12.03.2007 - 19:11 Uhr

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Neue Abhängigkeit: Warum sind "Kids On TV" aus Myspace geflogen?

Text: caroline-vonlowtzow

Myspace löschte das Profil der kanadischen Band "Kids On TV". Nun wird gerätselt, woran es lag.

Angestrichen: Am 1. März 2007 wurde ohne Vorwarnung oder Erklärung das Myspace-Profil von Kids On TV gelöscht. Wir hatten 14.000 Freunde und 26 Konzerttermine gepostet, die auf unsere Europatournee hinwiesen. Wo steht das denn? In einem Forum der kanadischen Internetseite www.stillepost.ca Die Band bekam von Myspace eine Standard-Email geschickt, in der es heißt, dass die Seite "wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen" unwiederbringlich gelöscht worden sei. Für gewöhnlich handelt es sich dabei laut der Myspace-Email um Folgendes: "Nacktbilder oder anstößige und gewalttätige Bilder, das Überdecken der Bannerwerbung mit HTML-Codes, die Belästigung anderer User, das Zuspamen von Foren oder Gästebüchern, das Aufblähen von Scores oder die User sind noch zu jung.“
Kids On TV Die offensiv schwul-lesbische Band, die aus der homosexuellen Aktivistenszene stammt, hat ihrer Meinung nach gegen keine dieser Punkte verstoßen und sich deswegen auch an Myspace gewendet, um das Profil wiederzubekommen. Bisher ohne Erfolg. Myspace hat gegenüber der Band keine weitere Erklärung abgegeben. Auch auf eine Anfrage von jetzt.de kam bisher keine Reaktion. Ansprechpartner für die Presse oder einen Email-Kontakt werden auf der Internetseite ohnehin nicht genannt. Wer eine Frage hat, muss auf einer Mailbox in den USA sein Anliegen hinterlassen und hoffen, dass zurückgerufen wird. „Es kann eigentlich nur an anstößigen Inhalten in den Songtexten von Kids On TV liegen", vermutet Konzertveranstalter Thomas Lechner, der für die Band europaweit Konzerte organisiert. "In dem Song "Breakdance Hunx" geht es zum Beispiel um den Fleischwert eines hübschen Jungen in der schwulen Szenen und es kommen Worte wie Schwanzlutscher vor." Nacktbilder seien aber keine zu sehen gewesen, höchstens mal Bassist John Caffery in Unterhosen oder bemaltem Körper. Auch die Band selbst vermutet: „The discussion of sexuality in our lyrics and the open embrace or radical culture was too much for myspace. We definitely ran into their limits whatever they were.” Als Reaktion auf das Löschen ihre Profils hat Kids on TV im oben genannten Forum eine Diskussion über Zensur auf Myspace eröffnet und sogar eine eigene Myspace-Seite dazu angelegt, um von ähnlichen Fällen zu erfahren: myspace.com/myspaceprofiledeletions. Die Vermutung der Band: “Die Beispiele, die hier genannt werden, scheinen meistens “gay/sex-lib arts groups” oder Aktivisten-Gruppen zu sein.“ Der brasilianische Künstler Fernando Carpaneda schreibt zum Beispiel: “Mein Profil wurde zwei Mal gelöscht, weil ich eine meiner Skulpturen gepostet habe mit dem Titel: “My Ass To The Pope”. Die Skulptur war ein Protest gegen das Verbot von Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Ehen durch den Vatikan.” Und im Forum Stillepost erzählt ein User: „Ich hatte ein großartiges Final Fantasy Profil mit vielen Freunden und einer unglaublichen Ausstrahlung, aber sie wurde gelöscht. Ich habe sie wieder aufgebaut, doch sie wurde wieder gelöscht. Dann habe ich eine „Bart Simpson Child Fucker“-Seite bei Myspace angelegt. Die wurde bisher nicht gelöscht. … Es braucht bloß iregndein Arschloch kommen, das sich beschwert, und ein Myspace-Ombudsmann sagt „ja“ und drückt die „Löschen“-Taste.