01.10.2006 - 19:00 Uhr

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Der Runde Tisch zur Müncher Clubkultur

Text: tobias-moorstedt

Die New York Times schrieb Anfang des Jahres: "With Munich's new party scene - who needs Berlin?" und die PR-Stadtväter loben die lebendige Innenstadt. jetzt.muenchen hat die Clubbetreiber von „Rote Sonne“, „Registratur“ und „Zewirk“ an einen Runden Tisch gesetzt.

München cooler als Berlin – stimmt das? Peter (Rote Sonne): In München ist nicht mehr los als in Berlin. Das wäre übertrieben. Wahr ist aber, dass wir hier mittlerweile wirklich sehr viele Clubs haben. Auch in der Innenstadt. Das gilt vor allem für elektronische Musik. Was hier am Wochenende an internationalen DJs aufgefahren wird, das ist schon fett. David (Registratur): Wenn man Top-DJs pro Einwohner rechnet, dann liegt München vielleicht wirklich vor Berlin. Sandra (Zerwirk): Es haben in den letzten Jahren irre viel Clubs aufgemacht. Rote Sonne, Monofaktur, Zerwirk, Woanders, und die Liga ist auch wieder da. Peter: An einigen Ecken fehlt es aber noch total. Zum Beispiel haben die Drum'n'Basser keinen Platz im Zentrum. Und einen Metal-Club haben wir auch nicht.
von links: die Clubmacher David B. Walker, Sandra Forster und Peter Wacha Die Goldgräberstimmung des Nachtlebens herrschte vor allem in den Jahren 2003 und 2004: Woran lag das damals? Sandra: Der Kunstpark hatte zugemacht. Zeitgleich gab es Gerüchte, dass die Stadtverwaltung die Innenstadt beleben wolle. Ich weiß allerdings nicht, ob da tatsächlich Fördergelder geflossen sind. David: Der Kunstpark - da kann man sagen was man will - war für München eine große Entwicklung. Es war zum ersten Mal eine Clubmeile in der Stadt, die zwar irgendwann kreativ ausgebrannt war, die es den Leuten aber auch ermöglicht hat, in die Innenstadt zu schauen und zu fragen: Was geht denn da? Peter: Wir hatten 2003 die Situation, dass große Gebäude wie in der Blumenstraße leer standen, und ein paar Promoter wie David es geschafft haben, Läden wie die Registratur und das Funky Kitchen aufzumachen. Davor war es sehr schwierig, in der Innenstadt einen Laden zu finden. Deshalb gab es ja die Hallenkultur. Und die Stadt war auch froh, dass sie die wilde Jugend ein bisschen draußen halten konnte. Aber: Ich bin 44 und in München aufgewachsen. So lebendig war es hier noch nie. Sandra: Irgendwann wurde die Zwischennutzung ein bisschen zur Mode. Das ZVK in der Maximiliansstraße ist gut gelaufen. Die Stadt hat gemerkt: Wir haben leer stehende Räume und wollen sie vermieten. Ein Club könnte eine Möglichkeit sein. Und natürlich gab es Leute mit Ideen und Mut. Das war 2003. Wie sieht es heute aus: Stecken wir nach dem Hype nun in einer Konsolidierungsphase? David: Es hat sich alles ein bisschen beruhigt. Aber es gibt immer Leute mit Visionen, die sich denken, dass da noch etwas fehlt. Sandra: Nicht jeder Club boomt. Es werden auch wieder ein oder zwei Läden zumachen müssen. Das Publikum verteilt sich eben. Eine große Veränderung war auch der Wegfall der Sperrzeit. Früher sind die Leute um ein Uhr aus den Bars rausgeflogen und die Clubs hatten fünf Minuten später einen großen Leute-Influx. Jetzt kannst du bis um vier in der Bar bleiben, und dort den Abend ausklingen lassen. David: Es ist eine neue Gattung der Micro-Clubs entstanden wie das K&K oder das Café am Hochhaus. Ihr sitzt eigentlich ganz friedlich zusammen. Macht ihr euch denn viel Konkurrenz? Sandra: Ich würde das positiv sehen. Jeder muss total gut sein. Alle müssen sich anstrengen. Und nur die besten werden bestehen. Das fördert vielleicht die Qualität. Peter: Die Konkurrenz hängt vor allem davon ab, wie ähnlich sich die Läden sind: Die Betreiber von Rote Sonne, Registratur und Erste Liga kommen sich natürlich ab und zu beim Booking in die Quere, wenn alle Clubs denselben DJ wollen. Da können uns die Agenturen dann gegeneinander ausspielen und es wird ein wenig teuerer. David: Um solche Dinge zu regeln, treffen wir uns am Sonntag manchmal auf der Theresienwiese, stellen uns im Kreis auf und machen Sumo-Wrestling. Ich gewinne meistens. Ich habe einen niedrigen Körperschwerpunkt.
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Tobias Moorstedt