17.12.2006 - 19:00 Uhr

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Die Haus-Aufgabe: Wie Papa, Oma und du ideal zusammenleben könnten

Text: tobias-moorstedt

In Essen bauen zehn junge Architekten und Designer aus aller Welt zurzeit das „Universal Home“. Ein Haus, in dem mehrere Generationen zusammen leben können. Eine alte Idee, neu gedacht. jetzt.de hat mit Katrin Braun, 40, aus Montreal, Chao Zheng, 22, aus Wuhan in China, und Susann Stiehl, 26, aus Berlin, über dieses Haus der Zukunft und ihre Elternhäuser gesprochen.

In knapp einer Woche ist Weihnachten. Werdet ihr nach Hause zu Eurer Familie fahren? Katrin: ich fliege nach Montreal. Zum Glück kümmert sich die Frau meines Bruders um die Organisation. Sonst würde sich unsere weit verstreute Familie eher selten treffen. Susann: Wir feiern immer noch wie zu Kindertagen. Im Elternhaus und mit dem traditionellen Programm. Drei Tage in diesem Rückzugsraum sind sehr entspannend. Aber ich finde es nach den Feiertagen auch schön in den normalen Alltag zurückzufahren.
Ihr seid Teil einer Generation, die auf der ganzen Welt arbeitet, immer wieder umzieht. Wo seid Ihr zu Hause? Chao: Der Ort, an den ich denke, wenn ich müde, wütend oder einsam bin, das ist mein Zuhause. Katrin: Das kann aber überall sein. Zuhause hat etwas mit Eigentum zu tun, es ist ein Ort, der mir gehört, an dem ich bestimme, wer Zutritt hat oder nicht. Das ist auch so ein Effekt der Globalisierung. Montreal, Essen, Peking - es spielt keine Rolle, wo du bist, es gibt die gleichen Dienstleistungen und Güter. Deshalb ist es so einfach seine Heimat zu verlassen. Susann: Andererseits geht es nicht nur um materielle Dinge. „Home is where my heart is“, also dort, wo Menschen sind, die ich mag. Katrin: Idealerweise schon. Ich glaube aber, dass wir nur die ganze Zeit umziehen können, weil unsere Beziehungen so verkorkst sind, weil wir verlernt haben, richtige Beziehungen zu führen.
Chao Zhen, 22 Jahre alt, aus Wuhan in China> Ihr arbeitet zusammen mit anderen jungen Designern und Architekten an einem Entwurf für das "Universal Home". Katrin: Das Leben verändert sich andauernd. Erst lebt eine kleine Familie im Reihenhaus, dann gibt es eine Scheidung, dann kommt ein neuer Partner hinzu, Leute ziehen aus, kommen zurück, werden alt. Da wäre es schön, wenn sich das Haus der Situation anpassen könnte. Susann: Warum gibt es so viele Wände? Warum ist die Raumaufteilung so starr? Wir leben in einer flexiblen und mobilen Welt. Und überall sind Wände. Chao: Ein Haus gibt aber auch Stabilität. Es ist eine schwierige Balance zwischen Sicherheit und Wandel. Ich habe mal einen Entwurf gemacht: Die Wohnung liegt nicht in einem festen Gebäude, sondern besteht aus einer Reihe von Raummodulen - Kinderzimmer, Büro, Bad - die man hinzuschalten oder abnehmen kann. Eine schöne Idee, aber schwierig umzusetzen. Katrin: Unter einem Mehr-Generationenhaus sollte man sich kein Bauernhaus vorstellen, sondern eine zeitgemäße Version. Die Überalterung und Vereinsamung der Menschen sind große gesellschaftliche Probleme. Es besteht eine enorme Distanz zwischen den Menschen. Architektur kann ein Facilitator sein, um Nähe zu schaffen.
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Tobias Moorstedt