FH-Studium bei Tchibo oder: Warum wir auf die Uni aufpassen müssen
Ab Freitag kann man sich bei Tchibo für ein BWL-Fernstudium an einer privaten Fachhochschule einschreiben. In der Tat sind viele Wirtschafts-FHs sehr umtriebig, wenn es um die Eigenvermarktung geht. Sie haben das Prinzip "Ökonomisierung der Bildung" verinnerlicht. Für die Unis aber muss das eine Warnung sein.
Zwischen den Universitäten und den Fachhochschulen in Deutschland gab es eine zeitlang eine, naja, gepflegte Feindschaft: An der Uni die Wissenschaft, an der FH die Upperclass der beruflichen Bildung, die Rollen waren verteilt. Gegenwärtig aber wird der Unterschied zu den Unis kleiner, weil an beiden Hochschultypen mit Bachelor oder Master der gleiche Abschluss zu haben ist. Zudem sind es oft die FHs, die sich mit neuen Studienkonzepten hervortun und wo bisweilen mit mehr Schwung gelehrt wird, weil die Dozenten aus der Praxis kommen. Viele FHs, zumal die BWL-orientierten, werden wie Unternehmen geführt. "Praxiskooperation" lautet die Devise, wenn es darum geht, Geld für die Aufbrezelung des eigenen Studienortes einzuwerben. Die FHs kämpfen, weil ihre Gründung meist noch nicht lange her ist, um Studenten, um Öffentlichkeit, um Ansehen und vermarkten sich weitaus offensiver, als es die Universitäten tun. Jüngstes Beispiel: Von Freitag an kann sich jeder, den entsprechenden Abschluss vorausgesetzt, beim Eigentlich-Verkaufen-Wir-Kaffee-Unternehmen "Tchibo" für ein Fernstudium in BWL an der Privaten Fachhochschule Göttingen (PFH) einschreiben. Statt 298 Euro je Monat beträgt die Studiengebühr nur 248 Euro, die Regelstudienzeit beträgt drei Jahre.
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Da versteh ich was nicht ganz. Du bist für Privatisierung. Mit andernen Worten sollen Unternehmen in die Bildungspolitik eingreifen?
Sowas wie "Coca Cola presents 'Grundkurs Englisch I'" ?
Ist da die Gefahr nicht zu groß, dass diSponsoren ihre Macht ausnützen werden? So ähnlich ist es chon an manch amerikanischer Schule der Fall. Eine Stunde CBS gucken, davon ne viertelstunde werbung....
Mit deinem Plädoyer für die Privatisierung gehst du zum einen leider darüber hinweg, dass langfristig wie in allen vollständig liberalisierten Marktsegmenten eine Kartellbildung eintritt - diese Kartelle wären dann von deinem (finanziellen?) "kollektiv" nicht mehr kontrollierbar (an dieser Stelle sei auf die Preisabsprachen im Energiesektor hingewiesen).
Zum anderen bedeutet eine Art "Marktdemokratie", wie du sie andeutest, auch die unterschiedliche Gewichtung an "Stimmrecht". Konkret heißt das: Der politische Einfluss steigt in Relation zu den finanziellen Mitteln eines Individuums.
Bei einer konsequenten Umsetzung deines Modells käme da wohl eine Art liberales Zensuswahlrecht heraus - gegensätzliche Methode, gleiche Wirkung.
Da bleib' ich doch lieber bei der staatlichen und wenigstens indirekt per politische Institutionen demokratisierten Fassung.
Wer darf unterrichten? Jeder, der in Frage gestellt werden darf.
Unternehmen darf man nicht in Frage stellen, das sind keine demokratischen Gebilde. Es gibt keine interne Kontrolle. Aus meiner Sicht ist das eine Katastrophe.
Man sollte das Problem deshalb grundsätzlicher betrachten. Es geht ja nicht nur um Bildung, sondern um alle gesellschaftlichen Bereiche. In dieser Gesellschaft entscheiden Unternehmer. Unkontrolliert.
Dass Unternehmen jetzt ganz aktiv in die Bildung eingreifen ist ja nur ein kleiner weiterer Schritt in einem Machtergreifungsprozess. Unsere Gesellschaft wird demnächst komplett von wenigen oder einem einzigen Unternehmen geleitet. Oder was sollte diese Entwicklung aufhalten? Wir vielleicht? Süß!
kulturgut sagte:
unser bildungssystem kann nur durch eine umfassende privatisierung an wert gewinnen.
Entweder hast du die Ironietags vergessen oder eine Ansicht, die ich nur aufs Schärfste ablehnen kann. Wie stellst du dir ein privatisiertes Bildungswesen bitte vor? Wissen für den, der es sich leisten kann? Na wunderbar! Genau das, was eine Demokratie braucht. Eine breite Masse von Ungebildeten, und eine kleine kluge Elite, die weiß wo es langgeht.
Herr, mehr Hirn!
09.11.2007 - 08:52 Uhr
farilari
Nur, dass man das, was du sagst, nicht so sagen darf, ohne oeffentlich oder zumindest hochschuloeffentlich exekutiert zu werden.
Allein der Vorschlag, einen Eignungstest einzufuehren, der die angehenden Erstsemstler zwingt, sich mit dem, was sie da tun, auseinanderzuseten anstatt in die Studentenkanzlei zu gehen und sich munter irgendwas aus dem Studenplan herauszusuchen, wird als ausgeburt der Hoelle niedergemacht.
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08.11.2007 - 19:25 Uhr
kulturgut
unser bildungssystem kann nur durch eine umfassende privatisierung an wert gewinnen. am ende muss es dem staat komplett verboten sein, sich in irgendeiner weise in die köpfe der kinder und jungen nachwachsenden seiner bürger einzuklinken.
"ökonomisierung" ist unsinn, denn den inhaltlichen zwang kann auch der bildungskontrollierende staat nur über die kontrolle materieller umstände ausüben - es geht nur darum, ob diese entscheidungen mehr oder weniger vom kollektiv mitgestaltet werden dürfen.