Kollektivkunst: Unter filmtrip.de entsteht ein interaktiver Film
Text: susannefrank
Die Idee der kollektiven Intelligenz hat einen gewissen Charme. Demokratie baut genauso wie auch Wikipedia darauf auf, dass alle gemeinsam entscheiden und jeder seinen Teil beisteuert. Studenten aus Mittweida wollen das auch im Film hinkriegen, in einem zumindest deutschlandweit einzigartigen Projekt, das man unter www.filmtrip.de verfolgen und mitbestimmen kann.
Drehbuchautor und Regisseur Alexander Schulz bloggt dort täglich über das Projekt. Und der Leser kann jederzeit reinreden – durch Kommentare zum Beispiel oder durch die Schauspieler-Abstimmung, die gerade zu Ende gegangen ist. Das Drehbuch zum Projekt hat Alexander Schulz allerdings alleine geschrieben. Es geht um zwei völlig unterschiedliche Menschen, die gemeinsam nach Spanien reisen. Nicht ganz freiwillig und nicht ganz problemlos. Doch hätte man von der ersten Idee bis zum fertigen Film jedes Detail ausdiskutieren lassen – das könnte Jahre dauern und würde wahrscheinlich zu nichts führen. Die Webuser sollen allerdings Teile des fertigen Drehbuchs diskutieren und zum Beispiel über den Filmtitel entscheiden – der fehlt nämlich noch.
Auch die Schauspieler fehlen noch. Vier Wochen lang konnten die User eingeschickte Videos ansehen und bewerten. Insgesamt 7.800 Stimmen wurden am Ende abgegeben. Am Ende blieben zwei Kandidaten für jede Rolle übrig – denn die Wahl behält sich auch hier das Team vor. Sie müssten sich ja untereinander und mit dem Filmteam verstehen, schreibt Alexander Schulz. Keine ganz kollektive Entscheidung also, vielmehr indirekte Demokratie?
Rührend ist jedenfalls, wie der Drehbuchautor auf Kritiker eingeht. Kollektiventscheidungen haben nämlich immer ihre Tücken: Onlinevotings sind zum Beispiel leicht manipulierbar. Und das ist auch passiert. Kurz vor Ende der Abstimmung bekamen zwei Schauspieler plötzlich jede Menge positive Votes, alle anderen nur schlechte, schreibt Alexander Schulz. Und das auch noch von ähnlichen IP-Adressen. Das wurde als Betrugsversuch gewertet und die beiden disqualifiziert. „Unfair“, hieß es daraufhin in den Blog-Kommentaren. Es hätte doch auch gereicht, die letzten paar Stimmen wieder ungültig zu machen, eine Disqualifikation sei übertrieben. Und das "Volk" siegt: Die Stimmen wurde noch einmal ausgezählt. Jetzt werden jeweils drei Schauspieler-Kandidaten eingeladen.
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10.04.2007 - 23:07 Uhr
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