05.03.2008 - 19:00 Uhr

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Der Mann, der Facebook übersetzt hat: Ein Gespräch mit User Sven Hagge

Text: sascha-chaimowicz

Facebook gibt es seit neuestem auch auf Deutsch. Übersetzt wurde die Seite jedoch nicht vom Unternehmen selbst, sondern von den Usern. Der fleißigste deutsche Übersetzer heißt Sven Hagge. Er hat tausende von Begriffen von zu Hause aus übersetzt. Und warum? Wir haben mit ihm gesprochen.

Herzlichen Glückwunsch, du bist Deutschlands erfolgreichster Facebook-Übersetzer.
Danke.

Wie lange hast du gebraucht für deine 24.007 Wörter und 595 Sätze?
Aktiv teilgenommen habe ich so zwischen ein und zwei Wochen. In Stunden lässt sich das Ganze schlecht messen, da ich immer, wenn ich mal wieder Zeit hatte, übersetzt habe. Wie lange es dann wirklich war, ist mir auch eigentlich egal.

Über 24.000 Wörter, knapp zwei Wochen Arbeit, da werden sich Viele fragen: Warum macht der das?
Ich kenne eine Menge Leute, die Facebook nicht benutzen wollen, weil es nicht auf deutsch ist. Mir persönlich wäre es egal, ich brauche keine Übersetzung. Es gibt eben viele Leute, die wenig bis gar kein Englisch können, und für die ist das natürlich eine tolle Sache. Außerdem machen mir solche Projekte ganz allgemein Spaß, ich bin auch bei Wikipedia aktiv und schreibe dort Beiträge auf deutsch.

Du investierst diese ganze Zeit, schreibst und schreibst und dann bekommst du dafür nicht einmal Anerkennung.
Darüber mache ich mir keine Gedanken. Was am Schluss dabei herauskommt, wie die Leute die Möglichkeiten nutzen, die sich ihnen beispielsweise mit einer übersetzten Version von Facebook bietet, ist den Leuten selbst überlassen. Ich finde es gut, dass sie zumindest die Möglichkeit haben, das Angebot zu nutzen. Ich habe das Alles nie als Arbeit empfunden, ich habe es einfach gemacht.



Weißt du, welche „deiner“ Wörter den Weg in die deutsche Facebook-Version gefunden haben?
Nein. Das habe ich seit längerem nicht mehr verfolgt. Ich wusste auch gar nicht, dass ich heute noch so hoch oben in der Übersetzer-Rangliste stehe.

Das wundert mich. Du weißt nicht genau Bescheid darüber, auf welchem Rang du stehst oder welche „deiner“ Wörter letztlich übernommen wurden. Warum ist das nicht wichtig?
Ach, dieses komische Challenge, das die daraus gemacht haben, so nach dem Motto „wer ist der Top-Übersetzer“, darum ging es mir überhaupt nicht. Der Top-Übersetzer – so what?

Hat sich jemand von Facebook für deine Arbeit bedankt?
Nein. Wenn ich bei Wikipedia einen Text schreibe, bedankt sich auch keiner. Undank ist der Welten Lohn.

Findest du es gut, dass Facebook es den Usern überlassen hat, die Seite ins Deutsche zu übersetzen?
Warum nicht, ich fand das gesamte Projekt ganz spaßig. Das ist für mich ein Spielchen.

Konntest du während des Übersetzungs-Projekts mit den Facebook-Machern in Kontakt treten?
Es gab ein paar Leute vom Facebook-Staff, die in einem Diskussionsforum tätig waren, die Beteiligung seitens Facebook war insgesamt gesehen aber eher mau. Das ist Alles nicht besonders gut gelaufen. Von Facebook war einfach zu wenig Beteiligung da. Von denen kam überhaupt keine Rückmeldung.

Es gab vorab eine Art Stylesheet von Facebook, als Richtlinie für eure Übersetzungen.
Das war zum Teil ziemlicher Schwachsinn. Das liegt viellecht auch daran, dass es kein deutsches Facebook-Team gibt.

Ein paar „phrases“ stehen ja noch offen und müssen übersetzt werden. Willst du deinen 596. „phrase“ übersetzen? „Invite to event“ gäbe es da noch …
Das müsste relativ fix zu übersetzen sein mit „Zu einer Veranstaltung einladen“. Deutsch klingt irgendwie immer komplizierter und unrunder. "Veranstaltung" anstatt "event" – das klingt nur noch halb so cool.

Eine letzte Frage: Wie viele Freunde hast du eigentlich auf Facebook?
Ich nutze das Portal eher für meine Familie, die in Kanada wohnt. Echte Freunde, mit denen ich auch kommuniziere, habe ich etwa zehn.


