Die Geschichte einer Freundschaft zu einem polnischen Auschwitz-Überlebenden
Jedes Jahr am 27. Januar feierte Jurek Hronowski die Befreiung von Auschwitz und gedachte der Opfer des Lagers. Das waren für ihn nicht „Millionen von Menschen“, sondern Edek und Feliks – Mithäftlinge. Im vergangenen Februar ist Jurek unter mysteriösen Umständen gestorben. Die polnisch-deutsche Aussöhnung hat mit ihm einen Fürsprecher verloren. Einen, der nicht berühmt war, der aber für viele Menschen die Welt verändert hat. Für mich zum Beispiel. / Für jetzt.de erinnert sich unsere Autorin Katarina Bader an eine bemerkenswerte Freundschaft, die ein merkwürdiges Ende fand
Es gibt logische Freundschaften: Sie entstehen, weil man zusammen studiert, Kinder im selben Alter hat oder einen Hund der gleichen Rasse. Aber manchmal entstehen Freundschaften, die schwer zu erklären sind. Die Freundschaft zwischen Jurek und mir war eine solche. Er war 60 Jahre älter als ich und Pole, seine Jugend hatten ihm die Deutschen geraubt. Ich bin Deutsche, und als wir uns kennen lernten, steckte ich in der geborgensten Jugend, die man sich vorstellen kann: in einem schwäbischen Dorf, inmitten einer großen Familie. Im Herbst 1998 nahm ich in der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz an einem Seminar für Schülerzeitungs-Schreiber teil. Jurek Hronowski, ein Überlebender des Lagers, beantwortete unsere Fragen. Ein Herr Ende 70, klein, aufrecht und in jeder Bewegung entschieden und kraftvoll. Auf seinen Arm hatten die Nazis Nummern tätowiert.
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