Quadratmeter gelebt haben. Und vor allem möchten wir gerne, dass der Schinken schmeckt. Seit aber Bio zum neuen In-Faktor geworden ist, ist manchmal gar nicht klar, was jetzt bio, was öko, was gesund und was nur Marketingtrick ist. Eine gute Hilfe zur Erklärung ist da bio-siegel.de, die offizielle Homepage zum einheitlichen sechseckigen Bio-Siegel, das in der EU angewendet werden darf. Hier werden die Kriterien für biologische Lebensmittel erklärt, und auch welche Bezeichnungen gerne zur Irreführung der Verbraucher verwendet werden. Wenn nämlich neben einem Apfel "aus umweltfreundlichem Anbau" und auf der Fleischpackung "aus integrierter Landwirtschaft" steht, bedeutet das rein gar nichts. Und vor allem nicht, dass die Produktion nach den Kriterien der EG-Öko-Verordnung stattgefunden hat. In der ist zum Beispiel definiert, was im Stallmist enthalten sein darf, damit ein Bauer mit ökologischer Landwirtschaft werben darf. Noch einfacher geht es auf label-online.de. Hier gibt es eine eigene Funktion zur Labelsuche, wo man die notwendigen Informationen über Produzenten einzelner Produkte erhält oder für bestimmte Produkte nach fairen Produzenten suchen kann.
3. Das Antiprodukt Das, was in vielen Restaurants als "Wiener Schnitzel" vor dem Gast landet, ist meist weder theoretisch (weil nicht aus Kalb oder falsch hergestellte Panade) noch praktisch (weil eher an Schuhsohle erinnernd) was es zu sein vorgibt. Den vorläufigen Endpunkt auf der Skala der Verbrechen am Konzept "Schnitzel" stellt Toasty dar. Seit letztem Herbst gibt es dieses zum Viereck gepresste, in Panade gehüllte Stück Schwein zum Toasten. Diese Fleisch gewordene Vergewaltigung des Toasters hat auf der Anuga, der größten Lebensmittelmesse in Deutschland, letzten Herbst sogar den Innovationspreis gewonnen. "Don't call it Schnitzel" ist der Werbeslogan, und ob die Ironie in dieser beißenden Form gedacht war, weiß wohl nur die zuständige Werbeagentur. Offenbar verkauft es sich aber sehr gut, denn derzeit sind neue Varianten in der Entwicklung. Übrigens: ein Test musste sowohl aus mangelnder Verfügbarkeit als auch als Selbstschutz ausbleiben. 4. Abhängen soll es! - Wissen rund um Fleisch Fleisch besteht aus Muskeln, die unterschiedlich strukturiert sind. Sie können zum Beispiel einen hohen Anteil an Bindegewebe oder Sehnen haben. Außerdem gibt es Fleisch mit langen und kurzen Fasern, wobei letztere meist zarter sind. Zum Muskel gehört natürlich auch Fett. Das liegt entweder auf dem Fleisch auf - dann ist es leicht zu erkennen und bei Bedarf wegzuschneiden. Oder es ist als sogenanntes "verstecktes Fett" auch in scheinbar magerem Fleisch enthalten. Solches Fett sorgt dafür, dass Fleisch während der Zubereitung saftig bleibt und eine zarte Konsistenz behält. Ob ein Stück Fleisch sonst eher zu mühsamem Rumkauen führt oder auf der Zunge zergeht, hängt auch davon ab, ob das Tier älter oder jünger war und ob das Fleisch vom vorderen oder hinteren Teil des Tieres stammt. Fleisch aus dem hinteren Teil ist meist zarter, allerdings auch teurer. Dass Fleisch für mehr rote Blutkörperchen sorgt, kommt daher, dass es neben Vitaminen auch Mineralstoffe enthält, unter anderem Eisen, das besonders gut für den menschlichen Stoffwechsel verfügbar ist Und wofür muss das Fleisch abhängen? Eigentlich könnte man meinen, dass Fleisch umso besser schmeckt, je frischer es ist. Das stimmt aber nur bedingt. Mit der eintretenden Totenstarre beginnt die Muskelkontraktion und der ph-Wert des Fleisches sinkt. Dadurch ist das Fleisch zunächst zäh. Danach beginnt die sogenannte Fleischreifung: der ph-Wert steigt wieder und das Fleisch wird wieder zarter. 5. Küchenquatsch "Personalize your steak" ist der Slogan, unter dem ein neuer Grilltrend propagiert wird. Was nicht heißt, einmal abbeißen, damit kein anderer sich das gute Grillstück schnappt, sondern: dem Fleischstück im wahrsten Sinne des Wortes seinen eigenen Stempel aufdrücken. "Steak Branding Iron" heißt das dazu notwendige Werkzeug. Es ist quasi das Exlibris für Fleischfresser und funktioniert, indem man einen Metallstempel mit Motiv während des Grillens auf das Fleischsstück drückt. Damit kann man sich beim Barbeque in Amerika zum Beispiel als Republikaner outen, indem man sein Fleisch mit dem obligatorischen Elefanten versieht. Auch Motive wie Cowboyhüte oder Sternchen kann man auf sein Steak tätowieren. Wie gut, dass diese Hässlichkeit meist unter Sauce oder Kräuterbutter versteckt oder nach einer halben Stunde gegessen ist.
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