“ Ein weiterer User schreibt: “Mein Profil wurde gelöscht, weil ich ein animiertes Anti-Bush-Gif darauf hatte. Keine Warnung, keine Email, nicht mal eine Liste der Verstöße. Eine freie Webseite würde immer das Recht berücksichtigen, dass man Inhalt auch löschen oder verändern kann. Aber denkt immer dran: Myspace ist Rupert (Murdoch)." Dem australischen Medienmogul wurde immer wieder vorgeworfen, über seine Medien von Zeitungen wie "The Sun" bis Fernsehsendern wie "Fox" politisch einseitig Meinung zu machen. “Es ist natürlich klar, dass die Betreiber einer Webseite schauen, was für Inhalte auf ihrer Seite gepostet werden, das Seltsame ist nur, dass man nicht vorgewarnt wird und dass es auf Myspace offen Werbung für Pornoanbieter gibt und auch sonst einige Profile, über die man sich wesentlich mehr wundern kann als über das von Kids On-TV und ihre Texte“, sagt Thomas Lechner. Auch die Band bestätigt: „In der Woche, bevor der der Account gelöscht wurde, hatten wir ständig Porno-Werbung auf unserer Seite.“ Das Schlimme ist auch nicht, dass das Profil der Band nicht mehr da ist, Kids On TV haben längst eine neue Seite bei Myspace angelegt. Zudem wird es bei Community-Websites immer Meinungsverschiedenheiten über Inhalte geben. Was obszön oder anstößig ist, ist ein Stück weit immer auch Ansichtssache. Es wundert nur, dass eine Community-Webseite wie Myspace, die Menschen miteinander vernetzt und Kommunikation zwischen ihnen ermöglicht, auf Kommunikation anscheinend überhaupt keinen Wert legt und ihren Nutzern keine Chance zum Reagieren gibt. Das wirklich Schlimme ist aber, dass die 14.000 Kontakte von "Kids On TV" für immer verloren sind. „Für eine Band wie Kids On TV, die weder ein Label, noch ein Management oder eine Marketingabteilung hat, ist das eine Katastrophe“, sagt Thomas Lechner. „Die Arbeit von mehreren Jahren ist damit zerstört worden.“ Denn selbst wenn sich nur die Hälfte der 14.000 „Freunde“ wirklich für die Band interessiert hat, sind das immer noch 7.000 potentielle Konzertgänger und Plattenkäufer, die man über einzige Botschaft über Neues informieren kann. „Genau aus diesem Grund ist Myspace ja so erfolgreich“, so Thomas Lechner. Und dank Myspace auch zahlreiche Bands, wie ja mittlerweile hinlänglich bekannt ist. Bisher wurde diese Symbiose aber ausschließlich positiv bewertet: Neue Band ohne Label wird über Nacht und Myspace berühmt und findet Label. Nun wird erstmals die Kehrseite sichtbar: Viele Bands sind mittlerweile von Myspace abhängig. Jedes Myspace-Profil ist gleich aufgebaut: Rechts oben kann man in Musik reinhören, links gibt es Bilder, Videos und Links, rechts unten News, Konzertdaten, Freundesliste, Kommentare usw. Jeder findet sich sofort zurecht, einen Programmierer braucht man nicht, zahlen muss man auch nichts. „Ich habe schon zig Konzerte für die Band allein über die Myspace-Seite abgewickelt, weil Veranstalter zufällig auf die Seite geklickt haben und die Musik mochten“, erklärt Konzertveranstalter Thomas Lechner. „Und wenn ich keine Promo-CDs habe, schicke ich eben den Myspace-Link. Myspace ist ein wichtiges Hilfsmittel geworden.“ Ein Hilfsmittel, das kaum mehr wegzudenken ist. Dabei könnte Myspace natürlich von heute auf morgen, genauso wie Youtube oder Ebay, auch wieder dicht machen. Aus welchen Gründen auch immer. Und dann? Foto: KidsOnTV.biz