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shagge
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2008 - 14:24 Uhr
shagge

Damit kein falscher Eindruck entsteht, es haben noch sehr, sehr viele andere Leute mitgeholfen Facebook zu übersetzen. Ihnen allen gebührt ein Dank. (Die Drittplatzierte ist übrigens gar nicht so weit hinter mir.) Gruß,
Sven

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2008 - 19:29 Uhr
soylentyellow

Aber warum das Ganze? Wer kann schon kein Englisch?

Und vor allem: Warum haben das die User umsonst gemacht? Facebook ist sehr viel Geld wert, da könnten die auch den einen oder anderen Übersetzer bezahlen.

mushummel
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2008 - 19:31 Uhr
mushummel

auf der startseite fehlt in der ankündigung das wort "übersetzt".

"er hat Tausende Begriffe."

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2008 - 19:32 Uhr
soylentyellow

"Hat sich jemand von Facebook für deine Arbeit bedankt?
Nein. Wenn ich bei Wikipedia einen Text schreibe, bedankt sich auch keiner. "

Kleiner Unterschied: Obwohl sowohl facebook wie auch wikipedia ohne Nutzer nicht existieren würden geht es bei wikipedia, ganz im Gegensatz zu facebook, nicht darum massiv Geld zu verdienen.

peter-wagner
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05.03.2008 - 19:35 Uhr
peter-wagner

@mushummel: danke! war noch in arbeit.

dichtmeister
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05.03.2008 - 20:18 Uhr
dichtmeister

@soylent

ack

da hat sich jemand schlichtweg zur unbezahlten hure gemacht (sorry, ist aber so).
nächstes projekt: user übersetzen ihr windows selbst?
Auto's zum selbstlackieren? (bei gleichem Preis)

widerlich.

sylvieIT
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05.03.2008 - 22:03 Uhr
sylvieIT

Hallo! Ich studiere Uebersetzen in Italien und moechte, dass eines Tages diese Taetigkeit meine Arbeit wird. Aber es wird schwer sein, wenn Leute wie Sven GRATIS uebersetzen. So vermittelt man die Idee, dass Ubersetzen ein Spiel ist. Er selbst sagt: "Ich habe das Alles nie als Arbeit empfunden, ich habe es einfach gemacht." und "Das ist für mich ein Spielchen." Professionell und gut zu uebersezten ist sehr schwer und erfordert eine Ausbildung, die kosten- und zeitaufwendig ist. Schade, dass "Spieler" wie Sven, wahren Uebersetzern den Arbeit klauen....

air_kaviar
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05.03.2008 - 22:11 Uhr
air_kaviar

das erinert mich an die volunteers bei der tsg hoffenheim. gratis arbeiten für millionäre.

keos
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2008 - 23:55 Uhr
keos

was mich an diesem text _wirklich_ stört sind die gross geschriebenen "viele" und "alles".
aber ja - ich bin eine der einzigen, die jedes mal darüber stolpern beim lesen, also nehmt es als pingeligen hinweis von der ewigen meckertante...

akerbeltz
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Mag ich Mag ich nicht

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06.03.2008 - 00:11 Uhr
akerbeltz

Warum... nun, ich würde sagen es ist ein Kompromiss. Es gibt mittlerweile viele solche Projekte, allen voran Google, Wiki, OpenOffice, Linux & Co bei dem die Benutzer selber übersetzen. Mag sein, daß es für Sprachen wie Deutsch, Spanisch und Chinesisch ja genügend Bedarf gibt damit manche Hersteller das Übersetzen bezahlen aber für viele Sprachen die weniger als, sagen wir mal, 20 Millionen Sprecher haben ist dieses Ziel oft unerreichbar und so sind wir immer gezwungen, die virtuelle Welt durch eine andere Sprache zu betreten. Das wirkt sich auf Dauer verheerend auf eine Sprache aus, nicht nur eine kleine übrigens.

So werden wir also nicht dafür bezahlt daß wir Google auf Schottisches Gälisch übersetzt haben und viel Freizeit geopfert. Aber für 60.000 Gälen hatte Google das nie bezahlt aber so haben wir endlich ein gälisches Suchportal. Das ist mit Geld nicht aufzuwiegen wenn man bedenkt wir groß der Schaden ist, der dadurch entsteht, wenn es sowas nicht gibt.

Ohne das gäbe es Google nicht auf Gälisch, Irish, Walisisch, Baskisch, Maori, Amhara, Xhosa, Friulisch, Sardisch, Mongolisch, Georgisch, Tibetisch und so vielen anderen Sprachen...

Bitte mehr solcher Projekte.

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sascha-chaimowicz

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.