30.10.2006 - 19:00 Uhr

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"Flock"-Entwickler: Der schwarze Schirm von Schwabing

Text: roland-schulz

Er kannte das Internet, als es noch ganz klein war - und ist mit ihm groß geworden: Jetzt arbeitet Robin Slomkowski an der Zukunft des Web

Minderjährige durften nicht mit radioaktivem Material arbeiten, deshalb setzten sie Robin Slomkowski an den Schirm. Er war schwarz wie ein tiefer, dunkler Teich, wie ein Nachthimmel ohne Sterne war er, doch in der linken oberen Ecke des geheimnisvollen Bildschirms glomm ein kleines Licht. Ein Cursor. Wie bei einem gewöhnlichen Computer. Doch es war kein gewöhnlicher Computer, vor dem Robin da saß, 1991, in einem Labor der „University of Oregon“, USA. Robin, ein Junge von 16 Jahren damals, hatte die Forscher so lange genervt, er wolle in ihrem Gen-Labor arbeiten, in den großen Ferien, Protein Purification, X-Ray-Crystallography, einen Sommer lang, bitte, bitte, bis die Forscher schließlich aufgaben und den Jungen in ihr Labor ließen. Einzige Einschränkung: kein radioaktives Material, nicht für Minderjährige. Sie setzten Robin an den Schirm mit dem Internet.
Robin Slomkowski „So sah das aus damals“, sagt Robin Slomkowski, greift sich eine der Funk-Tastaturen in seiner Schwabinger Wohnung, drückt eine Taste. Der wuchtige Breitbild-Fernseher an der Wand, der gerade noch Webseiten, Bilder, Worte zeigte, erlischt. Schwarz ist er jetzt. Schwarz bis auf einen kleinen, blinkenden Cursor. „Das Internet“, sagt Robin Slomkowski. „Das waren seine Anfänge: ein schwarzer Bildschirm.“ Er grinst. Den mag er, den Trick. Wirkt immer. Das Internet, eine schwarze Nacht. „Lange her“, sagt Slomkowski. Lebendiges Chaos auf dem Bildschirm Er gibt einen Befehl ein, und auf dem Bildschirm entfaltet sich erneut das Internet, wie es heute ist – ein Browser, Farben darauf und Bilder und Links, die ganze weite Welt des WWW. Robin Slomkowskis Welt. Der 31-Jährige, der das Internet schon kannte, als es noch ganz klein war, ist mit ihm groß geworden: Von Anfang an dabei, arbeitet der Amerikaner heute als Entwickler des Internet-Browsers „Flock“ von München aus an der Zukunft des Netzes mit. Robin Slomkowski räumt seine Tastatur wieder beiseite und erinnert sich seiner Faszination für jenen schwarzen Schirm. Zu jener Zeit war das Internet vor allem ein Computer-Netzwerk von Universitäten, und so hatte auch das Labor, in dem Robin einen Sommer lang arbeitete, einen Internet-Zugang. Robin verfiel dem schwarzen Schirm schnell. Einen Sommer später kam er wieder, es hatte sich viel getan, aufgeregt zeigt ihm eine Forscherin ein seltsames Gebilde auf dem Schirm: ein Browser – ein Gefährt gewissermaßen, um im Internet navigieren zu können. Robin war nicht beeindruckt. „Was soll daran denn so toll sein?“, fragte er. Inhalte, antwortete die Wissenschaftlerin: Nun könne man sich Inhalte wie Bilder oder Grafiken besser ansehen. Robin hielt das für Unsinn. „Zu der Zeit gab es keine Inhalte im Internet.“ Da navigierte die Forscherin zum NCSA, National Center for Supercomputer Applications, und holte lebendiges Chaos auf den Bildschirm: Wetterberechnungen, in Bild und Graph. Robin war begeistert. Von da an ging alles ganz schnell. Das Internet machte Karriere, und Robin Slomkowski auch. Er, der Junge, der dieses seltsame Internet zu nutzen verstand wie wenige, wurde erst Techniker der „University of Chicago“, 1996 dann, mit 21, Systemadministrator bei „First Options of Chicago“, einer Finanzfirma, die mit Aktienoptionen handelte. Sie gaben ihm als erstes eine Krawatte, dann eine Aufgabe: Er solle, befahlen sie, den Handel mit Optionen auf das Internet umstellen helfen. Damals, in der dunklen Vergangenheit von 1996, sah es in vielen Finanzfirmen, die mit sehr viel Geld hantierten, immer noch so aus wie 50 Jahre zuvor: Der Handel erfolgte größtenteils über eine lange Reihe von Telefonen, und obwohl schon viele Computer eingesetzt wurden, gab es auch noch Büroboten, die mit Kauf- oder Verkaufsorder von Händler zu Händler rannten. Die Händler, die mit Millionen von Dollars handelten, trauten diesem Internet nicht recht.
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