20.04.2007 - 19:15 Uhr

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"Das ist doch grotesk!" Kerstin Grether über Frauen im Pop

Text: katja-peglow

Sie war Redakteurin bei der SPEX und kennt sich in der Popkultur aus wie keine Zweite: Kerstin Grether. Im Interview sprechen sie und ihre Schwester Sandra über Männer, die glauben, in der Musik das Monopol zu haben, über das dünne Netzwerk der Popfrauen und: Kerstin Grether sagt, für wie vorbildtauglich sie Nelly Furtado oder Britney Spears hält. Eben erschien Grethers zweites Buch "Zungenkuß" bei Suhrkamp

Was bedeutet für dich Popfeminismus? Ich beziehe mich gerne auf Ellen Willis und Ann Powers, zwei New Journalism-Autorinnen, für die Popfeminismus weibliche Erfahrungen innerhalb der Popkultur beschreibt. Diesen Ansatz versuche ich in meinen Texten aus möglichst vielen Perspektiven wiederzuspiegeln. Angefangen bei Publikumsanalysen, bis hin zu Reflexionen über Fanverhaltensweisen oder Musikerinnen und Groupies. Wenn ich schon Musikjournalistin bin, ist es doch das mindeste was ich tun kann, die Frauen wieder zurück in die Musikgeschichte zu schreiben. Und zwar durchaus positiv. Weil kreative Frauen häufig in die böse Yoko-Ono-Rolle gedrängt werden? Genau. Bestes Beispiel: Courtney Love. Wie die Medien mit ihr umgehen grenzt ja regelrecht an eine moderne Hexenjagd. An ihrem Schicksal kann man die Tragödie von Frauen in der Rockwelt festmachen. Und in der Popwelt. Karen Duve hat in einem Interview mal gesagt, den Männern die Musik zu überlassen, war ein schwerwiegenderer Fehler als ihnen das Feuer zu überlassen. Männer scheinen immer noch zu glauben, sie hätten ein Monopol auf Musik und sobald Frauen - in welcher Form auch immer - daran teilhaben, gilt dieser Bereich bereits als entwertet. Das ist doch grotesk. Weil es umgekehrt alle wegen oder sogar für die Frauen machen? lachtRichtig. Diese Abwertung von Frauen gibt es in keinem anderen kulturellen Bereich mit solcher Vehemenz vertreten wie in der Rock- und Popmusik. Wie verächtlich da zum Beispiel über weibliche Fans hergezogen wird – aktuell am Beispiel von Tokio Hotel-Anhängern – finde ich schockierend.
Frau Grether wurde fotografiert von Sibylle Fendt. Weibliche Fans haben in der Popwelt generell einen schweren Stand und werden im Gegensatz zu ihren männlichen Mitstreitern so gut wie nie ernst genommen. SeufztJa leider. Ich habe einen neun Jahre älteren Bruder, der mir früher auch immer verboten hat in seiner Plattensammlung zu stöbern und meinte meine Schwester (Sandra, ehemals bei Parole Trixi und jetzt Sängerin und Gitarristin von Doktorella, der Band bei der auch Kerstin Grether singt, Anm. d. V.) und ich würden doch eh immer nur den Schrott aus dem Radio hören. Da habe ich mich auch gefragt, bin ich jetzt etwa weniger wert als er, wenn ich einen Song von den Beatles gut finde oder wie? Das hat dich und deine Schwester aber trotzdem nicht davon abgehalten, sich schon in frühen Jahren der Musik mit Haut und Haaren zu verschreiben. Mittlerweile hast du schon über die Hälfte deines Lebens damit verbracht über Pop zu schreiben. Ja, das stimmt. Der Wunsch war schon relativ früh da. So wie Sänger immer behaupten, sie hätten schon von Kindesan gesungen, war das bei mir mit dem Schreiben. Mit 13 Jahren habe ich einen Text von Lester Bangs über Richard Hell gelesen. Von da an wusste ich: das will ich auch! War das der Startschuss eures legendären Fanzines Straight? Kann man so sagen. Und außerdem war das auch ein super Grund, Musiker zu interviewen. Über die Plattenfirmen wäre so was ja nie gegangen. Die hätten uns ausgelacht, wenn zwei 14-Jährige Mädchen um eine Interviewaudienz bitten. Also haben wir die Bands nach den Konzerten angesprochen. Und das hat überraschend gut funktioniert. Auch weil ihr jung und weiblich wart ... Kerstin: Sicherlich, logisch. Aber Musiker sind halt auch so extrem empfänglich für Komplimente. Sandra: Und natürlich hat das eine ganz andere Wirkung, wenn da auf einmal 14-Jährige Zwillingsmädchen vor dir stehen und dich für ihr Fanzine interviewen wollen. Da haben sich die meisten Bands schon ein Herz gefasst. Ihr habt euch also nie für jemand anderen ausgegeben? Kerstin:Nee, das war gar nicht nötig. Wir haben uns nur älter gemacht. (allgemeines Gelächter) Das natürlich schon.
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