17.10.2007 - 19:00 Uhr

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Geistiges Eigentum wird das Öl des 21. Jahrhundert - Interview zu einem Kongress in Berlin

Text: dirk-vongehlen

Vom 26. bis 28. Oktober wird sich eine Oil21 genannte Konferenz in Berlin mit Fragen des Geistigen Eigentums beschäftigen. Wir sprachen mit Organisator. Sebastian Lütger über Filesharing, Urheberrecht und die Frage, warum er nur für Euro Eintritt verlangt.

Von Mark Getty stammt der Satz, den ihr eurer Veranstaltung vorangestellt habt: „Geistiges Eigentum ist das Öl des 21. Jahrhundert“. Das heißt: Kreativität ist die wichtigste Wirtschaftskraft des neuen Jahrhundert? Wenn er es so formuliert hätte, wie du es jetzt zusammenfasst, wäre uns das sicher nicht so hängengeblieben. Der Vergleich mit dem Öl meint noch viel mehr. Es geht darum, dass er Kreativität oder Ideen für eine Ressource hält, genau wie Öl, für die die gleichen Verteilungs- und Eigentumsregeln gelten sollen wie für die natürlichen Ressourcen des 20. Jahrhunderts.
Wenn man diesen Vergleich fortsetzt, heißt das: Um geistiges Eigentum könnten womöglich auch Kriege geführt werden ... Das einerseits. Es ist aber auch der Gedanke, dass diese Auseinandersetzung von Knappheit bestimmt wird. Und an dieser Stelle wird das Zitat ja wirklich witzig. Dass Ideen oder Kreativität genau wie Öl oder Kohle nur begrenzt verfügbar wären. Ideen gibt es doch eher zuviel als zuwenig. Darin liegt genau der Widerspruch in der Auseinandersetzung um geistiges Eigentum. Die Ressource Idee oder Information ist eine Ressource, die eben nicht weniger wird, wenn man sie verbreitet. Sie muss aber als Wirtschaftsgut verknappt werden. Das ist das Ziel von Mark Getty, dem immerhin eine der größten Bilddatenbanken der Welt gehört. Was er sagen will: diese immaterielle Produktion, auf deren materiellen Ergebnissen er sitzt, die muss wieder in dieses Korsett der Knappheit geführt werden, sonst entsteht da kein Markt. Und bei euerer Konferenz geht es um Regeln für diesen Markt? Die Konferenz will sich Formen von vernetzter Produktion anschauen, die tatsächlich außerhalb des klassischen Knappheits gesteuerten Marktes liegen. An dem Punkt ist Filesharing, was die tägliche Praxis von Millionen von Leuten ist, eine der interessantesten Formen der Produktion. Gerade Filesharing steht aber von Seiten derjenigen, die ihre Rechte verletzt sehen, stark in der Kritik. Ist auch jemand von der Unterhaltungsindustrie, die den so genannten Datenpiraten den Kampf angesagt haben, bei der Konferenz dabei? Als eingeladener Gast ist niemand dabei, aber es kann natürlich jeder kommen, der möchte. Aber wir wollen nicht so eine Pro- und Contra-Debatte, bei der man sich am Ende irgendwie in der Mitte trifft. Uns geht es mehr darum, einen Blick auf die Auseinandersetzung zu werfen, der schräg durch all die Fronten hindurchläuft. So können wir zum Beispiel die Filesharing-Betreiber auch fragen, wie es jetzt weitergeht. Wenn sie in zwei Jahren Medienindustrie sein werden, was passiert dann? Nach dem Willen der Unterhaltungsindustrie geht es gar nicht weiter. Sie will Filesharing eher bekämpfen. Genau dieser Kampf ist sehr interessant. Wir werden zum Beispiel auf unserer Einführungsveranstaltung morgen in Berlin, die „Drugs, Terror, Piracy“ heißt, diesen Krieg gegen Piraterie in Zusammenhang stellen mit dem „War on drugs“ und dem „War on terror“. Die scheinen uns nämlich ähnlichen Prinzipen zu folgen wie der Kampf gegen Filesharer. Es geht ja beim Krieg gegen Drogen nicht darum, den Drogenkonsum auf Null zu drücken und der Kampf gegen den Terror wird ja auch nicht gewinnbar sein in dem Sinne, dass der Terrorismus wirklich beseitigt wird. Und genauso wenig geht es beim Kampf gegen Piraterie darum, dass niemand mehr Filesharing betreibt. Es soll vielmehr ein System von Kontrolleinrichtungen aufgebaut werden – und darum geht es auf der Konferenz. Wieviel Leute erwartet ihr? Wir haben nicht so unglaublich große Räume, deshalb erwarten wir so viele Leute, bis keiner mehr reinpasst. Es wird also nicht höher dreistellig oder so. Die Tagung kostet nur fünf Euro Eintritt, das ist im Verhältnis zu vergleichbaren Veranstaltungen sehr günstig. Wir wollen nicht nur Leute erreichen, die in ein ökonomisches System eingebunden sind, wo alles selbstverständlich mindestens 20 Euro kostet. Außerdem ist die Veranstaltung von der Kulturstiftung des Bundes gefördert, wir sind also auch nicht darauf angewiesen, mit Eintrittsgeldern alle Kosten zu decken. Mehr über die Konferenz gibt es online unter oil21.org, mehr zum Oberthema im Themenschwerpunkt Urheberrecht auf jetzt.de