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8 Kommentare

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CommodoreSchmidtlepp
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Mag ich Mag ich nicht

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12.03.2007 - 19:42 Uhr
CommodoreSchmidtlepp

Tja, wahrscheinlich haben sie gegen die AGB verstoßen, war bei mir auf jeden Fall damals so, als mir ohne Vorwarnung und erst nachträglicher Erklärung alle Texte auf jetzt.de gelöscht wurden, weil ein paar zu pornographisch waren. Allerdings gabs damals keinen Bericht auf jetzt.de und 14.000 Freunde hatte ich auch nicht.

Such is Internet.


MfG

Der Commodore

stylekeeper
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Mag ich Mag ich nicht

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13.03.2007 - 06:25 Uhr
stylekeeper

selber schuld, wenn man sein marketing in die mächte eines kinderidioten protals gibt, welches noch unter der obhut von murdoch ist. das diese band nicht seine eigene website hat und zu dumm war seine myspace kontakte woanders zu sichern, sagt auch etwas über den unfähigen manager aus, der jetzt rumheult wie so ein rosa wischmob.

warum jetzt.de sich wundert ist auch so eine doppelmoral. wenn bei jetzt.de mal schwanz, arschficken und andere themen angeschnitten werden dann ist bestimmt gleich irgend so ein halbschwuler wachmeister da, der das ganze schnell verschwinden lässt. mit diesen artikel prangert sich jetzt.de selber an.

aber ist doch egal, myspace...hehe... tolle band übrigens..hehe. 14000 fans weggelöscht...hehe. solche deppen. oh freu, oh freu, die schadenfreude ist auf meiner seite.

wenn man nichts besseres zu tun hat als im internet seine freunde zu suchen dann kann schon so was passieren. zum glück gibts ja „jetzt“ "second idiots life 2" und bald kommt bestimmt "Ü60zigs und nerds dürfen kleinen girlies schreiben life 3" raus. für ganz willige gibts in einem jahr dann "gesichtsfotzen und arschasseln mimen models live 6"... das ganze wird natürlich mit den neuen i-phone kompatibel sein.

die band ist der abschuss. ich muss so lachen. in alufolie eingewickelt...hehe... da ist wohl echt eine musikalische kulturlücke bei myspace entstanden...

nestroy
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Mag ich Mag ich nicht

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13.03.2007 - 08:11 Uhr
nestroy

...und so bekommen die kids on tv eine imageträchtige underdogige frei-haus-promo.

(da können sie sich bei herrn murdoch bedanken für)

siegstyle
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Mag ich Mag ich nicht

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13.03.2007 - 12:17 Uhr
siegstyle

das sind immer diese internetheroengeschichten die wirklich - aber wirklich - überall herhalten müssen: weils mal ne band auf myspace geschafft hat (arctic monkeys) wird dieses beispiel immer wieder bemüht.

ne andere sache: wenn jetzt heterosexuelle ihre sexualität offensiv zur schau stellen dann geht das gar nicht. wenn zum beispiel rapper ständig sagen wie viele frauen sie flach gelegt haben, dann besteht zumeist konsens darüber, dass das gar nicht geht.

wenn jetzt aber ne frau darüber singt, wie viele frauen sie beglückt, dann besteht konsens darüber, dass dies eine legitime freie meinungsäusserung einer lesbischen frau ist.

aber wo ist der unterschied? in meinen augen ist dort keiner.

darum ist dieser text so bemüht vordgründig freigeistig, aber in seiner hintergründigen engstirnigkeit kaum zu übertreffen.

the-wrong-girl
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Mag ich Mag ich nicht

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13.03.2007 - 15:14 Uhr
the-wrong-girl

myspace sux.

air_kaviar
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Mag ich Mag ich nicht

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13.03.2007 - 15:39 Uhr
air_kaviar

die schwulen sind doch froh, dass es endlich mal wieder jemanden gibt, der sich an ihnen stößt.

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Mag ich Mag ich nicht

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13.03.2007 - 16:18 Uhr
air_kaviar

da das thema mancherorts ja doch sensibel ist, aktiviere ich mal den ironiemarker für den vorstehenden kommentar.

caroline-vonlowtzow
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14.03.2007 - 14:52 Uhr
caroline-vonlowtzow

Myspace hat sich gemeldet. Sie untersuchen den Fall noch genauer, haben aber schon mal dieses Statement veröffentlicht:

14 March 2007
Statement from MySpace in relation to Kids on TV Profile.

The safety and security of the whole MySpace community is our number one priority.

While we are unable to comment on the specifics of a particular profile being deleted, the only reason for MySpace to delete profiles is due to a violation of our ‘Terms of Use’.

When people sign up to be a member of MySpace, users agree to be bound by our Terms of Use. A link to these terms is available on every page of MySpace (http://www.myspace.com/Modules/Common/Pa...).

MySpace is diligent in reviewing its site for inappropriate content, reviewing each image, photo, video, and classified ad that is uploaded to the MySpace server for compliance with the Terms of Use and Photo Policy.

We engage with and rely upon our users to assist us with this image review by providing our users with easy methods to inform us of content that violates MySpace policies. At the bottom of each profile page there is a link to “Report Inappropriate Content” so users can report any profile with questionable content. There is also a link under every uploaded image that allows users to report the image directly to MySpace.

Throughout the site there are links to “Contact MySpace” so users can report other areas of the site with questionable content. MySpace personnel investigate these reports, and if an image on the website violates the Terms of Use, the image and frequently the entire profile are deleted.


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