Er ist er und wer bist Du?
"Icke und Er" gehen auf Abschiedstour, weil sie kein Medienphänomen sein möchten. Dabei waren sie nie eines, oder doch?
Er spricht nicht, eigentlich nie. Er ist sehr scheu. Aber Er macht die Beats, das betont Icke immer wieder. Persönliche Interviews geben Icke und Er nicht. „Er mag diesen Medienrummel nicht“, sagt Icke am Telefon.Am darauffolgenden Abend im Münchner Club „Ampere“: Neben den obligatorischen Hiphop-Kids mit Baggy-Pants, jungen Mädchen mit großen Sonnenbrillen und Journalisten, sieht man viele dieser typischen Medienmenschen – Ende Dreißig, mit grauem Haar an den Schläfen und abgewetzten Cord-Sakkos, die in Wahrheit aber teure Designer-Ware sind. Der Club ist voll und selten ist das Publikum auf Hiphop-Konzerten so heterogen. Alle starren auf vier Fernseher vor der Bühne. Auf denen sieht man Icke und Er im Backstage-Raum sitzen und im Berliner Dialekt mehr oder weniger Nonsens vor sich hin schnurren.

Abschiedstournee nach 18 Monaten
Nach knapp 18 Monaten im Mediengeschäft gehen die beiden jetzt auf Abschiedstour. „Ihr sagt Tachchen, wir sagen Tschüs“ heißt sie. Icke spricht von einer „Exit-Strategie“, die man in diesem Geschäft unbedingt brauche. Sonst verliere man den Boden unter den Füßen und drehe ab wie Slatko: „Der sitzt ja jetzt in seiner Bude und traut sich nicht mehr die Rollläden aufzumachen. Weil er Angst hat, fotografiert zu werden oder weil Angst hat, nicht fotografiert zu werden.“ Wie Slatko möchte Icke auf keinen Fall werden, Er auch nicht.
„Er und icke kennen uns schon seit einer Ewigkeit. Er hat schon immer Beats in seinem Keller gemacht und Icke, naja, hab so Gelegenheitsjobs jemacht“, sagt Icke. Er spricht im selben schnoddrigen Tonfall, den man von der Platte und diversen Video-Interviews kennt. „Irgendwann ging det dann halt los mit „Richtig geil““
Das war im Herbst 2006. Da tauchte ein wackeliges Video im Internet auf. Darin zu sehen: zwei schnoddrige Typen mit Kapuze und Sonnenbrille vor Berliner Platte, die sich „Icke und Er“ nannten und alles richtig geil fanden: „Bin ick mal im Urlaub, is dit richtig geil – bin ick in Berlin, Alter, richtig geil . Muss ick morgen in den Krieg, is dit richtig geil – Kann ick morgen noch ein bisschen Playstation spielen – richtig geil. Hab ick Stress zuhause, is dit richtig geil. Ist zuhause alles ne Wolke – auch richtig geil“ etc. Viele fanden das lustig, manche mussten auch an „Sonnenschein“ von Group Tekan denken und ein paar Feuilletonisten schrieben etwas von der „Zukunft des Rap“, Myspace und Web 2.0 und dass, die neue gute Laune seit der Fußball-WM nun auch den Hiphop erreicht habe.
Wenig später bekamen Icke und Er einen Plattenvertrag bei Four Music, dem Erfolgslabel aus Stuttgart, von den beiden nur „die Schwaben“ genannt. Icke und Er produzierten ein Album, Im Juni 2007 erschien „Mach et einfach“ und fortan sprach Icke immer wieder davon, kein Medienphänomen sein zu wollen.
Erfolgreich war „Mach et einfach“ nicht besonders und auch die Medienaufmerksamkeit ließ bald nach. Aber Icke und Er bestanden trotzdem darauf, kein Medienphänomen sein zu wollen. „Wir wollen nicht die nächste Sau sein, die durchs Mediendorf geprügelt werden soll“, sagt Icke. „Wir hatten das Gefühl, wenn man da nicht rechtzeitig rauskommt.“
Icke glaubt, ihre Beliebtheit liege an ihrem Humor, und an der Selbstironie, die so vielen anderen Hiphop-Gruppen abgeht. Mit der restlichen Szene hätten sie ohnehin nicht viel am Hut. „Icke gehe stramm auf die 30 zu, Er ist ein bisschen jünger. Icke glaube, dit is einfach auch eine andere Generation.“
Icke und Ers Humor ist einfach, aber nicht platt. Er beruht auf kleinen Wortspielen, dem Aneinanderreihen von Widersprüchlichkeiten und einer konsequentesten Rückbesinnung auf Banalitäten. In „Wer Ick bin“ heißt es: „Ick bin Icke und kein Marketingtrick. Ick hab es einfach jemacht und alle machen mit. Er ist Er und nicht Bully Herbig. Der Typ hat schon jenug zu tun. Findet ihr nicht?“
Als Icke und Er die Bühne des Amperes betreten, grölen die Hiphop-Kids, die Mädchen mit den großen Sonnenbrillen kreischen und die Werber mit den teuren Sakkos grinsen. Icke sieht aus wie im Video von „Richtig geil“: Trainingshose, Jeansjacke, Schal in Deutschlandfarben und Sonnenbrille. Icke stellt Er vor, sagt, dass Er die Beats macht, aber Er sagt nichts. Icke und Er spielen ihr Set und alle, die Kids, die Mädchen mit den großen Sonnenbrillen und die Werber singen die Refrains mit.
Vor einem Jahr behauptete der Berliner Kurier und die Hamburger Morgenpost, Icke und Er seien gar keine Berliner, das Ganze sei inszeniert von der Plattenfirma und Icke und Er seien in Wahrheit zwei Werber aus Hamburg. Icke dementiert das. Eine Erkärung für das Gerücht aber hat er nicht.
Und wenn schon. Ob Icke und Er nun echt, inszeniert oder eine Inszenierung der Inszenierung sind, ist am Ende egal: Denn hätte sich das alles eine Plattenfirma oder zwei Werber ausgedacht, dann wären die beiden ein Medienphänomen, das gar keines ist, aber auf keinen Fall eines sein will und am Ende doch eines ist und das ist irgendwie auch richtig geil.
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vielleicht aber auch nicht.
entweder sie sind stumpfsinnig oder das publikum.
das ganze ist ein spiel. ich mag das.
das mit den konzerten, naja. der song exit-strategie sagt alles. kennt wer wen, der das ähnlich deutlich gesagt hätte in den letzten jahren?
http://zuender.zeit.de/2008/03/Interview...
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18.01.2008 - 10:23 Uhr
Guenther_Hetzer
Wie wär's als nächstes mit den Jungs die dieses fantastische "Wo bis du meiiin Sonnelischt, isch liebe und vermisse disch ?" Kleinod deutschen Hip Hops geschaffen haben ?