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10 Kommentare

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isidor_zangenfeind
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Mag ich Mag ich nicht

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17.10.2007 - 19:39 Uhr
isidor_zangenfeind

foll der süße tühüüp!

der_neue_orhe
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.10.2007 - 09:59 Uhr
der_neue_orhe

"Es wird also nicht höher dreistellig oder so." - haeh?

knu
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Mag ich Mag ich nicht

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18.10.2007 - 13:33 Uhr
knu

dem Öl meint noch viel mehr. Es geht darum, dass er Kreatität



knu schenkt jetzt.de ein vi :)

mr_mulilo
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Mag ich Mag ich nicht

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18.10.2007 - 15:55 Uhr
mr_mulilo

"Interview zu einem Kongress in Berlin..."

Wieso denke ich da sofort an Teilnehmer, die nur ihre eigene Wichtigkeit unterstreichen und um sich selbst kreisen? :-)

Guenther_Maria_Juana
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Mag ich Mag ich nicht

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18.10.2007 - 16:14 Uhr
Guenther_Maria_Juana

Ich frage mich gerade, wieso in der Überschrift großkotzig etwas so Universelles wie Geistiges Eigentum und Öl steht und es im Text letztlich nur um die Unterhaltungsindustrie geht ...?

keinekueche
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Mag ich Mag ich nicht

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18.10.2007 - 16:43 Uhr
keinekueche

ich hab den text jetzt nicht gelesen, aber den typ kenn ich irgendwoher.

dirk-vongehlen
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18.10.2007 - 16:58 Uhr
dirk-vongehlen

@knu: Danke. Geschenk angenommen, Fehler korrigiert!

marealpino
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Mag ich Mag ich nicht

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18.10.2007 - 17:43 Uhr
marealpino

Ich werde zwar aus den Worten Herrn Gettys nicht wirklich schlau, aber schön dass er hier offensichtlich auf einige Ideen von Herrn Robert Anton Wilson zurückgreift. Der sagte folgendes nämlich schon vor etlichen Jahren:

"All wealth is information. So therefore, all attempts to impede the transfer, the rapid transmission of information, are making us all poorer. "

Von Herrn Wilson stammt übrigens auch die Aussage, dass unsere Ressourcen nicht Öl oder Kohle sind. Und wer davon spreche, dass die Ressourcen knapp werden, müsse wohl dem Irrglauben anhängen, dass bald unsere Gehirne aussterben...

"geistiges Eigentum" krieg ich übrigens überhaupt nicht in den Schädel... das aber nur so nebenbei

siegstyle
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Mag ich Mag ich nicht

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18.10.2007 - 18:24 Uhr
siegstyle

getty images verdient sich einen wolf an copyrights. im endeffekt fust sein ganzes business auf copyrights. der streut seine bilder ja keinesfalls für umsonst unters volk. und der soll jetzt als aushängeschild für die copypiraten gelten. würde mich mal interessieren, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt.

lblb
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Mag ich Mag ich nicht

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29.08.2008 - 00:38 Uhr
lblb

"Wo kämen wir da hin, wenn künftig alle Öl frei verfügbar hätten?"

(Johannes Kreidler in seinem Essay zu seinem Kunstprojekt "Product Placement.)


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dirk-vongehlen offline

dirk-vongehlen

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.