Wie Google mein Leben verändert. Heute: Dich + Mich suchen
Die große Riesenmaschine unserer Zeit, die einflussreichste Erfindung des Alltagwebs: Mit Google ist alles anders. Zum Beispiel das Wissen über die anderen
Wenn man bei Google einen Vor- und einen Nachnamen eingibt, die nicht zu einer Person der Zeitgeschichte gehören, geschieht das bisweilen aus niederen Beweggründen. Niederer Beweggrund Eins: andere ausspionieren Niederer Beweggrund Zwei: insgeheim hoffen, dass der eigene Name in vorteilhaftem Zusammenhang auftaucht und man daraus neuen Elan schöpft. (In letzterem Fall erwarte ich ungefähr solche Foreneinträge wie: „Hey Mädels, kennt ihr den supersüßen Max Scharnigg?“ - „Ja, ich hab ihn neulich von Weitem gesehen!“) Also: Ego-Google. Wer im stillen Kämmerlein nach sich selber sucht, kommt sich gerechterweise gleich ein wenig arm vor, wenn nicht gar egoman und onanös. Beste Ausrede in solchen Fällen zur Selbstberuhigung: „Ich möchte ja nur nicht, dass mein Name in verunglimpfenden Zusammenhängen missbraucht wird.“ Eben. Und bis es soweit ist, ist es natürlich ganz spannend, sich auf diese Weise selber kennen zu lernen. Schädlich ist es auch nicht, das Erweichen des Rückenmarks hält sich in Grenzen, sofern man immer schön aufrecht auf einem Gesundheitsstuhl sitzt. Es sollte das Ego-Google nur vielleicht nicht zur unsympathischen Manie werden (es sei denn, man wird gerade eine Person der Zeitgeschichte), denn dann stellt man höchstens fest, dass der Typ, der genauso heißt wie man selber, schon wieder vier interessante Einträge mehr hat (Eishockey-Torkönig, neues Musikprojekt, Launch eines Grafikbüros..), während das echte Ich immer nur im ewig peinlichen Gedichteforum auftaucht, das doch schon damals vor acht Jahren abgeschaltet gehört hätte.
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